Sujetbild: Ein Impfpass weist eine Impfung gegen Covid-19 auf. Neben dem Impfpass liegt ein Konzertticket von Eventim.

Langsam aber stetig steigt die Zahl der gegen Corona geimpften Menschen in Deutschland. Sollten die schon vorzeitig wieder ins Restaurant dürfen? Darüber gibt es auch in unserer Redaktion Diskussionen.

Pro mehr Freiheit für Geimpfte

Von Torsten Huhn

Viele Menschen müssen seit Monaten mit weitgehenden Einschränkungen leben: Sie dürfen keine Verwandte oder Freunde mehr treffen, sie müssen zu Hause bleiben, können allenfalls Spaziergänge machen – und auch die nur mit Abstand und Maske. Unser "normales" Leben können wir nun schon seit vielen Monaten nicht mehr leben, keinen Sport treiben, keine Konzerte oder Theater besuchen, nicht mal im Restaurant essen oder abends in der Kneipe einen trinken.

Für viele Menschen, die nicht in einer Familie oder mit anderen zusammenleben, bedeutet das Alleinsein die schlimmste Einschränkung. Es trifft dabei besonders ältere Menschen.

Deshalb bin ich sehr dafür, dass geimpfte Menschen mehr Freiheit bekommen. Natürlich aber nur, wenn weitgehend gesichert ist, dass die Ansteckungsgefahr durch die Impfung gebannt ist. Natürlich dauert es noch eine Weile, bis die gesamte Bevölkerung geimpft ist. Aber wir sollten es den schon geimpften Menschen gönnen, dass sie vielleicht schon wieder mehr am "richtigen Leben" teilnehmen können – Sport machen, zum Yoga gehen oder es sich mal wieder in einem Restaurant schmecken lassen.

Das könnte natürlich die Menschen ärgern, die noch auf ihre Spritze warten müssen. Aber wir sollten es den schon Geimpften gönnen - und warten. Denn wir wissen ja: Irgendwann werden wir alle wieder unser "normales Leben" zurückbekommen.

Contra mehr Freiheit für Geimpfte

Von Marianne Bohnke

Sonderregeln für Geimpfte? Die darf es nicht geben. Jetzt verbieten sich solche Gedankenspiele ohnehin, solange sich nicht jeder impfen lassen kann und noch nicht klar ist, in welchem Ausmaß Geimpfte das Virus an andere übertragen können. Aber auch bei zunehmender Durchimpfung darf es keine Ungleichbehandlung geben. Die dann (hoffentlich) mögliche schrittweise Aufhebung der Eingriffe in die persönlichen Freiheitsrechte muss für alle gleichermaßen und im gleichen Tempo erfolgen.

Schon deshalb, weil das Virus unberechenbar bleiben und die Gefahr der Ansteckung anderer bestehen bleiben wird. Ausnahmen für Geimpfte könnten auch eine falsche Sicherheit suggerieren und zu einem Nachlassen in der persönlichen Vorsicht verleiten.

Außerdem muss man sich mal die praktischen Probleme vorstellen: Man müsste seinen Impfstatus ja ständig bei allen möglichen Gelegenheiten nachweisen. Und müssten dann nicht auch Unterschiede gemacht werden, je nachdem welchen der ja unterschiedlich wirksamen Impfstoffe man bekommen hat und wann man ihn bekommen hat?

Und noch etwas: Sollte sich der Eindruck verbreiten, dass eine Impfpflicht durch die Hintertür kommt, dann wäre das Wasser auf die Mühlen der Impfgegner. Und die so wichtige Akzeptanz der Impfkampagne würde leiden.

In der Privatwirtschaft besteht Vertragsfreiheit und Betreiber von Fitnessklubs zum Beispiel könnten Nichtgeimpften den Zutritt verwehren. Aber der Staat muss dafür sorgen, dass trotzdem Nicht-Geimpfte Zugang zu allen grundlegenden Dienstleistungen behalten.

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Sendung: hr-iNFO, 04.02.2021, 15-18 Uhr

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