Die Spitzenkandidaten der sechs Parteien, die in den hessischen Landtag gewählt wurden

Die Landtagswahl in Hessen zeigt: Die Wähler haben ihr Vertrauen in die Volksparteien verloren. Das Wahlergebnis schickt eine klare Botschaft nach Berlin.

Zu einer Schicksalswahl war sie hochgeredet worden, die Landtagswahl in Hessen. Doch mit Schicksal hat das Ergebnis der Wahl in Hessen nichts zu tun. Es hat vielmehr damit zu tun, dass die Große Koalition in Berlin ein verheerendes Bild abgibt. Sie hat es nicht geschafft, eine ernsthafte und gute Politik für die Menschen in Deutschland zu machen. Die Wahrheit ist: Streitereien in der Union, immer wieder respektloses Verhalten von Innenminister Seehofer, Politiker, die um sich selbst kreisen und – wie im Fall Maaßen und beim Thema Dieselbetrug – kein Gespür mehr für die Erwartungen der Menschen. Eine solche Politik verstehen die Wählerinnen und Wähler nicht und sie haben davon die Nase voll.

Katja Marx

Nach der Landtagswahl in Bayern war viel die Rede davon, dass die Menschen das Vertrauen in die Volksparteien verloren haben. Das ist richtig. Aber es ist noch viel schlimmer. Denn die Wählerinnen und Wähler haben sogar jegliches  Zutrauen in den politischen Gestaltungswillen von Union und SPD verloren. Das ist die Botschaft der Wählerinnen und Wähler in Hessen. Mit dem schlechten Ergebnis für die CDU und die SPD haben sie Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel getroffen. Doch gemeint haben sie die Große Koalition in Berlin.

Zusammenhalt und Lust auf Zukunft

Und nun? Es werden sechs Fraktionen in den Landtag in Wiesbaden einziehen. Das ist nur folgerichtig. Denn wenn die Bürgerinnen und Bürger den einstmals großen Parteien nicht mehr zutrauen, Politik konstruktiv zu gestalten und die Zukunftsprobleme zu lösen, dann ist das Ende der Volksparteien eingeläutet. Und gleichzeitig schlägt die Stunde der Parteien, die für eine klare Sache stehen.

Das ist die Chance für die Grünen, sich noch stärker als Regierungspartei einzubringen. Dafür stehen sie selbstbewusst bereit. Nicht nur die hessischen Grünen um Tarek Al Wazir. Auch die beiden Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck haben dem Wahlkampf der Grünen in Hessen ein Gesicht gegeben und gezeigt, wofür sie stehen. Für Zusammenhalt und die Lust auf Zukunft. Nichts davon vermittelt im Moment die Große Koalition in Berlin. Ihr Schicksal muss sie schon selbst in die Hand nehmen.

Sendung: hr-iNFO, 29.10.2018, 7.10 Uhr

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