Eine Uhr, die 3 Uhr anzeigt

An diesem Wochenende drehen wir die Uhren auf Winterzeit. Und wieder einmal stellt sich die Frage: Brauchen wir das noch? Unsere Autorinnen sind unterschiedlicher Ansicht.

Pro: "Sommerzeit ist eine wunderbare Erfindung"

Von Dagmar Fulle

Ein wesentlicher Grund für die Einführung der Sommerzeit war die Hoffnung, Energie zu sparen, mit der einfachen Rechnung: Mehr Tageslicht am Abend bedeutet weniger künstliches Licht. Gut, das hat nicht so geklappt, wie sich das die Erfinder der Zeitumstellung gedacht hatten. Aber die eine Stunde mehr Sonne und mehr Licht am Abend genießen wir in den Sommermonaten doch alle. Für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr ist die Zeitumstellung eine Herausforderung – nach jahrzehntelanger Übung aber längst Routine.

Und auch die Menschen in Deutschland haben inzwischen fast 40 Jahre Erfahrung damit. Von schwerwiegenden Folgeschäden ist nichts bekannt. Erst seit einigen Jahren entwickelt sich eine zunehmend hysterische Diskussion um die Zeitumstellung. Wer das Thema in den sozialen Medien zur Diskussion stellt, kann hunderter aufgebrachter Kommentare sicher sein. Aber warum eigentlich?

Schauen wir auf das Reiseland Deutschland: Im Jahr 2018 sind 55 Millionen Deutsche mindestens einmal gereist, viele von ihnen an die Strände der Kanarischen Inseln, nach Griechenland oder in die Türkei, nach Tunesien oder Marokko. Auch beliebt: Die Dominikanische Republik oder die Malediven, die USA ebenso wie Kanada. All diese Länder und Reiseziele liegen in anderen Zeitzonen. Mal ist eine Stunde Zeitunterschied zu bewältigen, mal sind es fünf, sechs oder gar neun. Hat sich irgendjemand schon mal darüber beklagt? Nein. Es ist eben so, heißt es dann.

Die Zeitumstellung zweimal im Jahr hat ihren Sinn. Die Sommerzeit ist eine wunderbare Erfindung – von den langen hellen Abenden profitieren alle. Im Winter aber würde sie nerven, wenn man früh raus muss. Gälte die Sommerzeit durchgehend, würde es noch eine Stunde später hell als ohnehin schon. Das ist kein guter Start in den Tag. Bleiben wir also dabei: Einmal Uhren umstellen im März, einmal Uhren umstellen im Oktober. Die machen das dank Funksignal ohnehin schon weitgehend selbstständig.

Contra: Die Natur kennt keine Zeitumstellung

Von Selina Rust

Für mich ist das nichts, diese Zeitumstellung. Am schlimmsten ist dieser Moment im März, wenn uns eine Stunde geklaut wird. Dann liege ich im Bett und verdamme den Wecker, der mich eine Stunde früher in den Tag wirft. Denn es macht einen Unterschied, ob der Wecker um fünf oder um sechs Uhr klingelt. Und das merke ich den ganzen Tag: Mir fehlt diese eine Stunde. Ich bin müde, im Zweifel schlecht gelaunt oder unkonzentriert. Das ist unnötig und am Ende auch ungesund.

Das geht nicht nur mir so, sondern auch Kindern, die feste Schlafenszeiten brauchen, um am Tag fit zu sein. Wer Kinder hat, weiß, wie schwer sie sich mit diesem "Mini-Jetlag" tun. Denn die Zeitumstellung bringt einfach den Schlafrhythmus und die innere Uhr durcheinander. Apropos innere Uhr: Die Natur kennt keine Zeitumstellung. Tiere drehen an keinem Zeiger und verstehen dann, dass sie jetzt ein anderes Zeitmanagement an den Tag legen müssen. Sie orientieren sich lieber am Sonnenstand. Warum machen wir Menschen das nicht auch?

Problematisch wird unser Hin und Her vor allem für Nutztiere. Eine Kuh, die gemolken werden will, kann ihre Milchproduktion nicht von jetzt auf gleich schneller in Gang setzen, weil die Uhr das jetzt eben so vorgibt. Oder gar mit schmerzenden Eutern auf den Bauern warten, wenn der im Winter eine Stunde länger schlafen könnte. Deswegen versuchen Bauern, sie sanft an die Zeitumstellung zu gewöhnen.

Sollten wir darauf nicht auch achten? Und uns die Frage stellen: Wozu das ganze? Um Energie zu sparen? Wir wissen mittlerweile, dass das nichts gebracht hat. Deswegen sage ich: Ja, wir sollten uns von der Zeitumstellung verabschieden und mehr auf den natürlichen Rhythmus hören.

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Das Pro & Contra spiegelt die Meinung der Autoren und nicht die der Redaktion wider.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 25.10.2019, 15 bis 18 Uhr

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