Transitzentrum Manching
Das Transitzentrum Manching könnte nach den Plänen von Innenminister Seehofer (CSU) ein "Ankerzentrum" werden. Bild © picture-alliance/dpa

Innenminister Seehofer will Asylverfahren mit speziellen Flüchtlingsunterkünften beschleunigen. Was spricht dafür, was dagegen?

Pro "Ankerzentren": Schneller und rechtssicherer

Die Bezeichnung "Ankerzentrum" steht für die Begriffe Ankunft, Entscheidung und Rückführung. Nach den Plänen des Bundesinnenministeriums sollen in diesen Unterkünften bis zu 1.500 Personen leben. Hier soll die Identitätsfeststellung erfolgen, einschließlich der Altersfeststellung bei Minderjährigen. Familien mit minderjährigen Kindern sollen sechs Monate in den Zentren bleiben, alle anderen 18 Monate. Hier sollen die Asylverfahren gebündelt werden, was nach Meinung der Befürworter das Prozedere schneller und rechtssicherer machen würde.

Weitere Informationen

Seehofers "Ankerzentren"

Innenminister Seehofer will Geflüchtete in Ankerzentren unterbringen. Doch die Idee zündet nicht. Mehrere Bundesländer - viele davon CDU-geführt - versagen ihm offenbar die Unterstützung. [tagesschau.de]

Ende der weiteren Informationen

Viele verschiedene Behörden sollen in den "Ankerzentren" arbeiten und ihre Entscheidungen treffen. Etwa das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter, Ausländer- und Justizverwaltungen. Bei einem positiven Bescheid können die Betroffenen dann im Land verteilt werden, auf die jeweiligen Kommunen. Bewerber, die nicht in Deutschland bleiben dürfen, könnten direkt in ihr Heimatland zurückgeschickt werden. Dadurch würden die Kommunen personell und finanziell entlastet, Flüchtlingen könnte das Untertauchen zumindest erschwert und dadurch die Sicherheit im Land erhöht werden.

Contra "Ankerzentren"

Die Gegner der "Ankerzentren" sagen, dass solche Massen-Unterkünfte zu Frustration und Konflikten führen würden. Es sei auch bislang völlig unklar, wie die Zentren konkret aussehen sollten: mitten in der Stadt oder abgeschieden auf dem Land, mit oder ohne hohe Zäune? Wäre der Schulbesuch für Kinder erlaubt oder nicht? Und wer soll die Anlagen bewachen? Wichtig sei auch, dass unabhängige juristische Beratung stattfinden könne, um Asylbewerber für ihre Verfahren überhaupt qualifizieren zu können.

Und auch Teile der Polizei äußern sich skeptisch. Die Gewerkschaft der Polizei zum Beispiel fürchtet, dass solche Zentren Lagern ähneln würden, in denen Schutzsuchende für viele Monate kaserniert und von der übrigen Bevölkerung isoliert sein würden. Dies würde auch Aggressivität befeuern, was wiederum am Ende auf die Polizei zurückfallen und gefährliche Einsätze für die Beamten zur Folge haben würde.

Sendung: hr-iNFO, 16.5., 14:10 Uhr

Jetzt im Programm