Ein Mitarbeiter posiert Rechenzentrum der Telekom-Tochter T-Systems in Biere (Sachsen-Anhalt) für ein Foto.

Sie haben die Aufgabe, immer größer werdene Datenmengen zu verwalten und sie entstehen ganz bewusst rund um Frankfurt, nahe des weltweit größten Internetknotens: Rechenzentren haben eine große Bedeutung für die Region, doch nicht alles am Daten-Goldrausch glänzt.

Große, quadratische Gebäude-Kästen - so sehen die Rechenzentren meistens von außen aus. Drinnen stehen dann sehr, sehr viele Computer-Schränke, die als Datenspeicher dienen, also Nutzer-Daten verwalten, sichern und weiterleiten. Rund 50.000 Rechenzentren gibt es zurzeit in Deutschland und es kommen immer mehr hinzu.

Auch hier bei uns in Hessen, insbesondere in der Rhein-Main-Region. Udo Langenohl, hr-iNFO-Reporter, erklärt an einem Beispiel, das viele kenne dürften, warum es sie braucht: "Wer viele Fotos macht und Videos bunkert, der stößt beim Rechner zu Hause immer wieder an Grenzen, irgendwann ist die Festplatte voll. Und was privat, also im ganz Kleinen passiert, das passiert natürlich auch denen, die riesige Datenmengen zu verwalten haben: Google, Amazon, Facebook, viele andere Firmen." Irgendwann rechnet es sich für die Firmen, die Daten zu Dienstleistern mit viel Speicher auszulagern, statt eigene Datenzentren anzulegen. Die sind nämlich teuer und brauchen Ressourcen, Geld und vor allem viel Strom. "Deshalb wird das zentralisiert in Rechenzentren wie jetzt in Offenbach, in Hanau oder Bergen-Enkheim."

Bauverbot für den Klimaschutz

Denn hier entstehen gerade die nächsten Rechenzentren, während zum Beispiel Singapur den Bau weiterer Zentren verboten hat. Aus Umweltgründen, denn zum einen verbrauchen sie riesige Mengen an Strom und zum anderen produzieren sie sehr viel Wärme, die abgeleitet werden muss. "Klimawandel ist eine existenzielle Bedrohung für Singapur", sagt Singapurs Entwicklungsminister Desmond Lee. "Darum müssen wir unseren Plan, Singapur noch grüner zu machen, nach vorne bringen: 80 Prozent unserer neuen Gebäude sollen Super-Niedrig-Energie-Gebäude sein."

Doch es ist inzwischen möglich, quasi Öko-Rechenzentren zu errichten. Im Frankfurter Industriepark Höchst steht ein solches, entwickelt von Professor Volker Lindenstruth, Computerwissenschaftler an der Uni Frankfurt. Dazu wurden in die Rückwände der Computerschränke sogenannte Wärmetauscher eingebaut, die so ähnlich funktionieren wie Kühler im Auto. Dort wird Wasser eingepumpt und das nimmt die Wärme auf und führt sie ab. Um das Wasser wieder zu kühlen, können dann etwa Verdunstungskühler zum Einsatz kommen, erklärt Lindenstruth: "Die sind nichts weiter als große Kästen, wo man Wasser runterrieseln lässt und das Wasser verdunstet darin. Dadurch wird sehr viel Energie gebraucht und kühlt sich das Wasser wieder ab. Und schon haben Sie einen geschlossenen Kreislauf, der sehr gut kühlen kann."

Rechenzentren als Wirtschaftsmotor

In Offenbach wird gerade das größte Rechenzentrum in Deutschland errichtet. Allerdings noch nicht als Öko-Variante, was mittlerweile auch einigen Protest hervorgerufen hat. Dennoch, für die Stadt ist es ein immens wichtiges Projekt, sagt Oberbürgermeister Felix Schwenke: "Für Offenbach bedeutet das, dass wir in einer Zeit, wo Daten als neues Gold bezeichnet werden, eben ein wichtiger Standort für diese Infrastruktur werden, was aller Erfahrung nach immer auch weitere, positive wirtschaftliche Entwicklungen mit sich zieht."

Die Hoffnung ist also, dass sich weitere, finanziell potente Firmen ansiedeln und so am Ende Geld in die klamme Stadtkasse spülen. Ähnliche Hoffnungen gibt es in Hanau, Erlensee, Babenhausen und einigen anderen Kommunen. Wie gehört: Daten sind das neue Gold.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 27.5.2021, 9 bis 12 Uhr

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