Grundschule - Sujet
Unterricht an einer Grundschule Bild © Imago

Um dem Lehrermangel zu begegnen und Unterrichtsausfall zu vermeiden, setzen hessische Schulen immer mehr auf Quereinsteiger: also Fachleute ohne pädagogische Ausbildung. Wie funktioniert das? Ein Beispiel aus Offenbach.

Unterrichtszeit in den gewerblich-technischen Schulen Offenbach. Hier sind mehrere Schulformen unter einem Dach vereint, wie zum Beispiel eine Berufsschule und ein Berufliches Gymnasium. Wenn hier die Stunde beginnt, stehen vorne an der Tafel nicht nur ausgebildete Lehrer, sondern auch immer mehr Quereinsteiger - also Menschen, die das Unterrichtsfach studiert haben, aber keine pädagogische Ausbildung haben.

So wie Susanne Sprenger, die vorher an der Technischen Universität Darmstadt als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet hat. Das Unterrichten in Offenbach ist für sie eine Umstellung: Sofort jede Woche 20 Stunden unterrichten, das sei schon hart gewesen am Anfang. "Sie wissen nicht, was Sie der Klasse zumuten können, wie das Ganze aufbereitet werden kann."

Pädagogisch-didaktische Ausbildung wird nachgeholt

Sprenger hat Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau studiert. Dazu gehört viel Mathematik auf sehr hohem Niveau. Ihre Aufgabe an der Schule besteht nun darin, den Schülern zum Beispiel in Maschinentechnik solche Unterrichtsinhalte auch ohne diese besonders schwierige Universitätsmathematik beizubringen. Sie könne ihren Schülern nicht sagen, "dann bilde hier mal das Integral und dann ist das Ergebnis so und so, sondern ich muss das irgendwie anders erklären können."

Um unter anderem das zu lernen, müssen die Quereinsteiger die pädagogische und didaktische Ausbildung nachholen. Auch Jochen Brune macht gerade diese Ausbildung. Der 39-Jährige kommt ursprünglich aus der Automobilindustrie und ist am Anfang der Lehrerausbildung. "Das heißt, wie man auf die einzelnen Situationen reagiert, das werde ich auch selber noch lernen müssen. Man hat so eine gewisse Menschenkenntnis. Aber so allumfassend ist es noch nicht bei mir", sagt Brune.

Ähnliche Erfahrungen während der pädagogischen Ausbildung hat auch Susanne Sprenger gemacht. Manchmal würden sich Situationen in der Klasse ergeben, in denen man sich selbst nicht sicher sei, wie man reagieren solle: "Man hat es ja eigentlich auch nicht gelernt. Man kennt nicht wirklich die ganzen Schulgesetze. Man muss das ad hoc irgendwie alles lernen."

Froh über jeden Quereinsteiger

Insgesamt drei Jahre dauert es, bis aus den Quereinsteigern vollausgebildete Lehrer werden und auf sie dann in der Regel die Verbeamtung wartet. Doch um überhaupt so weit zu kommen, musste jeder Quereinsteiger ganz am Anfang ein Auswahlverfahren an der Schule bestehen, sagt Schulleiter Johannes Leist. Nicht jeder, der ein klassisches Ingenieursstudium durchlaufen habe, sei auch ein "begnadeter Pädagoge. Nicht jeder kann Lehrer", so der Schulleiter. Es sei "ein großer Unterschied, selbst in der Schule gewesen zu sein und nachher dann qualifizierten Unterricht zu machen. Und dann bei den Schülern und Schülerinnen Interesse zu wecken, ist noch was ganz anderes."

In den Gewerblich-technischen Schulen in Offenbach ist man aber dennoch froh über jeden Quereinsteiger. Denn neben der pädagogischen Ausbildung sind vor allem auch hohe fachliche Kenntnisse nötig. Und die bringen die Quereinsteiger mit.

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Sendung: hr-iNFO, 26.9.2018, 6:30 Uhr

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