Eine Schülerdemo in Berlin, auf einem Plakat steht "Warum lernen ohne Zukunft"
Immer freitags demonstrieren Schüler für besseren Klimaschutz. Bild © Imago

Junge Menschen auf der ganzen Welt demonstrieren derzeit einmal in der Woche für den Klimaschutz. Auch in Hessen protestieren inzwischen jeden Freitag Tausende Schüler. Aber muss das unbedingt während der Schulzeit sein?

"Fridays for Future" nennt sich die globale Schüler- und Studenteninitiative, die sich immer freitags für eine Verbesserung des Klimaschutzes einsetzt. Statt in die Schule gehen die jungen Menschen demonstrieren – und verletzen damit die Schulpflicht. Sollten die Bildungseinrichtungen da ein Auge zudrücken? Ein Pro und Contra.

Pro Unterrichtsausfall

Schüler müssen ihr Demonstrationsrecht, also ihr einziges aktives Recht auf Teilhabe an der Demokratie, ausleben und nutzen können – und das, ohne schlechte Noten oder Strafen fürchten zu müssen. Dafür kann der Unterricht auch mal ausfallen. Das ist schlicht gelebte Demokratie.

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Die meisten Schüler dürfen noch nicht wählen. Wie also sollen sie sich sonst zu Wort melden? Wie sollen sie in die Rolle kritischer Demokraten hineinwachsen? Das Argument, dass dies auch außerhalb der Schulzeit möglich ist, zählt für mich nicht. Wo bliebe dann der Aufschrei, das Medienecho, die Aufmerksamkeit aus Politik und Bevölkerung?

Klar gibt es dann auch schnell den Vorwurf, die Lehrer legten sich in der Zeit des Unterrichtsausfalls auf die faule Haut. Doch der muss abprallen an den Türen der Lehrerzimmer und Rektorenbüros. Stattdessen müssen sich die Lehrkräfte darüber Gedanken machen, wie sie den Inhalt des Protests in den vollgepackten Lehrplan integrieren können, um die Schüler bei der Bildung einer eigenen Meinung zu unterstützen, für die sie dann demonstrieren gehen.

Es ist auch klar, dass es immer Schüler geben wird, die Demonstrationen nur als angenehmes Mittel zum Schule schwänzen nutzen und kein Interesse am eigentlichen Thema haben. Umso mehr aber sehe ich diese Desinteressierten in der Erwachsenenwelt. Auch dagegen muss die Schule angehen. Aus ihren Schülern sollen interessierte und engagierte Bürger werden. Und wie sich das anfühlt, lehrt die Teilnahme an Demonstrationen – ohne dafür den Schulverweis fürchten zu müssen.

Contra Unterrichtsausfall

Unterrichtsausfall, weil die Schüler den Unterricht bestreiken? Nein. Die Schulen sind nicht schuld am zu laschen Kampf gegen den Klimawandel. Sie sind der falsche Gegner. Ja, der Klimawandel wird die heute ganz Jungen am meisten treffen. Sie haben alles Recht der Welt und sogar die Pflicht, darauf lautstark aufmerksam zu machen. Aber bitte außerhalb der Schulzeit, in eurer Freizeit. Sonst könnte man denken, ihr macht das nur, um weniger Schule zu haben.

Geht in die Fußgängerzonen. Samstags. Stört Parteitage. Stellt euch vors Kanzleramt, die US-Botschaft oder die von Brasilien. Belästigt all die, die irgendwie Mitschuld am zu laschen Kampf gegen den Klimawandel haben.

Schulen müssen weltanschaulich neutral sein. Wenn Streiks quasi als Unterricht angerechnet werden, dann könnten demnächst Schüler, die gegen Flüchtlinge, gegen Mindestlohn oder für die Freigabe von Haschisch sind, auch streiken und gleiches Recht für sich verlangen.

Strafloses Blaumachen: Das ist ja kein Tabubruch mehr. Das würde schnell keinen mehr interessieren. Mögliche Strafen gehören mit zum Risiko politischen Engagements. Wer das auf sich nimmt, wird mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Für eine durchaus wichtige, gute Sache.

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Das Pro & Contra spiegelt die Meinungen der Autorin und des Autors wider und nicht die der Redaktion.

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Sendung: hr-iNFO, 1.2.209, 16:30 Uhr

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