Ein Polizist im Einsatz bei einem Hochrisikospiel
Ein Polizist im Einsatz bei einem Hochrisikospiel Bild © Imago

Für sogenannte Hochrisikospiele in der Bundesliga reicht die normale Zahl an Polizeibeamten von etwa 200 oft nicht aus. Doch wer sollte diese Mehrkosten tragen müssen? Die Länder oder die Deutsche Fußball Liga? Unsere Redakteure sind sich nicht einig.

Pro: Die DFL verdient viel Geld mit den Spielen, also soll sie zahlen

von Julia Hummelsiep

Eines vorweg: Ich bin keine Fußball-Hasserin – ich habe einen HSV-Fanschal im Schrank. Nun aber zur Sache: Es geht um die Frage, wer für die Veranstaltung Fußball-Spiel die Verantwortung trägt. Ganz klar: die Deutsche Fußball Liga. Sie verdient viel Geld damit, also muss die DFL das Extra-Aufgebot der Polizei bei Hochrisikospielen auch zahlen. Denn es geht hier darum, wem der Fußball eigentlich gehört. Den Fans, die im Fernsehen quasi kein Spiel ohne zu bezahlen gucken können oder pro Stadionbesuch um die 50 Euro los sind? Oder der DFL, die mit der Vermarktung des Sports Milliarden scheffelt? Das macht es doch eindeutig: Der Fußball dient nicht mehr dem Gemeinwohl, sondern ist ein gewinnorientierter Betrieb.

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Hintergrund

Es geht um 415.000 Euro, die das Land Bremen für ein Derby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV im April vor vier Jahren für zusätzliche Polizeikräfte ausgegeben hat. Für dieses sogenannte Hochrisikospiel wurden statt der üblichen 200 knapp 1.000 Polizeibeamte eingesetzt. Die Mehrkosten hat Bremen der DFL in Rechnung gestellt, doch die will nicht zahlen. Im Februar 2018 hatte DFL den Rechtsstreit vor dem Oberverwaltungsgericht Bremen verloren. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig konnte keine abschließende Entscheidung treffen, stellte aber klar, dass die Länder grundsätzlich Gebühren erheben dürfen. Der Fall wurde an des Oberverwaltungsgericht zurückverwiesen.

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Polizeieinsätze dienen der allgemeinen Gefahrenabwehr – etwa bei Demonstrationen, kulturellen Veranstaltungen oder bei 'normalen' Sportereignissen, die sicherlich Teil des Kulturprogramms vielerorts auf der Welt und eben auch hierzulande sind. Doch in der Bundesliga werden mehr als 100 Spiele pro Saison als Hochrisikospiele eingestuft, die einen Großeinsatz der Polizei erfordern. Das ist keine allgemeine und aus Steuern zu finanzierende Gefahrenabwehr mehr. Zu solchen Spielen mögen manche Fans nicht mehr gehen, mögen Eltern ihre Kinder nicht mitnehmen – aus Sorge, dass die Polizei dort aus gutem Grund so stark vertreten sein muss, weil es Krawall gibt.

Damit erscheint mir der Fußball nicht mehr für alle offen. Denn nur, wenn der Besuch eines Spiels ungefährlich bleibt, ist Fußball tatsächlich Teil der deutschen Sportkultur – und damit auch ein Beitrag zum Gemeinwohl. Vielleicht treiben die zusätzlichen Kosten die DFL ja an, ihre Fußballfans auf dieses Ziel einzuschwören.

Contra: Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ist Sache des Staates

von Peter Sänger

Die Idee kommt aus Bremen, na klar. Dort wird der Haushalt seit Jahrzehnten mit tiefroter Tinte geschrieben. Vernünftige Sanierungslösungen sind nicht in Sicht. Jetzt soll sich also die DFL an den Polizeikosten bei Fußball-Risikospielen beteiligen - solche also, bei denen Krawalle zu befürchten sind. Das kommt in unserer Gesellschaft öfters mal vor. Bei Volksfesten, bei Demonstrationen, beim G 20-Gipfel, wenn ein rechtsradikaler Hooligan beerdigt wird. Doch genau für diese Lebenssituationen bezahlt unsere Gesellschaft Polizisten, Staatsanwälte, Richter. Sie sollen Ordnung ins zeitweilige Chaos bringen. Finanziert wird das von den meisten von uns, also von allen Menschen in der Gesellschaft, die Steuern zahlen. Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ist ausschließlich Sache des Staates.

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Zum Artikel Polizeikosten bei Fußballspielen und die Folgen für Hessen

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Doch jetzt wollen Bundesländer wie Bremen bei bis zu 120 Risikospielen pro Jahr abkassieren, weil Fußballspiele schließlich eine gewinnorientierte Veranstaltung sind. Muss demnächst auch eine Bank den Polizeieinsatz nach einem Überfall bezahlen? Muss ein Einkaufszentrum zahlen, wenn die Polizei dort einbrechende Räuber jagt? Überlegt sich ein Imbissbuden-Betreiber künftig zweimal, ob er wegen zwei sich prügelnder Würstchen-Esser die Polizei ruft? Alle arbeiten gewinnorientiert, sind fürs Gemeinwohl aber unverzichtbar. Und Fußball gehört zum Kulturgut wie Musikevents, Theater und Museen. Alle müssen Geld verdienen, jeder beschäftigt eigene Security, und gemeinsam vertrauen sie darauf, dass der Staat sein Gewaltmonopol durchsetzt. Und Steuern zahlt der Profi-Fußball in Milliardenhöhe, auch für Bremen.

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In Hessen lagen die Kosten für alle Polizeieinsätze rund um Fußballspiele in der Saison 2017/2018 bei circa 6,7 Millionen Euro. Das ist gut eine Million weniger als in der Saison zuvor und sogar zweieinhalb Millionen weniger als in der Spielzeit 2015/2016.

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Sendung: hr-iNFO, 26.3.19, 06:10 Uhr

Ihre Kommentare Wer soll die Mehrkosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen tragen?

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14 Kommentare

  • Hallo
    Für mich stellt sich diese Frage nicht, denn jeder kleine Verein muss dafür sogen, das es auf dem Sportgelände friedlich zugeht !
    Jeder große Verein kennt seine Chaoten und kann diese verbannen oder einer Strafe zuführen ! Ich als Steuerzahler habe kein Interesse diesen Vereinen die Sicherheit zu finanzieren ! Bin Fußballfan und kann mir vorstellen, wenn die Vereine oder der DFL dazu nicht zu verurteilen sind, eine prozentuale Steuer anteilig auf jede Karte zu erheben !
    Wozu müssen Profis solche Unsummen verdienen ???
    Es muss zwingend verhindert werden, das solche Leute im Lande Unfrieden stiften und dadurch Familien mit Kindern ein Stadionbesuch vermeiden !

  • Es ist die staatliche Aufgabe für Recht und Ordnung zu sorgen. Daher dürfen diese Kosten nicht auf die Profivereine umgelegt werde.
    Sollte das Gericht dies anders sehen, können sich die Vereine die Mehrkosten ja bei den Gewalttätern über eine Zivilklage zurückholen. Den Aufschrei , auch vom Senat in Bremen möchte ich nicht hören!

  • Habe eben von dem Ergebnis der entsprechenden Studie gehört.
    HIer haben sicher Leute abgestimmt die noch nie im Stadion waren.

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