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In Schweden ist das Rauchen seit dieser Woche auch draußen, an Bushaltestellen, auf Spielplätzen und vor öffentlichen Gebäuden verboten. Sollte Deutschland das Rauchverbot ebenfalls ausweiten?

Pro Rauchverbot: "Die Gesundheit hat Vorrang"

Von Tobias Lübben

Zwei Dinge stehen fest: Rauchen ist schlecht für die Gesundheit. Und: Rauchen empfinden nicht wenige als Genuss. Ob jemand für den Tabakgenuss ein gewisses Gesundheitsrisiko in Kauf nehmen will, bleibt jedem Erwachsenen selbst überlassen. Das finde ich auch völlig okay – auch ich habe mich oft genug für den Genuss entschieden. Nur: Die Entscheidungsfreiheit müssen auch die anderen haben, diejenigen, die sich für den Schutz ihrer Gesundheit entscheiden. Und wenn beide Interessen kollidieren, hat selbstverständlich die Gesundheit Vorrang.

In öffentlich genutzten Innenräumen wie Gaststätten, Rathäusern oder Flugzeugen ist das inzwischen Usus, Rauchen ist dort verboten, und das wird auch von den meisten akzeptiert. Aber es gibt auch im Freien Orte, an denen Raucher und Nicht-Raucher eng beisammenstehen und einander nicht ausweichen können. Bushaltestellen zum Beispiel.

Es ist nur logisch, dass dort das Gleiche gilt wie in Innenräumen, denn auch im Freien können einem die Rauchschwaden des qualmenden Nachbarn den Atem verschlagen. Und dass man auf Spielplätzen oder direkt vor Kita und Schulen nicht raucht, wie es jetzt ein FDP-Mann fordert – ist das nicht eigentlich klar? Wer da seiner Sucht frönt, macht's gleich doppelt falsch: Er schädigt die Gesundheit von Kindern und er ist ein schlechtes Vorbild.

Die wenigen, denen das nicht aus Vernunftgründen einleuchtet, kann man vielleicht mit einem offiziellen Verbot erreichen, zur Not mit Bußgeldern. Klar: Auch die Genussmenschen brauchen Raum – und den haben sie ja auch: zum Beispiel in Parks, auf Plätzen und Straßen, in ihren Wohnungen und Häusern. Aber in einigen klar definierten, sensiblen Bereichen ist ein Rauchverbot absolut sinnvoll, und da gehören Kita-Eingänge, Schultore und Spielplätze auf jeden Fall dazu.

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Contra Rauchverbot: "Ein Akt der Entmündigung"

Von Wolfgang Hettfleisch

Ja, ich bin Raucher. Und ja, ich weiß, dass das potenziell tödlich für mich ist – und gefährlich für alle, die den Qualm abkriegen. Deshalb verhalte ich mich so, dass andere durch meinen Zigarettenrauch möglichst wenig beeinträchtigt werden. Sind kleine Kinder in der Nähe, spare ich mir die Kippe – oder gehe mal schnell um die Ecke, wenn die Sucht nach Nikotin gar nicht mehr zu beherrschen ist. Im Biergarten achte ich darauf, wer wortwörtlich in meinem Dunstkreis sitzt, und frage, ob es okay ist, wenn ich mir eine anzünde.

Dafür brauche ich keine Vorschrift. Was FDP-Gesundheitspolitiker Wieland Schinnenburg jetzt ins Gespräch gebracht hat, ein Rauchverbot vor Schulen und Kitas und an Spielplätzen, das klingt erst mal plausibel. Kinder müssen vor den Gefahren des Passivrauchens besonders geschützt werden. Aber mir kommt es zugleich wie das Eingeständnis vor, dass wir verlernt haben, miteinander zu kommunizieren und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Einfach so. Ganz ohne Vorgaben.

Natürlich funktioniert das nur, wenn Raucher wie ich ihre Sucht nicht zum Akt der Selbstverwirklichung und des Widerstands verklären. Wenn jemand vor dem Restaurant oder im Park darum bittet, nicht zu rauchen, dann ist das kein Anlass, um aus der Haut zu fahren und sich erst recht eine anzuzünden.

Ich weiß, dass ich als Raucher hierzulande einer Minderheit angehöre, die schrumpft und irgendwann verschwinden wird. Und das ist gut so. Wenn mir der Gesetzgeber aber vorschreiben will, wo die Grenzen der Vernunft liegen und wo die der Rücksichtnahme auf andere, dann ist das nicht einfach nur eine Maßnahme für mehr Gesundheitsschutz. Es ist auch ein Akt der Entmündigung. Weil uns Rauchern damit angedichtet wird, wir könnten nicht aus eigenem Antrieb das Richtige tun. Und diese Unterstellung verbitte ich mir.

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Zum Artikel Wie halten es andere Staaten mit dem Rauchverbot?

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Sendung: hr-iNFO, 05.07.2019, 15 Uhr

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