Schüler treten einen auf dem Boden liegenden Jungen.
Schüler treten einen auf dem Boden liegenden Jungen (nachgestellte Szene). Bild © Imago

Knapp 60 Prozent der Lehrer haben den Eindruck, dass Gewalt an Schulen in den letzten Jahren zugenommen hat. Was erleben sie in ihrem Berufsalltag? Und was sagen die Statistiken - haben die Lehrer recht?

Nach einer repräsentativen Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung berichten Lehrer von Kollegen, die beschimpft, bedroht, beleidigt, belästigt und gemobbt werden. Demnach geht es an Schulen eindeutig ruppiger zu als früher – ein gefühlter Eindruck von 59 Prozent der Lehrer.

"Ich musste wirklich mit unglaublich viel Gegengewalt wenigstens einen Ansatz von Disziplin in diese Klasse hineinbringen", erzählt ein Lehrer in einem Deeskalationstraining, der im Rahmen einer GEW-Tagung in Limburg angeboten wurde. Er habe es gerade so geschafft, "aber danach war ich nervlich so am Ende, dass ich am nächsten Tag krank war. Sie haben mit allen möglichen unmöglichen Kraftausdrücken um sich geworfen, die ich so in der Form teilweise überhaupt nicht einschätzen konnte." Im Workshop bekommen die Lehrer Anregungen, wie sie mit Gewalt umgehen können, die ihnen im Klassenzimmer entgegenschlägt.

Zahlen in den letzten zehn Jahren rückläufig

Was sagen die Zahlen? Hat die Gewalt an Schulen tatsächlich zugenommen? Laut dem Bericht "Tatort Schule" des Hessischen Landeskriminalamts gab es im Jahr 2017 knapp 1.200 Straftaten an hessischen Schulen. Das sind 90 mehr als im Jahr zuvor. Zualleroberst steht dabei die vorsätzliche einfache Körperverletzung. Sie macht knapp die Hälfte aller Straftaten aus. An zweiter Stelle stehen 200 Fälle von gefährlicher Körperverletzung, an dritter Stelle Bedrohung mit 128 Fällen hessensweit.

Die Zahlen nähern sich der Realität allerdings nur an, denn "Tatort Schule" beinhaltet zum einen auch Straftaten am Nachmittag - auf dem Bolzplatz vor der Schule zum Beispiel. Zum anderen tun sich Lehrer, Eltern und Schüler schwer damit, Taten anzuzeigen.

"Schulen müssen sich intensiver mit dem Thema befassen"

Wenn man die Taten in den letzten zehn Jahren betrachtet, sind die Zahlen zu Gewalt an Schulen insgesamt zurückgegangen. Dennoch sei der Eindruck der Lehrer, dass Gewalt zugenommen habe, nachvollziehbar, sagt Lehrer Werner Hölzer, GEW-Referent für Gewaltprävention: "Wir müssen sehen, dass die Gewalt vor zehn Jahren noch größer war, aber es gibt viele Übergriffe - meistens Mobbing - untereinander, es gibt Drohungen gegen Lehrer, und es gibt auch Rempeleien gegen Erwachsene im Schulbereich, gegen Lehrer." Die Lehrer empfinden einen Anstieg der Gewalt an Schulen und empfinden eine Bedrohung durch gewaltbereite, aggressive Schüler.

Schulen müssten sich auf jeden Fall viel intensiver mit dieser Thematik beschäftigen, sagt Deeskalationstrainerin Hedda Vogel. Doch den Lehrern fehle es oft an Zeit und Energie, die Aggressionen im Klassenzimmer tiefgründiger anzugehen - und an Strukturen und regelmäßigen Hilfsangeboten, eskalierte Situationen wieder einzudämmen.

Mit Informationen von Gaby Beck, hr-iNFO-Hessenredaktion

Sendung: hr-iNFO, 31.10.2018, 6:10 Uhr

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