Demonstrationsschild mit der Aufschrift Save our Planet - rettet unseren Planeten

Einige Behauptungen tauchen in der Diskussion um das Klima immer wieder auf. Doch nicht jede Behauptung, die sich hartnäckig hält, ist auch wirklich wahr. Wir nehmen fünf Klima-Mythen unter die Lupe.

1. "E-Autos sind genauso klimaschädlich wie Autos mit Diesel oder Benzin"

Tatsächlich ist ein neues E-Auto ist klimaschädlicher als ein Benziner oder ein Diesel-Auto. Grund dafür ist die Batterie. Die herzustellen ist energieaufwändig – und die Batterien werden immer größer, damit die Autos längere Strecken schaffen. Aber: Je mehr Kilometer ein E-Auto gefahren wird, desto klimafreundlicher wird es. Nach etwa 80 000 Kilometern hat beispielsweise ein E-Golf eine bessere CO2-Bilanz als ein Diesel-Gegenstück, im Vergleich mit einem Benziner sogar früher.

Und die CO2-Bilanz sowohl der Herstellung der Batterien, als auch beim Laden von E-Autos mit Strom soll sich künftig noch verbessern: Die Bundesregierung will, dass bis 2030 65 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energien kommen – also aus Wasser, Biomasse, Sonne und Windkraft. Aktuell sind es gut 40 Prozent.

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Zum Artikel Wir Weltenretter: Die Deutschen und der Klimaschutz (1)

Schild mit "Rettet den Planeten"-Aufschrift auf einer Klima-Demonstration
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2. "Inlandsflüge zu streichen, hilft fast gar nicht beim Klimaschutz"

Wenn man sich die Klimabilanz von ganz Deutschland anschaut, stimmt das. Denn Inlandsflüge sind nur für 0,3 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes in Deutschland verantwortlich. Autofahren hat da einen viel größeren Anteil – fast alle Emissionen im Verkehrssektor fallen nämlich im Straßenverkehr an. Aber: Jeder für sich, kann den eigenen Co2 Ausstoß pro Kopf enorm verbessern, wenn auf Inlandsflüge verzichtet wird. Auf der Strecke zwischen München und Berlin zum Beispiel wird mit dem Flugzeug sechs-mal so viel CO2 ausgestoßen wie mit der Bahn – beim aktuellen Strommix, in dem noch viel Energie aus Kohle steckt. Also: Am besten ist eigentlich Bahnfahren, besonders wenn Züge mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren.

Die richtigen Klimakiller sind aber Langstreckenflüge. Auf einem Flug von Frankfurt nach New York und zurück werden laut Umweltbundesamt knapp 4 Tonnen Co2 ausgestoßen. Zum Vergleich, der durchschnittliche Deutsche verursacht im Jahr etwa 11 Tonnen CO2. Das heißt: Drei Mal über den Atlantik fliegen und man hat schon mehr Treibhausgas CO2 ausgestoßen als andere im ganzen Jahr.

3. "Deutschland ist doch schon Vorreiter beim Klimaschutz"

Stimmt leider nicht. Die groß angekündigten Klimaziele für 2020 wird Deutschland verfehlen. Die Bundesregierung hatte sich vorgenommen, bis 2020 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990. Voraussichtlich schafft Deutschland aber nur rund 30 Prozent weniger. Und das obwohl Deutschland mit einem ordentlichen Vorsprung gestartet ist: Nach 1990 haben viele Betriebe in Ostdeutschland dicht gemacht – das brachte auch deutliche Emissionsminderungen. Aber der Ausbau der Erneuerbaren Energien läuft nicht so wie geplant – knapp 40 Prozent des Stroms im öffentlichen Netz stammen immer noch aus Braun- und Steinkohle. Wind, Sonne, Wasser und Biomasse lagen 2018 bei etwas über 40 Prozent. Weil Genehmigungen lange dauern und Windkraft-Gegner klagen, werden aktuell kaum neue Windräder gebaut.

Und auch bei der Elektromobilität geht es nicht so voran wie geplant. Eigentlich war das Ziel: 2020 sollen 1 Million E-Autos auf deutschen Straßen fahren. In Wirklichkeit waren es Ende 2018 gerade einmal gut 80.000, also nicht einmal ein Zehntel der angepeilten Anzahl.

4. "Deutschland allein kann das Weltklima eh nicht retten"

Das ist richtig. Denn: Deutschland ist zwar ein wichtiges Industrieland, aber global eher klein und verantwortlich für etwa zwei Prozent der Treibhausgase weltweit. Aus China stammen gut 23, aus den USA gut 13 Prozent. Allerdings funktioniert internationale Klimapolitik eben nach dem Prinzip, dass sich ALLE verpflichten, ihre Emissionen zu reduzieren – und dass alle diese Verpflichtungen einhalten.  Das bedeutet auch: Wenn Deutschland sich nicht bemüht, ziehen die Chinesen irgendwann auch nicht mehr mit – und so weiter. Außerdem spielt Deutschland aus zwei Gründen eine herausgehobene Rolle. Es gilt als Vorreiter, wie gut der Klimaschutz hier funktioniert, wird international also genau beobachtet. Zweitens gilt Deutschland als das wichtigste Land in der EU, bestimmt wesentlich mit, was Brüssel macht - und alle EU-Länder zusammen verursachen immerhin 9 Prozent der weltweiten Emissionen.

Und: Deutschland hat einen hohen CO2-Ausstoß pro Kopf. Der ist in Deutschland etwa doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt, deutlich höher als in China – und fünfmal so hoch wie in Indien. Auch innerhalb der EU liegt Deutschland im oberen Drittel. Das heißt: Wenn das Ziel ist, dass weltweit alle den Ausstoß auf ein erträgliches Maß reduzieren – dann muss Deutschland mehr tun als viele andere.

5. "Um das Klima zu retten, sollten wir alle weniger Fleisch essen"

Das stimmt so nicht. Zwar belastet Fleisch das Klima weit mehr als andere Nahrungsmittel, weil dafür viel Tierfutter hergestellt werden muss. Weniger Fleisch essen, hilft deshalb dem Klima. Aber retten lässt es sich so nicht. Denn laut Umweltbundesamt macht die gesamte Ernährung beim Durchschnitts-Deutschen nur etwa 15 Prozent seines Kohlendioxid-Ausstoßes aus. Wer seinen Fleischkonsum reduziert – und beispielsweise statt einem guten Kilo Fleisch pro Woche nur noch 800 Gramm isst - spart laut Umweltbundesamt pro Jahr ungefähr 100 Kilo Kohlendioxid ein, also nicht einmal ein Prozent der Gesamtmenge, die jeder Deutsche verursacht.

Aber: Wenn alle weniger Fleisch essen, hätte das trotzdem einen Effekt: So könnte man jährlich 8 Millionen Tonnen CO2 sparen, immerhin viermal so viel, wie alle deutschen Inlandsflüge verursachen. Wer gleich ganz zum Vegetarier wird, spart natürlich noch mehr – eine knappe halbe Tonne CO2 pro Jahr – das fällt dann schon ins Gewicht. Und wer sich vegan ernährt, spart nochmal deutlich mehr.  Denn: Neben Fleisch belastet auch die Produktion von Milch das Klima: Im Magen von Kühen entstehen große Mengen Methan, ein besonders wirksames Treibhausgas. Aus diesem Grund ist Rindfleisch etwa dreimal so klimaschädlich wie Schwein oder Geflügel – und dreißigmal so klimaschädlich wie Kartoffeln.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 19.9.2019, 6 bis 9 Uhr

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