Rentner in Griechenland
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Hört man von Griechenland, geht es seit Jahren vor allem um sogenannte Rettungsprogramme, Finanzhilfen und Sparauflagen. Aber wie geht’s den Menschen im Land? Unser Reporter hat ein Rentnerpaar getroffen, das von rund 400 Euro im Monat leben muss.

Thomas und Jana Karampasi sind zwei von 769 Einwohnern im kleinen Örtchen Lianovergi. Ihr kleines Haus liegt 40 Autominuten westlich von Thessaloniki. Einfache Arbeiter mit Baumwollfeldern, die sie im Nebenerwerb für wenige Tausend Euro im Jahr beackern. Thomas redet leise, wenn er klagt, und sieht ratlos aus. "Ich habe mit 15 Jahren begonnen zu arbeiten, in einer Fabrik, nebenher Baumwolle angebaut – mit der Hand gepflückt. Also 40 Jahre harte Arbeit. Wenn ich nicht krank geworden wäre, hätte ich vielleicht bis 67 arbeiten können, aber dann gäbe es auch nur 500 Euro Rente. Und jetzt leben wir eben von noch weniger, von vielleicht 400 im Monat."

60 Jahre alt ist der Mann, der stolz nach hinten auf einen zugewachsenen, überdachten Stellplatz zeigt. Noch älter als er ist sein Traktor, nämlich 64 Jahre. Doch der klingt kräftiger als sein Besitzer. Thomas fährt mit ihm an Tagen, wo ihn seine Krankheit weniger plagt. Er fährt auf die Baumwollfelder, möglicherweise eher aus Gewohnheit. Richtiges Geld verdienen lässt sich damit im Norden Griechenlands schon lange nicht mehr. Dazu müsste Thomas viel mehr Land bewirtschaften. Der Dieselpreis sei im Moment ein echtes Problem, sagt er. Er ist auf 1,40 Euro gestiegen.

Kein Verzicht auf Souflaki und Tzatziki

Mehr als ein halbes Dutzend Rentenkürzungen haben der Landbevölkerung Griechenlands fast wieder ein archaisches Leben gebracht. Vielleicht wurde auch deshalb in diesem Jahr in Lianovergi mit seinen 769 Einwohnern noch kein einziges Kind geboren. "Eigentlich müssten wir und nicht die Rentner in den Großstädten auf die Straßen gehen, um zu protestieren", sagt Thomas‘ Frau Jana. Sie hat ihre Arbeit als Angestellte schon vor vielen Jahren verloren. So wie viele andere Menschen auch in Nordgriechenland.

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Aber auch wenn sie nur ein paar hundert Euro im Monat zum Leben haben und der Sohn gerade erst seine Schulzeit beendet hat - sie wollen es weiter schaffen, irgendwie. "Ob wir Griechen Geld haben oder nicht – auf Souflaki und Tzatziki, auf ein Bier und einen Schnaps wollen wir nicht verzichten", sagt Jana. Jetzt lachen die beiden. Ob die griechische Regierung im Januar wohl ernst macht mit dem nächsten Schritt im Sparprogramm und die Renten ein weiteres Mal kürzt? "Keine Ahnung", sagen Thomas und Jana Karampasi mit Blick auf ihre prallen, roten Tomaten im Garten.

Tagespolitik spielt für sie nicht wirklich eine Rolle. Sie gehören vermutlich zu den überzeugten Nicht-Wählern – der Bevölkerungsgruppe, die in den letzten Jahren am schnellsten gewachsen ist. Auch in Griechenland. Die allermeisten Politikerlimousinen, so sagen das Thomas und Jana, rauschen auf der nur wenige Kilometer entfernten Autobahn nach Thessaloniki an ihrem kleinen Dorf ebenso vorbei wie an den saftig grünen Reisfeldern, in denen Störche nach Fressen stochern. Warum also sollten sie sich für die Politiker interessieren?

Sendung: hr-iNFO, 20.8.2018, 9:10 Uhr

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