Eine Hand setzt zum Kreuz auf einem Wahlzettel an
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Sollte das Alter der Wahlberechtigten auf 16 herabgesenkt werden? In Baden-Württemberg hat man das versucht. In der hr-iNFO-Redaktion ist man geteilter Meinung.

Pro von Isabel Reifenrath

Ich bin dafür, dass auch 16-Jährige wählen dürfen, denn die Gesellschaft überaltert. Bei der letzten Bundestagswahl war die größte Wählergruppe über 60. Das muss nicht schlecht sein, ist es aber, wenn sich die Politik zu stark an den Interessen ihrer größten Wählergruppe ausrichtet, wenn sie sich um die Themen von Jugendlichen kaum oder gar nicht mehr kümmert, weil sie denkt: Die gehen ja eh nicht wählen. Und es ist auch so: Nur sieben Prozent der 18 bis 21-Jährigen haben bei der Bundestagswahl ihre Stimme abgegeben. Die Zahl sinkt seit Jahren. Klar, nun kann man sagen: Dann werden auch nicht viele 16-Jährige wählen gehen. Aber trotzdem würden sie die jüngste Wählergruppe schon mal vergrößern und vielleicht würden sie sich ernster genommen fühlen und auch ein größeres politisches Interesse entwickeln.

Allein die Nachricht, dass sie ab 16 wählen dürfen, und die Diskussion darüber könnten helfen. Einzelne fühlen sich vielleicht noch nicht reif genug, aber die werden dann auch sehr wahrscheinlich nicht zur Wahl gehen. Und die Einflussnahme der Eltern, ganz ehrlich, die gibt es doch immer: Familie und Umfeld prägen die politische Meinung. Deshalb wäre es vielleicht gerade angebracht, in der Schule das Wahlrecht stärker zu thematisieren. Und vielleicht wäre es gut, das nicht zu tun, wenn gerade das Abitur vor der Tür steht, sondern schon vorher in der 10. Klasse bei den 16-Jährigen. Wählen gehen heißt: mitreden dürfen und die Zukunft mitbestimmen – und wer hat mehr Zukunft als die 16-Jährigen?

Contra von Andreas Reuter

Schwanger ist schwanger - und volljährig ist volljährig. Ich finde, am Wahlalter sollte nicht herumgespielt werden. Wer noch nicht allein eine Wohnung mieten darf, wer keinen Handyvertrag abschließen darf, wem der Staat nicht erlaubt, Nachtbars oder Spielbanken zu besuchen, wer keine Patientenverfügung erlassen und keinen Waffenschein haben darf, der soll auch nicht wählen. Die volle Geschäftsfähigkeit, wie das im Juristen-Deutsch heißt, gilt auch für die Politik. Wenn ich als Wähler eine Partei oder einen Kandidaten beauftrage, meine Interessen zu vertreten, dann ist das schließlich auch eine Art Vertrag - mit potentiell weitreichenden Folgen.

Wer junge Leute mit 16 wählen lassen will, der soll ihnen auch all die anderen Rechte und Pflichten eines Erwachsenen geben, kurzum: das Volljährigkeitsalter runtersetzen. Das liegt jetzt bei 18 Jahren und das sollte auch für das Wahlalter gelten. Für alle Wahlen. Für die Bundestagswahl muss man reif und volljährig sein, aber für den Gemeinderat und den Bürgermeister kommt es nicht so drauf an? Ist ja nicht so wichtig, was vor der Haustür passiert? Das Gegenteil ist der Fall. Auch Kommunalpolitiker verdienen die Entscheidung und das Mandat von verantwortungsvollen, geschäftsfähigen Wählern. Und wer mehr Jungwähler an die Urnen bringen will, der soll bitteschön eine bessere Politik machen. Bildungspolitik zum Beispiel, damit die jungen Leute zu wachen und engagierten Staatsbürgern heranwachsen, und darauf brennen, mit 18 auch endlich selbst wählen zu dürfen.    

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zum Artikel Wählen ab 16? Ja bitte, auf allen Ebenen!

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Sendung: hr-iNFO, 13.6.18, 06:10 Uhr

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