Donald Trump

Die US-Demokraten wollen Donald Trump des Amtes entheben, nachdem militante Anhänger des scheidenden Präsidenten das Kapitol gestürmt haben. Ein richtiger Schritt, um ihn zur Verantwortung zu ziehen, oder eher kontraproduktiv? Unsere Autoren sind geteilter Ansicht.

PRO: Trump muss zur Verantwortung gezogen werden

Von Christoph Käppeler

Ja, Donald Trump ist ab dem 20. Januar sowieso raus aus dem Amt. Aber das ist kein Grund dafür, ihn nicht per Impeachment zur Verantwortung zu ziehen. Dieser Mann hat oft genug dreist die Verfassung und das Recht missachtet. Für Trump war seine Wahl ins Präsidentenamt immer nur eine Ermächtigung, für seinen eigenen Nutzen zu arbeiten, vor allem zur Stärkung seines beängstigend großen Narzissmus.

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Zum Artikel Wissenswert: Das Impeachment-Verfahren in den USA

USA, Washington D.C.: Eine amerikanische Flagge weht vor dem Besucherzentrum des Weißen Hauses.
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Nach unseliger Autokratenart hat er seiner Familie Posten im Zentrum der Macht verschafft. Am Ende hat er sogar die verurteilten Mörder von unbewaffneten Irakern, auch Kindern, begnadigt – neben einer Reihe seiner Buddys, die aus diversen Gründen in den Knast gehen mussten. Er versuchte, Parteifreunde dazu anzustiften, qua Amt Wahlergebnisse umzufrisieren. Gleichzeitig verbreitete er perfiderweise selber die Lüge von einer massiven Wahlfälschung durch die Demokraten. Er rief seine Anhänger zum Sturm auf das Kapitol auf. Und danach wollte er verlogenerweise damit nichts zu tun gehabt haben. 

Dieser Mann war nicht geeignet, Präsident eines freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaates wie den USA zu sein. Er ist weiter uneinsichtig. Aufwiegelung zu einem Angriff, teilweise bewaffnet, auf ein demokratisch gewähltes Parlament: Dafür muss Donald Trump – auch wenn es noch Wochen oder Monate dauern sollte – zur Verantwortung gezogen werden.

CONTRA: Das Streichholz, um ewig weiter zu zündeln

Von Daniel Sulzmann

US-Präsident Donald Trump ist ein Brandstifter, als Politiker, als Typus. Und während sich einige Medien in Deutschland schon fragen, ob Trump bald Geschichte sei, ist er immer noch der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten. Ein Mann, der mal eben mit der 150-jährigen Tradition bricht, bei der Amtseinführung des neuen Präsidenten würdevoll den Übergang zu meistern.

Trump wird nicht dabei sein. Und wegen dieser Haltung und all der unglaublichen Lügen, die er während seiner Amtszeit über diesem freiheitsliebenden und demokratischen Land ausgeschüttet hat, genau deswegen darf gegen ihn auch kein Impeachment-Verfahren eröffnet werden. Der Narzisst Trump, der politische Brandstifter, bekäme damit das Streichholz in die Hand, um ewig zu zündeln. Ihn kann man nur bekämpfen, indem er in einem Amerika, das die Chance bekommt mit einer neuen Regierung quasi neu anzufangen, letztendlich einfach in der Versenkung verschwindet.

Wird er aber offiziell aus dem Amt geworfen, mit Schimpf und Schande weggejagt, wird er der ewige politische Märtyrer bleiben und seine extremsten Anhänger könnten eine militante Antwort geben. Wenn aber das Verfahren scheitert, kann er darauf verweisen, was für ein großartiger Sieger-Typ er ist. Das kann am Ende für viele Jahre weitaus gefährlicher sein, als ihn einfach der Geschichte als das zu übergeben, was er war: Der schlechteste, faulste und demokratiefeindlichste Präsident, den die Amerikaner jemals gewählt haben.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 11.1.2021, 15 bis 18 Uhr

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