Touristen halten sich am Strand von Arenal in Palma de Mallorca auf. (dpa)

Sommer, Sonne, Strand und Meer: Ist das angesichts der um sich greifenden Delta-Variante und steigender Inzidenzen eine gute Idee? Unsere Autoren sind geteilter Ansicht.

Pro: Wir haben es uns verdient

Von Julia Hummelsiep

Reisen ist Luxus – schon klar. Und eigentlich bin ich weit weg davon zu sagen: Das hammer uns verdient. Aber: Wir haben uns verdient, ein paar Tage oder gar Wochen außerhalb der eigenen vier Wände Urlaub zu machen. Weg von allem Homeoffice, Homeschooling und Zuhausebleiben-Müssen dieses ewigen Winters und nicht enden wollenden Frühjahrs.

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Zum Artikel Corona-Pandemie: Wie riskant sind Urlaubsreisen in diesem Sommer?

Urlaub trotz Corona
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Und ich mach das jetzt auch – trotz bundesweit wieder ansteigender Infektionszahlen. Trotz eines Ausbruchs im Ferienlager eines Wiesbadener Jugendcamps, tausender Ansteckungen trotz voller Schutzimpfung. Und trotz der Einstufung des Robert-Koch-Instituts von beliebten Reiseländern wie Portugal, Zypern oder Tunesien als Hochinzidenzgebiete, von Spanien, der Türkei und Teilen von Norwegen, Schweden und Irland als Risikogebiete. Dort muss ich ja gerade nicht unbedingt hinfahren. Und falls jemand dorthin fahren wollte und sich jetzt fragt: 'Was mach ich nur?' Vieles lässt sich kostenfrei umbuchen - einfach mal checken! Und dann? Spontan ab irgendwo anders hin, wo man mal was anderes sieht als die eigene Wohnung und das eigene Dorf oder Stadtviertel.

Denn ich glaube, dass das Urlauben in Pandemie-Zeiten auch diesen Sommer zu verantworten ist – wenn denn neben Badelatschen und Sonnenbrille eben auch Maske und Corona-Antigentest mit im Gepäck sind. Wir müssen das Gehirn ja nicht zu Hause lassen: Die Abstands- und Hygieneregeln kann ich im In- und Ausland einhalten – ist doch egal, ob an der Pommesbude im heimischen Freibad oder beim Flanieren durch fremde Städte. Wir haben es halt auch beim Wegfahren in der Hand, wie viel Energie wir dabei für den nächsten Pandemie-Herbst tanken müssen.

In diesem Sinne: Schönen Urlaub!

Contra: Einfach mal die Füße stillhalten

Von: Christoph Käppeler

Ich bezweifle, dass uns Menschen etwas fehlt, wenn wir zwei Jahre hintereinander nicht ins fernere Ausland reisen, um dort am Strand zu braten und abends lecker Paella, Lasagne oder Moussaka zu essen. So heiß wie da werden unsere Sommer eh auch immer mehr – kaum mehr auszuhalten. Und was für eine schöne neue Erfahrung das sein kann: Ich gehe nicht arbeiten und lerne meine eigene Stadt mal als fauler Tourist kennen.

Genüsslich flanieren ohne Zeitdruck und abends wieder zu Hause – das man dann auch wieder ganz anders erlebt. Und morgens früh ausschlafen, so lange man will. Schön Espresso trinken gehen oder spanisch, griechisch, marokkanisch, tibetisch essen – jeden Tag was anderes, in meiner Stadt! Muss man mal erlebt haben.

Außerdem: Wie schön ist das, sich mal etwas zu verkneifen. Nein, dieses Jahr fahren wir "nur" in die Rhön oder den Schwarzwald. Umso schöner ist es doch, wenn man dann nächstes Jahr wieder darf! Und vielleicht ist es dann sogar aufregender, als wenn man es sowieso jedes Jahr im Terminkalender stehen hat: 1. bis 15. August Mallorca oder Kreta. Nein, 2022 heißt es dann: 'Oh toll, Mallorca. Da war ich drei Jahre nicht mehr, schön!'

Dass wir uns dadurch vielleicht auch nicht auf den letzten Metern (trotz Impfung) noch eine Delta- oder noch neuere Variante des vermaledeiten Virus einfangen, wenn wir einfach mal die Füße stillhalten – ja, sorry, ich weiß, das wäre zu sehr Zeigefinger.

Aber auch wenn ich es sehr gerne tue - ich jedenfalls denke: Mir entgeht nicht wirklich etwas wesentliches, wenn ich mal NICHT reise.

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