Bundeswehr-Soldat

"Dein Jahr für Deutschland": Mit diesem Satz wirbt die Bundeswehr für ihren neuen Freiwilligendienst im Heimatschutz. Mit dem Pilotprojekt sollen Interessenten für die Bundeswehr gewonnen werden, die dann aber nur für Aufgaben im Inneren eingesetzt werden.

Es soll ein Zusatzangebot für junge Menschen sein, die sich für die Bundeswehr interessieren – aber nicht so sehr, dass sie sich länger festlegen wollen oder sogar einen Auslandseinsatz riskieren würden. Das Pilotprojekt "Wehrdienst im Heimatschutz" setzt – wie der Name schon nahelegt - auf einen heimatnahen Einsatz der Teilnehmer.

Die Bundeswehr wirbt mit dem Slogan "Dein Jahr für Deutschland" – nach Ansicht von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer durchaus mit ersten Erfolgen: "Schon vor dem Start am 1. September haben sich rund 1800 Interessenten gemeldet, und wir haben fast 800 Beratungsgespräche mit unserer Karriereberatung vereinbart."

Gut mit dem Privatleben vereinbar

Und all das für zunächst rund 1000 Plätze, die vergeben werden. Auf die Frage, wen die Bundeswehr mit dem neuen Angebot ansprechen wolle, antwortet Kramp-Karrenbauer, Herzblut für bürgerschaftliches Engagement sei wichtig. Und es gebe noch einige weitere Vorgaben: Wer mitmachen will, muss demnach mindestens 17 Jahre alt sein, die deutsche Staatsbürgerschaft haben, die Schulpflicht erfüllt haben, und sowohl charakterlich als auch gesundheitlich geeignet sein.

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Im April 2021 startet dann die Ausbildung, die sieben Monate dauert. Im Anschluss bleibe man über einige Jahre im Reservistendienst verpflichtet, so Kramp-Karrenbauer, "aber so, dass man es sehr gut auch mit seinem Privatleben vereinbaren kann".

Im Katastrophenfall, sagt die Verteidigungsministerin, könnte man die Reservisten schnell aktivieren und einsetzen. Aktuell gemünzt etwa auf die Corona-Pandemie wäre denkbar, dass die Männer und Frauen beim Aufbau und Betrieb von Testeinrichtungen mit anpacken.

Wenig sinnvolle PR-Aktion?

Ein Pilotprojekt, das bei der Opposition auf Kritik stößt - etwa bei Verteidigungspolitikern wie Matthias Höhn von der Linkspartei: "Es müssen Voraussetzungen geschaffen werden, Menschen unterzubringen, Menschen auszubilden – das macht man nicht von heute auf morgen, Und schon deswegen stellt sich die Frage, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt und ich sage, er lohnt sich nicht."

Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der FDP zweifelt an der Sinnhaftigkeit des neuen Dienstes: "Es ist eine PR-Aktion der CDU. Frau Kramp-Karrenbauer, immer noch Parteivorsitzende, trägt das Thema wie ein Mantra vor sich her, ist aber nicht wirklich orientiert an den Sorgen und Nöten der Soldatinnen und Soldaten."

Konkurrenz für Wohlfahrtseinrichtungen

Und auch Wohlfahrtseinrichtungen sind skeptisch. Sie sprechen von unnötiger Konkurrenz für bereits bestehende Freiwilligendienste. Noch dazu, weil man da nur ein Taschengeld bekommt von ein paar hundert Euro. Wer in das Pilotprojekt der Bundeswehr geht, bekommt etwa 1550 Euro im Monat – die Besoldung für Soldaten.

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer sieht das anders: "Dieses neue Angebot bildet das ab, was die Bundeswehr ausmacht: Wir dienen Deutschland. Und unsere Soldat:innen dienen Deutschland im Ausland, aber auch im Inneren und sie helfen eben jetzt auch im Heimatschutz." Nach Ansicht von Kramp-Karrenbauer ist das keine Konkurrenz, sondern eine sinnvolle Ergänzung.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 1.9.2020, 6 bis 9 Uhr

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