Eine Hand hält ein Schild in die Luft mit der Aufschrift "Made in Germany"
Bild © picture-alliance/dpa

Viele deutsche Unternehmen verlagerten über Jahre ihre Produktion in Billiglohnländer und ließen dort günstig produzieren. Doch seit kurzem kehrt sich das Ganze um: Jobs werden zurückgeholt in die Heimat.

Wie viele Unternehmen in Deutschland schon die Produktion hierher zurückgeholt haben, dazu gibt es kaum belastbare Zahlen. Es scheinen allerdings bisher wenige zu sein - das legt zumindest eine Studie nahe, die die Hochschule Karlsruhe vor zwei Jahren veröffentlicht hat. Rund 1.300 Firmen haben die Forscher dafür bundesweit befragt, davon produzieren nur drei Prozent wieder an ihrem Stammsitz in Deutschland, nachdem sie es vorher in Osteuropa oder Asien getan hatten - in sogenannten Billiglohnländern.

Aber manchem Betrieb dämmert es allmählich: Günstig ist nicht immer gut. Studienautor Steffen Kinkel berichtet, in einigen Fällen würde sich nämlich herausstellen: "Die ausländische Produktion oder der ausländische Dienstleister oder Zulieferer ist nicht in der Lage, konstante Qualität zu gewährleisten. Da das aber für die deutschen Produkte wichtig ist, wird die Produktion wieder zurückgeholt".

Die Qualität stimmt nicht

Bestes Beispiel: die Firma Steiff. Sie stellt etwa Bären und andere Kuscheltiere längst wieder in Deutschland her, nachdem vorher in China zu viele aussortiert werden mussten. Es waren schludrig zusammengenähte Tiere mit schief sitzenden Augen. Die Qualität stimmte nicht. Außerdem waren die Plüschtiere auf dem Weg hierher mit dem Schiff mitunter Monate unterwegs. Der lange und oft teure Transport ist für viele Unternehmen ein Grund, sich auf den Produktions-Standort Deutschland zurückzubesinnen.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Wann funktioniert "Reshoring" und wo liegen die Grenzen?

Ende des Audiobeitrags

Er erlebt eine Renaissance, gerade bei hiesigen Fahrzeugbauern und ihren Zulieferern und bei der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Das bestätigt der zuständige Fachverband ZVEI mit Sitz in Frankfurt. Andreas Gontermann ist dort Chefvolkswirt. Im Ausland ließe sich sowieso oft nicht mehr so viel sparen wie früher, sagt er: "Viele sogenannte Niedriglohnländer haben in den vergangenen Jahren auch Lohnsteigerungen erlebt, so dass der Lohnkostenvorteil gegenüber den Industrieländern nicht mehr so hoch ist, wie er mal war".

Industrie 4.0 ist das Zauberwort

Auf der anderen Seite können die Unternehmen hier in Deutschland dieselbe Arbeit mit deutlich weniger Personal verrichten: Industrie 4.0 ist das Zauberwort. Prozesse werde immer stärker digital vernetzt und automatisiert. Was früher teure Handarbeit war, macht Kollege Industrieroboter heute oft alleine, meint Steffen Kinkel von der Hochschule Karlsruhe: "Gleichzeitig ermöglichen es die digital vernetzten Technologien, flexibler auf Kundenwünsche zu reagieren".

Auch das ist für viele Betriebe ein Anreiz, zurück in die Nähe ihrer Kunden in Deutschland zu ziehen. Der Sportartikelhersteller Adidas etwa fertigt wieder hier - und zwar Laufschuhe in Serie. Sie sollen einmal perfekt angepasst sein an die Wünsche jedes Einzelnen. Und das alles ist erst der Anfang, schätzt Steffen Kinkel von der Hochschule Karlsruhe, der seit 20 Jahren über Standort-Verlagerungen forscht. "Wir gehen davon aus, dass mit intensiverem Einsatz der neuen, digitalen Technologien immer mehr Rückverlagerungen zu beobachten sind", sagt er. Doch dass dabei so viele neue Jobs entstehen wie früher einmal ins Ausland verlagert wurden, davon kann man nicht ausgehen, denn den neuen Technologien fallen viele Arbeitsplätze zum Opfer.

Sendung: hr-iNFO, 7.2.19, 06:10 Uhr

Jetzt im Programm