Urkaine Flagge
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Wenn die Ukrainerinnen und Ukrainer am Sonntag in der Wahlkabine stehen, falten sie einen Stimmzettel auseinander, der 80 cm lang ist. Darauf sind fast 40 Kandidaten - so viele wie noch nie. Drei von ihnen haben Chancen, der neue Präsident oder die neue Präsidentin der Ukraine zu werden. Wir stellen sie vor.

Petro Poroschenko

Er tritt im Wahlkampf nicht im Tarnanzug auf, mit dem er sonst gerne deutlich macht: Die Ukraine ist ein Land im Krieg. Obwohl er diese Stimmung für seinen Wahlkampf nutzt, trägt der 53-Jährige darin lieber Anzug und Krawatte, um Vertrauen zu gewinnen.

Ukrainischer Präsident Petro Poroschenko
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Poroschenkos Botschaft: Nur er kann die Ukraine vor Russland retten. Damit spitzt er das nochmal deutlich zu, wofür ihn die Ukrainerinnen und Ukrainer 2014 nach den Majdan-Protesten ins Präsidentenamt gewählt haben - die Annäherung an den Westen. Damals wollte er aber noch der Korruption an den Kragen gehen.

Obwohl das bisher kaum Wirklichkeit wurde, schätzen seine Anhänger, dass Poroschenko die Ukraine näher an die EU und zur Nato gebracht hat. Trotzdem: Laut einer Umfrage wird deutlich mehr als die Hälfte der Wähler das Kreuz auf dem langen Wahlzettel NICHT bei ihm machen. Ein Großteil davon lebt auf dem Land. Bei den älteren und kaum Ausgebildeten dort ist nämlich eine andere stark:

Julia Timoschenko

Sie tritt zum dritten Mal für das Präsidentschaftsamt an. Ihre Partei sei bestens vorbereitet, sagt sie. Bei ihren Wahlkampfauftritten setzt die 58-Jährige mit den blonden, langen Haaren trotzdem auf Emotionen. Sie will vermitteln, dass sie die einzige ist, die für die wahren Interessen der Bevölkerung und gegen das Establishment eintritt.

Timoschenko
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Dabei verspricht sie Gaspreise zu senken und Gehälter zu erhöhen. Für ihre Kritiker ist das reiner Populismus. Weil sie ja selbst seit Jahren zur Politelite gehöre, die eng verstrickt mit Oligarchen ist. Dem setzt sie entgegen, dass sie aus dem "Big Business" komme und deshalb sehr genau wisse, "was getan werden muss, um das post-sowjetische Management, die Clan-Oligarchie zu einem demokratischen, europäischen Modell umzuwandeln."

Fragt man die Jungen in der Ukraine, trauen sie das aber nur einem anderen zu:

Wladimir Selenski

Er ist 41 Jahre alt, Comedy-Star und Schauspieler. Gerade gut im Geschäft als Hauptdarsteller einer Serie im ukrainischen Fernsehen. Darin ist er furchtloser Geschichtslehrer, der überraschend zum Präsidenten gewählt wird, weil er die Politikerelite kritisiert und es besser macht - anschaulich in jeder Folge.

Selenski
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Mittlerweile glauben viele Ukrainerinnen und Ukrainer dem Überraschungs-Kandidaten auch im echten Leben, wenn er für den Fall, gewählt zu werden, verspricht: Zuerst muss ich mich um mein Land kümmern, um seine Probleme - es gibt sehr viele Menschen, die ums Überleben kämpfen, und noch mehr, die darüber nachdenken, das Land zu verlassen."

Der Mann ohne Politikerfahrung verbreitet ein Gefühl von Leichtigkeit und Hoffnung. Anders als die Politelite scheint er nicht in post-sowjetische Strukturen verstrickt. Seine Umfragewerte steigen ständig. Das katapultierte ihn weit vor die anderen beiden Favoriten. Trotzdem: Alle drei treffen mit ihrem Programm nicht wirklich den Nerv der Bevölkerung. Die sucht stattdessen nach einer gemeinsamen Identität und hofft auf nachhaltig bessere Lebensbedingungen.

Sendung: hr-iNFO, 29.3.2019, 6:10 Uhr

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