Fliegen wird teurer - wenn eine Kerosinsteuer kommt

Fliegen ist praktisch, schnell und oft günstiger als eine Fahrt mit der Deutschen Bahn. Doch die energieintensive Art zu reisen gerät immer mehr in Verruf. Brauchen wir mehr Einschränkungen beim Flugverkehr?

Pro: ein Luxus, der kein Privileg mehr ist

Von Vanessa Rothe

Ja, ich gebe es zu. Ich bin bequem und deshalb sage ich ganz ehrlich: Ich fliege lieber, als mit der Bahn zu fahren. Es ist einfach ein Unterschied, ob ich von Frankfurt nach Berlin vier Stunden im Zug sitze oder eine Stunde mit dem Flugzeug brauche.

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Ich kann verstehen, wenn auch Geschäftsreisende dann lieber fliegen, wenn sie so zum Abendessen wieder zu Hause sein können. Und für mich gibt es auch keinen schöneren Grund fürs Fliegen, als Urlaub zu machen. Wenn ich schon immer mal eine Stadt oder eine Sehenswürdigkeit sehen wollte, wenn ich auch im Winter gerne mal in der Sonne am Strand liegen möchte, was ist daran verwerflich, sich diesen Traum zu erfüllen?

Das Fliegen viel teurer zu machen, ist für mich auch kein Weg. Dann könnten sich das ja nur noch die Reichen leisten, die Prinz Harrys dieser Welt würden munter weiterfliegen mit ihren Privatjets. Es ist doch gerade das Tolle, dass Fliegen heute nicht mehr das Privileg der oberen Zehntausend ist. Für mich stellt sich dann eher die Frage: Wie oft muss es wirklich sein? Wenn wir es wie früher wieder zu schätzen wüssten, was für ein Luxus fliegen doch eigentlich ist, ist das doch besser, als es komplett zu verteufeln.

Contra: Klimakiller Nummer eins

Hanna Immich

Ich finde, wir müssten alle weniger fliegen. Fliegen gilt als Klimakilller Nummer eins, kein anderes Verkehrsmittel verbraucht so viel Energie wie ein Flugzeug. Ein Flug von Deutschland auf die Malediven verursacht laut Umweltbundesamt eine Klimawirkung von über fünf Tonnen CO2 – und das pro Person! Dafür kann man 25.000 Kilometer fahren. 25 Mal von Frankfurt an die Nordsee hin und zurück.

Ich bin normalerweise kein Freund von radikalen Einschnitten durch den Staat, aber in manchen Punkten kann nur ein Gesetz helfen, denn freiwillig werden die meisten Menschen nicht bereit sein, auf lieb gewonnene Gewohnheiten zu verzichten. Das war beim Rauchen so und das ist meiner Meinung nach auch beim Fliegen so.

Treibhausgasemissionen beispielhafter Flüge

Mein Vorschlag: Man könnte die Menge der erlaubten Flüge pro Person auf zum Beispiel zwei Flüge im Jahr beschränken. Und wer gar nicht fliegt, kann seine Anteile verkaufen an Menschen, die mehr fliegen möchten oder müssen. Quasi eine Art Zertifakte-Handel mit Flugkilometern. Die kurzen Distanzen wie München-Berlin oder Frankfurt-Paris sollte man komplett streichen, denn auf diesen Kurzstrecken wird im Verhältnis am allermeisten CO2 ausgestoßen. Stattdessen könnte man die Bahnstrecken ausbauen und für noch mehr und schnellere Verbindungen sorgen.

Warum haben wir nicht so schnelle Züge wie zum Beispiel in Japan? Ich glaube, wenn wir es wirklich wollen, unsere Erde auch für unsere Kinder noch lebenswert zu halten, müssen wir jetzt loslegen - jeder Einzelne von uns, und auf Dinge verzichten. Auch wenn es erstmal weh tut. Aber ans Rauchverbot haben sich ja auch alle gewöhnt.

hr-iNFO Aktuell, 21.8.2019, 15 bis 18 Uhr

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