Demonstranten der Protestbewegung "Extinction Rebellion" halten ein grünes Banner hoch mit der Aufschrift "Rebel for Life"

Die Protestaktion 'Extinction Rebellion' fordert von der Bundesregierung, den Klimanotstand auszurufen. Eine sinnvolle Forderung oder zu radikal? Unsere Kommentatoren sind sich nicht einig.

Pro: "Es ist Zeit für mehr Aufmerksamkeit"

von Uwe Lueb

'Extinction Rebellion' ist so etwas wie 'Fridays for Future' 2.0. Und dafür ist es Zeit. Die braven Freitags-Demonstrationen nutzen sich ab –  je mehr Schülerinnen und Schüler darin doch nur einen netten Anlass fürs Schuleschwänzen mit gutem Gewissen sehen, desto schneller. Die Aktivisten von 'Extinction Rebellion' dürften mehr Aufsehen erregen mit ihren spontanen Blockaden. Denn die angekündigten 'Fridays for Future'-Demos kann jeder, der will, meiden. Das ist bei 'Extinction Rebellion'-Aktionen anders.

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Das Mittel des zivilen Ungehorsams ist übrigens nicht neu. Greenpeace macht das schon lange. Umso althergebrachter wirkt da Kanzleramtsminister Helge Braun, der von "gefährlichen Angriffen auf den Straßenverkehr" spricht. Berlins Innensenator Andreas Geisel ist da entspannter: Spontane Demonstrationen seien durchaus zulässig. Und außerdem: Gefährlich wird zunehmend vor allem die Klimaveränderung. Darauf auch durch gewaltfreie außergewöhnliche Aktionen hinzuweisen, ist meines Erachtens völlig in Ordnung.

Contra: "Ein schlechter Dienst am Klima"

von Alfred Schmit

Die Leute von 'Extinction Rebellion' gehen zu weit. Sie beschädigen die 'Fridays for Future'-Bewegung und bringen die ehrlich gemeinten Schülerproteste in Misskredit. 'Extinction Rebellion' fordert extreme Aktionen in Deutschland - und das ist Unsinn. Mehr Bewusstsein für den Klimawandel erreicht man nicht mit Sitzblockaden, sondern mit mehr politischem Druck auf Abgeordnete und Gremien, wie etwa die Kohlekommission. Das Land hat begonnen mit einem Umstieg auf klimafreundlichere Techniken, Energien, Antriebe und Alltagsgewohnheiten. Das ist auch ein Verdienst der 'Fridays for Future'-Bewegung.

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Klar, es könnte noch schneller gehen. Aber ich finde, man muss auch Teile der Bevölkerung bei diesem Wandel mitnehmen, die bislang noch wenig Verständnis dafür hatten. Eine Radikalisierung könnte eher das Gegenteil bewirken - also eine Gegenbewegung zu ansonsten breit akzeptierten Plänen für mehr Klimaschutz. Die Leute von 'Extinction Rebellion' gefährden bisherige Erfolge in der Klimaschutzpolitik. Sie sind radikal. Und damit ziehen sie die Akzeptanz für den Klimaschutz aus der politischen Mitte an den Rand. Ein schlechter Dienst am Klima.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 07.10.2019, 15-18 Uhr

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