Gaffer auf einer Autobahnbrücke
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Wer durch Gaffen die Rettungsarbeiten nach Unfällen behindert, macht sich strafbar. Da das viele aber nicht abhält, setzt die Polizei immer öfter auf rabiate Methoden.

Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Gaffer - also Menschen, die nach Verkehrsunfällen nicht nur die Polizei und Nothelfer behindern, sondern damit auch das Retten von Menschenleben gefährden. Seit letztem Dienstag ist allerdings alles anders: Als auf der Autobahn A6 ein LKW-Fahrer stirbt, filmen Gaffer beim Vorbeifahren die Unfallstelle mit ihrem Handy. Daraufhin stellt Stefan Pfeiffer, Einsatzleiter der Verkehrspolizei Feucht, die Gaffer zur Rede. Er forderte sie auf, auszusteigen und mit ihm zur Leiche zu gehen, um sie so per Schocktherapie von ihrer Sensationslust zu kurieren: "Wollen Sie die Leichen sehen? Kommen Sie, Sie können Sie anschauen!", ruft er ihnen zu.

"Das Thema auch emotional angehen"

Dieser couragierte Mann bekam viel Beifall aus der Bevölkerung und auch aus der Politik. "Wir müssen gegen die Gaffer konsequent vorgehen", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Die Strafen seien zu Recht erhöht worden, aber man müsse das Thema auch "emotional angehen. Es ist wirklich unerträglich und einfach unverschämt, wie sich manche Verkehrsteilnehmer auf unseren Autobahnen benehmen."

Nur zwei Tage später in Hessen: In der Nacht zum Freitag filmt der Fahrer eines Kleinlasters aus dem Auto den Unfallort auf der A5 bei Weiterstadt. Dort brennt ein Auto. Er wird von der Polizei gestoppt und zur Rede gestellt: "Willst Du das fotografieren? Willst Du da drin gesessen haben? Willst Du das sehen? Willst Du der Familie von der Person, die da hätte verbrennen können, erzählen, was mit dem Fahrer passiert ist?"

Videobeitrag
Ein Polizist nimmt einem Autofahrer das Handy ab.

Video

zum hessenschau.de Video Polizei stellt Schaulustige zur Rede

Ende des Videobeitrags

Pilotprojekt in Hessen

Seit 2017 gilt es als Straftat, wenn Einsatzkräfte bei der Rettung von Menschen behindert werden. Zur Behinderung zählt auch das Nicht-Möglichmachen einer Rettungsgasse, wie es ebenfalls in der Nacht zum Freitag nach einem Unfall mit einem Toten auf der A3 bei Bad Camberg passiert ist. "Die Rettungsgasse, war, weil es unmittelbar nach der Auffahrt Bad Camberg war, ziemlich schnell zugefahren", berichtet Alexander Remser von der Feuerwehr. "Wir konnten dementsprechend sehr schwer mit den nachfolgenden Fahrzeugen anfahren. Sehr viele Gaffer, viele halten an der Einsatzstelle an beziehungsweise verlangsamen ihre Fahrweise."  

Derzeit läuft in Hessen ein Pilotprojekt der Polizei: Streifenwagen mit Front- und Heckkamera sollen zum Einsatz kommen. Schon während der Anfahrt zum Unfallort  können die Beamten dann Beweise sichern und später Verstöße besser ahnden.

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