Schild einer Waffenverbotszone

Ab Januar gilt in Teilen der Wiesbadener Innenstadt ein absolutes Waffenverbot. Die Polizei kann Passanten dort auch ohne Anlass nach Waffen durchsuchen. Wird jemand erwischt, muss er ein Bußgeld zahlen.

Pro Waffenverbotszone

Von Andrea Bonhagen

Ich finde eine Waffenverbotszone richtig, auch aus eigener Erfahrung: Bei einer Übung, einem Rollenspiel bei der Polizeiakademie, ging einmal ein Messerstecher auf mich los. Ich war so gut wie tot, bevor ich überhaupt reagieren konnte. Ein Messer lässt sich gut verbergen, Zustechen geht unheimlich schnell. Ich habe auch Täter vor Gericht erlebt. Die Reue hinterher kommt zu spät.

Eine Waffenverbotszone in Wiesbaden ist ein Zeichen. Es lenkt den Blick auf die jungen Männer, die meinen, sich jederzeit verteidigen zu müssen, und deshalb ein Messer bei sich führen. Natürlich ist es ohnehin verboten, ein Springmesser bei sich zu haben. Aber offenbar haben einige auch Teppichmesser aus dem Baumarkt. Und die sind bisher nicht verboten.

Ich lese täglich die Polizeimeldungen aus Wiesbaden. Dass nachts jemand mit einem Messer bedroht oder attackiert wird, ist nicht ungewöhnlich. Die Polizei in Wiesbaden verweist auf die Statistik. Danach nehmen solche Fälle zu. Und die Vorfälle konzentrierten sich auf eine bestimmte Zone rund um den westlichen Teil der Innenstadt.

Die Polizei findet die Einrichtung einer solchen Zone hilfreich. Sie ermöglicht Kontrollen ohne Anlass. Das heißt, selbst wenn sich junge Männer unauffällig verhalten, können Beamte sie durchsuchen und ihnen Messer abnehmen. Das fällige Bußgeld steigert sich langsam von etwa 150 Euro auf bis zu 5.000 Euro. Das könnte auf Dauer so teuer werden, dass die jungen Männer keine Teppichmesser mehr bei sich haben. Es ist einen Versuch wert.

Contra Waffenverbotszone

Von Ariane Focke

Bin ich der Meinung, dass die Waffenverbotszonen viel bringen werden? Nein. Wird sich irgendjemand davon abschrecken lassen, nicht vielleicht doch ein Teppichmesser einzustecken? Nein. Bei den Waffenverbotszonen geht es mir ähnlich wie mit den Beton-Pollern, die momentan vor so ziemlich jedem Weihnachtsmarkt stehen. Sie sollen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.
Bei mir ist das Gegenteil der Fall – erinnern sie mich doch jedes Mal wieder daran, dass es diese absolute Sicherheit nie geben wird. Weder durch Beton-Poller, noch durch Waffenverbotszonen.

In Deutschland ist es heute schon verboten, Waffen wie Springmesser oder Schusswaffen mit sich herumzutragen. Lebe ich also sicherer, weil in Wiesbaden nun auch waffenähnliche Gegenstände wie Teppichmesser oder extra beschwerte Handschuhe innerhalb dieser Zonen von 21 Uhr bis 5 Uhr morgens verboten sein sollen? Nein.

Was fest steht ist, dass die Zahl der Messerangriffe in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Die Zahlen sind dramatisch und hier muss reagiert werden. Diese Zonen werden die Sicherheit aber nicht erhöhen. Was die Sicherheit erhöht, das sind mehr Polizeikontrollen. Dazu braucht es aber auch das entsprechende Personal, das die dann auch durchführen kann. Ich halte also für sinnvoller: mehr Polizeibeamte statt noch mehr Verbotsschilder. Lieber einstellen statt aufstellen.

Sendung: hr-iNFO, 14.12.2018, 16:50 Uhr

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