Symbolbild: Corona-Zahlen

Wo stehen wir im Kampf gegen Corona? Die Antwort darauf versuchen Mediziner und Politiker an Zahlen und Schwellenwerten abzulesen, von denen viel abhängt. Aber wie überzeugend sind diese gesetzten Werte und was bedeuten sie? Ein Ausflug in die Welt der Corona-Zahlen.

Eine Zahl ist aktuell in aller Munde: die Inzidenz. Ein Begriff, der die Häufigkeit der Ansteckungen mit dem Coronavirus meint. Auch Sieben-Tage -Inzidenz genannt, denn in der Regel ist diese Zahl bezogen auf die letzten sieben Tage und pro 100.000 Einwohner. Die Inzidenz gibt also an, wie viele Menschen sich seit der letzten Berechnung neu mit Corona angesteckt haben. Seit einigen Wochen sinkt der Inzidenzwert stetig. Ein gutes Zeichen, meint die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek: "Was wir beobachten, ist schon ein Abwärtstrend im zweistelligen Bereich. Also die Zahl der Neuinfektionen nimmt ab."  

Umstrittene 50

Aber welchen Wert müssen wir erreichen, um Lockerungen riskieren zu können? Lange galt dafür die Zahl 50 als magische Grenze. Also: In sieben Tagen dürfen sich pro 100.000 Menschen nicht mehr als 50 neu infizieren. Überschreitet ein Landkreis die Sieben-Tage-Inzidenz von 50, müssen erweiterte Schutzmaßnahmen getroffen werden. So haben es Politiker in Bund und Ländern im Mai 2020 beschlossen. 50 galt also als gefährliche Marke. Ab 50 würde es zudem immer schwieriger, die Infektionsketten nachzuvollziehen - jenseits der 50er-Marke sei es für die Gesundheitsämter unmöglich, die Kontakte aller Infizierten zu verfolgen, heißt es aus der Politik.

Eine Aussage, die nicht unumstritten ist. Mehrere Bürgermeister von Großstädten erklärten, auch bei einem Inzidenzwert über 50 ließen sich die Kontakte von Infizierten noch gut im Blick behalten. Also eher eine Personalfrage? Einige Mediziner hingegen kritisierten den Wert 50 als viel zu hoch. Sie sprachen sich dafür aus, schon früher auf die Bremse zu treten, um Neuansteckungen im Rahmen und das Gesundheitssystem handlungsfähig zu halten. 

Die neue magische Zahl

Seit vergangenem Mittwoch gibt es nun eine neue magische Zahl: die 35. Kanzlerin Merkel verkündete nun, dass der nächste Öffnungsschritt erst "bei einer stabilen 7-Tage-Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100.000 EinwohnerInnen durch die Länder erfolgen" könne. So werden die Menschen nun auf diese neue Zahl eingeschworen.

Ob 50 oder 35 - die Virologin Sandra Ciesek hält den Inzidenzwert zwar für wichtig und aussagekräftig, es gebe aber auch noch andere Werte, die im Blick bleiben müssten: "Unser R-Wert liegt ja immer noch über 1. Da würde man sich natürlich wünschen, dass er noch deutlich unter 1 geht. Das ist ja der Wert, der zeigt, wie viele Menschen ein Infizierter als Folge dann anstecken würde." Ein R-Wert - also Reproduktionswert - über 1 bedeute, dass jeder Coronainfizierte mindestens einen weiteren Menschen anstecke - "und das ist zu viel", so Ciesek. "Für ein Zurückgehen der Zahlen brauchen wir einen R-Wert deutlich unter 1. Also auch der R-Wert sollte in der Debatte wieder eine Rolle spielen."

Die Welt der Corona-Zahlen – wir werden uns noch eine Weile in ihr zurecht finden müssen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 15.2.2021, 6 bis 9 Uhr

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