Ein Schild weist darauf hin, dass eine Schule geschlossen ist.

Die italienische Regierung geht mit drastischen Mitteln gegen die Ausbreitung des Coronavirus vor. In Deutschland ist das öffentliche Leben noch weitestgehend intakt. Zu Recht?

Pro: Behutsames Vorgehen gegen Corona ist ausreichend

von Marcel Heberlein

Ich war am Samstag im Fußballstadion. War vielleicht keine besonders clevere Idee. Auf dem Weg zurück in der S-Bahn war es so sardinendoseneng, dass ich den Atem meines Hintermanns die ganze Zeit im Nacken gespürt habe. Ich finde es absolut nachvollziehbar, dass große Veranstaltungen jetzt wegen Corona abgesagt werden sollen. Fußballspiele, Konzerte, Veranstaltungen also, die nicht unbedingt nötig sind, um eine Gesellschaft am Laufen zu halten. Aber noch radikaler handeln? Sofort alle Schulen schließen, den Bahnverkehr einstellen, das öffentliche Leben zum Erliegen bringen? Ich glaube, das wäre aktuell nicht angemessen. Nicht bei den noch vergleichsweise geringen Fallzahlen in Deutschland. Es wäre auch das falsche Zeichen. Von jetzt auf gleich alle Maschinen auf Stopp - das würde bei vielen den Panikbutton drücken. Und das könnte wirklich schaden.

Panik ist Quatsch. Denn ja, Corona ist nicht ungefährlich. Aber es ist kein apokalyptischer Killer. Gut möglich, dass sehr viele Menschen auch hierzulande in den nächsten Jahren irgendwann mal Corona kriegen - die meisten werden es aber kaum merken und die Krankheit locker meistern. Wichtig ist jetzt, dass wir handeln, um besonders gefährdete Menschen zu schützen - und die Infektionen auf möglichst viel Zeit zu verteilen, damit das Gesundheitssystem mit den Fällen zurechtkommt. Ein maßvolles Vorgehen, so wie bisher, ist dafür aus meiner Sicht der richtige Weg.

Contra: Eigentlich müsste mehr getan werden

von Uwe Lueb

Trotz allen erkennbaren Bemühens: Die Bundesregierung handelt unterm Strich nur halbherzig. Wenn die Gefahr, die von dem Virus ausgeht, wirklich so groß ist wie befürchtet, dann muss die Regierung und müssen alle zuständigen Behörden konsequenter handeln. Warum sollen nur Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern abgesagt werden? Das ist eine willkürlich gegriffene Zahl. Dazu kommt: In geschlossenen Räumen verbreiten sich Viren in aller Regel schneller als etwa in einem Fußballstadion. Vermutlich ist eine Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr im Berufsverkehr sogar risikoreicher als beim Fußballspiel in der Fankurve zu stehen.

Da man all das aber noch nicht so genau weiß, ist echte Vorsicht geboten – und zwar richtig! Wer kann, sollte eine Zeitlang von zu Hause aus arbeiten. Schulen könnten erstmal schließen. Es sind ohnehin bald Osterferien – die könnte man vorziehen. Und: Großveranstaltungen jeder Art müssten vorerst abgesagt werden. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach hat es auf den Punkt gebracht: Wer das jetzt nicht mache, müsse sich womöglich in ein paar Wochen fragen lassen, ob er nicht für eine Welle von Todesfällen verantwortlich ist.

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