Server in einem Rechenzentrum.

Im Großraum Frankfurt schießen neue Rechenzentren wie Pilze aus dem Boden, ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Das digitale Wirtschaftswunder im Rhein-Main-Gebiet hat aber auch eine Schattenseite: Es bedroht die ehrgeizigen Ziele beim Klimaschutz.

In Offenbach entsteht gerade ein Rechenzentrum der Superlative. Auf einem 15 Hektar großen Gelände am Lämmerspieler Weg soll in ein paar Jahren mehr als 100.000 Quadratmeter Nutzfläche jede Menge Rechenpower liefern. Das heißt auch: Die Anlage wird enorm viel Strom brauchen. Christian Mewes, Direktor Infrastruktur beim Investor und künftigen Betreiber CloudHQ, redet nicht um den heißen Brei: "Der Stromverbrauch in einem Rechenzentrum, der ist da, das kann man gar nicht leugnen. Der ist auch sehr erheblich, das zeichnet diese Branche aus. Wo wir früher die Stahl- und die Aluminiumbranche hatten, die auch sehr energieintensiv waren, haben wir jetzt die Datenbranche."

Hochspannungsnetz muss nachgerüstet werden

Für das neue Offenbacher Rechenzentrum muss das Hochspannungsnetz nachgerüstet werden. Der Energiehunger hatte sogar zu Überlegungen geführt, die Daten-Großgarage schrumpfen zu lassen. Das sei aber nicht nötig, sagt Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke: "Tatsächlich stand im Raum, dass möglicherweise nicht die ganze benötigte Energiemenge akquiriert werden kann. Mittleweile ist das Energieproblem für das Projekt aber gelöst und das Projekt wird in der ursprünglichen Größe realisiert."

Mit der Rechenleistung rund um den Frankfurter Mega-Internetknoten DE-CIX wächst der Stromverbrauch. Ein Problem für die Ziele der Energiewende und den Klimaschutz? Nicht zwangsläufig, findet Schwenke. Es käme auf zwei Dinge an: Zum einen, wie der Strom produziert werden - das seien Entscheidungen, "die insbesondere auch bundesweit, europaweit unter den entsprechenden Regelungsvorgaben zu treffen sind". Und das Zweite: Die Energieeffizienz der Nutzung. Da könne man "über den Preis nachsteuern, dass es auch für den Nutzer gerade in Industrie- und Rechenzentren besonders attraktiv wird, auch wirklich energieeffizient zu arbeiten."

Problem wird sich ins Umland verlagern

2050 soll in Hessen nur noch erneuerbare Energie fließen. Doch der Verbrauch ist dort in den vergangenen zehn Jahren kaum zurückgegangen. In Frankfurt ist er zuletzt gestiegen. Ein Grund: die Rechenzentren. Das Problem wird sich mehr und mehr ins Umland verlagern, denn dort gibt’s noch geeignete Flächen. In Hanau etwa soll ein Rechenzentrum entstehen, das noch größer sein wird als das in Offenbach. Es gebe "Nebenwirkungen, die natürlich das Klima beeinträchtigen", sagt Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky. "Wir haben aber die besonders Chance im Rahmen einer Bauleitplanung. Es ist unsere Entscheidung, ob wir hier Satzungsrecht schaffen. Und deshalb sind wir, was diese Fragen angeht, glaube ich durchaus ein Vorbild – auch für viele andere."

Die Rechenzentren in Hanau und Offenbach sollen mal CO2-neutral sein und nur mit Öko-Strom betrieben werden. Energieeffizienz ist im Daten-Goldrausch im Rhein-Main-Gebiet aber längst nicht die Regel. Der Frankfurter Energieversorger Mainova macht vor, wie’s gehen könnte. Mit ihrer Hilfe soll die Abwärme eines benachbarten Rechenzentrums genutzt werden, um 1300 neu entstehende Wohneinheiten im Stadtteil Gallus zu heizen.

Digitaler Goldrausch hat seinen Preis

Viel Einfluss auf den Energieverbrauch im Rhein-Main-Gebiet werden solche Projekte kaum haben. Die Mainova und zwei andere Netzbetreiber investieren gerade 750 Millionen Euro, um das Stromnetz in der Region auszubauen. Und weil grüner Strom nicht auf Bäumen wächst, muss immer mehr davon aus norddeutschen Windparks bezogen werden. Entlang der dafür nötigen Trassen gehen viele Menschen auf die Barrikaden. Dass Deutschlands digitales Herz immer schneller schlägt, hat seinen Preis.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 27.5.2021, 6 bis 9 Uhr

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