Unsortierte Pakete in größerer Menge
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Früher hat ein Standardbrief mal eine D-Mark gekostet. Nach der Euro-Umstellung 2002 waren es dann 55 Cent, und dabei blieb es auch ein paar Jahre. Doch seit 2012 erhöht die Deutsche Post regelmäßig das Porto.

Mittlerweile kostet ein Brief 70 Cent – Experten spekulieren, dass es bald sogar 80 sein könnten. Auch wenn das noch nicht feststeht, erklärt Post-Pressesprecher Stefan Heß: „Die Genehmigung der aktuellen Briefpreise ist bis zum Ende dieses Jahres befristet. Und die Bundesnetzagentur prüft derzeit, ob und in welchem Umfang wir die Preise zum 1.1.2019 anpassen dürfen. Das ist momentan Stand der Dinge.“

Die Bundesnetzagentur berücksichtigt darin Faktoren wie Inflation, die Breite des Angebots und Fortschritte bei der Produktivität. Die bisherigen Erhöhungen hat die Post damit begründet, dass immer weniger Briefe verschickt werden – der Aufwand der Zustellung bleibe dagegen der gleiche. Klaus Gettwart lässt das nicht gelten. Er setzt sich im Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation aus Heusenstamm für faire Marktbedingungen ein: „Die Post verdient gerade im Briefgeschäft sehr viel Geld. In Deutschland sinkt das Volumen relativ langsam. In 12 Jahren stieg der Preis um 27 Prozent, die Briefmengen gingen im vergleichbaren Zeitraum um 8 Prozent zurück. Mehr ist das nicht.“

Paketzsutellung als zentraler Geschäftszweig

Ein zentraler Geschäftszweig ist darin noch gar nicht enthalten: die Paketzustellung. Ein Markt, der wegen des Onlinehandels immer wichtiger wird, jedes Jahr wächst und im Gegensatz zum Briefgeschäft hart umkämpft ist. Die Post muss investieren, um ihre führende Stellung zu halten und die steigende Nachfrage zu decken, erklärt Postsprecher Stefan Heß: „Man hat zum einen mehr Pakete, allerdings haben wir auch seit 2015 10.000 neue Mitarbeiter eingestellt, vor allem in der Paketzustellung. Die müssen ausgebildet und bezahlt werden, wir haben zusätzliche Transportkapazitäten eingekauft. Das müssen wir jetzt erst mal stemmen.“

Außerdem verdienen die Mitarbeiter bei der Post in der Regel mehr als bei der Konkurrenz. Aus diesen Gründen hat die Post ihre Gewinnprognose für dieses Jahr um eine Milliarde Euro gesenkt, auf 3,2 Milliarden. Doch wie sich die zusammensetzen, ist unklar, sagt Post-Experte Klaus Gettwart: „Die Transparenz lässt zu wünschen übrig, weil da immer eine Vermischung von Paket und Brief stattfindet. Man kennt die Gesamtergebnisse, aber wie viel genau im Brief- oder Paketbereich verdient wird, weiß man nicht.“

Fakt ist, dass immer noch etwa sechsmal so viele Briefe wie Pakete verschickt werden. Es sind knapp 16 Milliarden im Jahr, der Löwenanteil davon geschäftlich. Eine Erhöhung des Portos wäre also ein lohnendes Geschäft. Klaus Gettwart geht davon aus, dass auch der Versand von Paketen bald teurer wird. Wie viel dann beim Porto oben drauf kommt, ist aber noch völlig offen.

Sendung: hr-iNFO, 22.8.18, 6.30 Uhr

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