Angela Merkel (EPA)

Der Hin und Her um den AstraZeneca-Impfstoff verunsichert viele Menschen. Sollte sich Kanzlerin Merkel, wie manche nun fordern, mit dem Vakzin impfen lassen, um ein Zeichen zu setzen und das Vertrauen wieder herzustellen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Durch die neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission, AstraZeneca nur noch an Menschen über 60 zu verimpfen, rücken Menschen jenseits der 60 auf in der Impfreihenfolge - so auch Kanzlerin Merkel. Sollte sie sich demonstrativ mit dem AstraZeneca-Wirkstoff impfen lassen? Unsere Hauptstadtkorrespondenten sind geteilter Ansicht.

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Pro: Für Ältere ist Corona gefährlicher als die Impfung

Von Evi Seibert

Natürlich sollte sich die Kanzlerin öffentlich mit AstraZeneca impfen lassen. Wer, wenn nicht sie? Sie ist Wissenschaftlerin. Sie weiß, dass es in der Forschung immer so ist - es gibt neue Erkenntnisse, also verändert man die Regeln dementsprechend. Da muss man nicht ständig sagen: "Oh, das verunsichert mich jetzt aber." Permanent gibt es neue Erkenntnisse, die das, was wir bisher geglaubt haben, widerlegen oder ändern. Zuerst hatten wir nicht genug Daten über AstraZeneca und ältere Menschen, da war es klug abzuwarten. Nun wissen wir von Millionen von Geimpften hier und in England: Für Ältere ist Corona gefährlicher als eine Impfung mit AstraZeneca.

Bei den rasant steigenden Infektionszahlen wird die Pandemie täglich gefährlicher. Wer über 60 ist, sollte sich also besser sofort schützen und kann das jetzt auch tun, weil er schneller dran ist. Wer vollkommen risikolos leben will, der darf auch nicht mit dem Auto fahren oder in Urlaub fliegen. Oder zu Hause auf die Leiter steigen oder Fenster putzen. Und da ich die Kanzlerin als eine Frau einschätze, die ganz nüchtern Risiken abwägt, sollte sie das als Vorbild für andere in ihrer Altersgruppe auch öffentlich tun. Um den Blick in der Öffentlichkeit wieder aufs Wesentliche zu lenken: Für Ältere ist Corona gefährlicher als die Impfung. Es hilft nichts, wenn jetzt alle über Verunsicherung reden. Es hilft, klar Risken abzuwägen - und das kleinere Risiko zu wählen.

Contra: Impfung ist eine persönliche Entscheidung

Von Alfred Schmit

Ich finde, niemand sollte von dem Grundsatz abweichen, dass eine Impfung eine persönliche Entscheidung ist. Wenn die Kanzlerin sich mit AstraZeneca impfen lässt, zeigt sie damit nur, dass sie für sich persönlich diese Entscheidung getroffen hat. Sie zeigt damit, dass sie zwei Risiken gegeneinander abgewogen hat: das Risiko einer Covid-Erkrankung, einschließlich der Möglichkeit eines schweren Verlaufs und des eigenen Todes - und einer Impfung dagegen, mitsamt der jetzt bekannten Risiken.

Die Kanzlerin war vorsichtig, als sie öffentlich danach gefragt wurde und verwies darauf, dass sie ja erstmal eine Einladung dazu brauche. Das klang nach Bedenkzeit und das finde ich völlig okay. Es gibt jetzt neue Daten, und die muss man erstmal verarbeiten. Allgemein und jeder Mensch für sich. Ich finde auch, wenn die Kanzlerin sich für AstraZeneca entscheidet, sollte niemand verlangen, dass sie das vor Kameras und Mikrofonen tun müsste. An der Stelle greift der Unterschied zwischen der politischen Amtsträgerin und dem Individuum Angela Merkel.

Politiker, die sich gezielt und öffentlich beim Impfen zeigen - und diese Fotos gibt es ja von Stuttgart bis Tel Aviv –, solche Politiker erhöhen damit nicht unbedingt das Vertrauen in Impfungen generell. Es ist wichtig, dass wir uns alle höchstpersönlich über eigene Risiken informieren und sie mit ärztlichen Vertrauenspersonen besprechen. Wenn wir dann Ja sagen zu einem Impfstoff, der Millionen schon geholfen hat, ist das okay. Aber nicht nur deshalb, weil die Kanzlerin das auch gemacht hat.

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 Sendung: hr-iNFO Aktuell, 31.3.2021, 15 bis 18 Uhr

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10 Kommentare

  • Ja, das wäre eine Mutprobe!

    Es heisst doch, vorrangig wären Frauen nach einer AstaZeneca-Impfung an HIrnthrombosen erkrankt/verstorben. Da hilft es wenig, wenn uns immer wieder mutige Männer mit dem umstrittenen AstraZeneca öffentlich impfen lassen. Ich selbst bin 67 Jahre und nehme zwar nicht mehr die Antibabypille, jedoch noch immer täglich ein Hormonpräperat.

    Wurde auch einmal geprüft, welcher Zusammenhang bei dieser Konstellation eine Impfung mit AstraZeneca nicht ein erhöhtes Risiko darstellt? Sollte man auch über 60-Jährige, welche Hormonpräperate einnehmen, nicht über ein erhöhtes Risiko zur Thrombosebildung zusätzlich hinweisen?

  • Das Misstrauen ist gegen diesen Impfstoff enorm weit verbreitet: vorgestern Abend bin ich (67 Jahre) gegen 21:00 Uhr angerufen worden, weil im Impfzentrum noch AstraZeneka-Impfdosen übrig waren und noch an diesem Abend an "Ü60-Katastrophenschützer und -Feuerwehrleute" verimpft werden sollten, damit man sie nicht verwerfen muss.

    Ich war schnell dort. Der Impfarzt war überrascht, dass ich sofort mit dem Serum einverstanden war und nicht erst von dessen Segnungen überzeugt werden musste ...

    Das Gespräch mit dem Arzt hat mir vor Augen geführt, wie groß der Zweifel an der Verlässlichkeit des Impfstoffes ist: die "Überbestände" waren an diesem Tag entstanden, weil mehrere Impfkandidaten bis zur letzten Minute versuchen wollten, über 'ihr' Serum (BionTec) zu verhandeln und als sie nicht erfolgreich waren, wieder gingen.

    Bei allen Vorbehalten gegen Politiker - welcher Richtung auch immer - können die doch durch eine öffentlich Impfung helfen, Zweifel zumindest zu verringern. ÄRMEL HOCH!

  • ja, sollte sie. Auch all die anderen über 60 Jährigen in der Regierung, auch in den Länderregierungen! Es ist schon merkwürdig, wie hier nun gezögert wird. Warum? Wir Bürger hören doch seit Wochen nichts anderes mehr, als Impfen, Impfen. Diese Gruppendynamik, die dadurch ausgelöst wird, ist schon mit Panik durch permanente Horrornachrichten zu vergleichen. Eine negative Gruppendynamik, deren Auslöser sich nicht herdenrennend impfen lassen. Zumal Mutanten nicht zwingend durch Impfstoffe erreicht werden können. Es gibt viel nachzudenken, einfach mal innehalten!

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