Angela Merkel bei Xi Jinping
Angela Merkel bei Xi Jinping Bild © dpa

Es ist das wirtschafts- und geopolitische Megaprojekt Chinas: die Neue Seidenstraße. Damit will das Land ein neues Handelsnetzwerk zwischen Asien und Europa schaffen. Kritiker befürchten, dass das Land vor allem seinen Einfluss ausbauen und seine Überkapazitäten exportieren will.

China besingt die Neue Seidenstraße gerne in höchsten Tönen. "Lass uns zusammen auf der Seidenstraße gehen", so heißt es in diesem offiziellen Werbesong der chinesischen Regierung. Nichts lässt die chinesische Führung unversucht, um für das Projekt zu trommeln. Auch Staats- und Parteichef Xi Jinping gerät regelmäßig ins Schwärmen. "Wir sollten die Neue Seidenstraße in eine Straße des Wohlstands verwandeln. Wir müssen auf Entwicklung setzen, um das Wachstumspotenzial der Länder zu fördern, wirtschaftliche Integration und Zusammenarbeit zu erreichen und dann gemeinsam davon zu profitieren."

Die Neue Seidenstraße meint zum einen den Landweg entlang der historischen Handelsrouten von China bis Europa. Dazu soll es die maritime Seidenstraße über Südostasien durch den Indischen Ozean bis nach Europa geben. Ob per Eisenbahn, LKW oder Schiff. Warenverkehr soll schneller und einfacher werden. Der kritische Historiker und politische Kommentator aus Peking, Zhang Lifan, fürchtet dadurch eine Globalisierung chinesischer Prägung: "Chinas Projekt 'Neue Seidenstraße' zielt darauf ab, die globale Ordnung stärker auf China zuzuschneiden. China will mit chinesischen Lösungen und chinesischen Weisheiten die Welt beglücken. Präsident Xi Jinping redet dabei von einer gemeinsamen Schicksalsgemeinschaft der Menschheit. Diese Begrifflichkeiten zeigen doch Chinas Ziele."

"Wir machen Geschäfte und wollen Frieden."

Chinas Argumentation gegenüber anderen Ländern ist dabei immer ähnlich. Wir können Infrastruktur finanzieren und bauen, die ihr unbedingt braucht. Die Neue Seidenstraße als Win-Win-Situationen. Straßen, Zugstrecken und Häfen sollen entstehen. 2013 hat Xi Jinping den Plan entworfen. Mittlerweile ist von Investitionen von über 900 Milliarden Dollar die Rede.

Während Kritiker fürchten, dass China es mit Transparenz und Freihandel nach festen Regeln nicht so genau nimmt, zeichnen die Experten in China ein anderes Bild. Wang Yiwei ist Politikwissenschaftler an der Renmin-Universität in Peking: "Chinas Einfluss konzentriert sich auf die Realwirtschaft, es ist eine Win-Win-Kooperation. Es kein Versuch, die Welt zu kolonisieren, wie Europa das früher getan hat. Wir machen Geschäfte und wollen Frieden. Nicht Afrika kolonisieren, oder so etwas. Die Neue Seidenstraße hat eine ganz andere DNA, diesen Einfluss Chinas wird die Welt begrüßen."

Kritiker warnen vor den geopolitischen Absichten der Volksrepublik. China investiere und schaffe sich dadurch Abhängigkeiten. Systematisch baue das Land damit seinen politischen Einfluss auf internationaler Ebene aus. Wenn am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu ihrem Staatsbesuch in China landet und mit Staats- und Parteichef Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang zusammentrifft, werden die Chinesen auch das Thema Neue Seidenstraße nicht auslassen.

Deutsche Bedenken gegen Neue Seidenstrasse

Eine Erklärung dazu, die bereits von vielen Ländern unterzeichnet wurde, hat Deutschland bislang nicht unterschrieben. Zu groß sind die Bedenken auf deutscher Seite, dass allein China die Regeln setzt und dass vor allem chinesische Unternehmen profitieren.

Als eins der europäischen Ziele der Neuen Seidenstraße gilt übrigens das Ruhrgebiet. Mit der wöchentlichen Güterzugverbindung von Chinas 30-Millionenstadt Chongqing bis zum großen europäischen Binnenhafen Duisburg.

Sendung: hr-iNFO, 23.5.2018, 6:10 Uhr

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