Lehrerin geht mit Maske durch die Reihen

Mitten in der zweiten Corona-Welle startet am Montag nach zwei Wochen Herbstferien die Schule wieder. Die Maskenpflicht auch in Klassenräumen in einigen Städten ist nur eine von mehreren Neuerungen. Ein Überblick.

Schüler und Lehrer, bitte warm anziehen, denn es könnte kühl werden an Hessens Schulen! Laut aktualisiertem Hygieneplan des Landes sollen in allen Schulen die Unterrichtsräume häufiger durchgelüftet werden. Alle 20 Minuten sollen für drei bis fünf Minuten die Fenster ganz aufgemacht werden. "Die Einhaltung der Hygienevorschriften bleibt glaube ich das A und O", sagt Hessens Kultusminister Alexander Lorz.

Einsatz von Lüftungsgeräten wird geprüft

Das viele Lüften in der kalten Jahreszeit hält Korhan Ekinci vom Landeselternbeirat Hessen jedoch nicht für ideal. Er fordert Lüftungsanlagen für die Unterrichtsräume. Er habe "berechtigte Hoffnung, dass jetzt vom Land einheitliche Vorgaben kommen, wie diese Geräte aussehen müssen, damit wir von diesen kältebringenden Maßnahmen auf Dauer absehen können", sagt er. Denn es sei auch klar, "dass wir nicht zum Schutz vor Corona unseren Kindern jetzt jedwege Erkälrungskrankheit geben müssen."

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Lorz sagt, man prüfe derzeit den Einsatz solcher Geräte und wolle sich diese Woche mit den Schulträgern abstimmen, wie eine sinnvolle Lösung aussehen könnte. An sich sind nämlich die Schulträger in den Kommunen für die Ausstattung der Schulen zuständig. Genau wie für die Schulbusse. Doch auch hier hat das Land jetzt rund elf Millionen Euro in die Hand genommen, damit die Kommunen mehr Schulbusse einsetzen können. Damit die einzelnen Busse in der Corona-Pandemie nicht so voll sind.

Einführung eines digitalgestützten Distanzunterrichts

Es gibt eine weitere Neuerung: Zwar bleibe der Präsenzunterricht unverzichtbar, aber "wir sind in Hessen Vorreiter bei der Einführung eines geplanten digitalgestützen Distanzunterricht für die Zeit der Pandemie", so Lorz. Was der Minister beschreibt, ist eine Abkehr von der Linie, auf die sich die Kultusminister der Länder geeinigt hatten: dass die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich in den Schulen unterrichtet werden sollen. Vor allem Oberstufen-Schüler, aber theoretisch alle Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse dürfen ab jetzt in Hessen auf Antrag teilweise zu Hause unterrichtet werden. Bis zu einem Viertel der Unterrichtsstunden dürfen an allgemeinbildenden Schulen über diesen sogenannten digitalgestützten Distanzunterricht erteilt werden, an Berufsschulen sogar die Hälfte der Stunden.

Ein Mailen von Arbeitsaufträgen reicht da aber nicht, betont Kultusminister Lorz: "Sonst haben sie ja nicht wirklich Distanzunterricht. Distanzunterricht ja schon auch irgendwo orientiert mindestens an der Stundentafel, vielleicht nicht genau am Stundenplan, aber das beduetet schon, es muss auch eine Interaktion auf Distanz hin möglich sein." Das Distanzlernen soll die Situation an den Schulen entspannen und gleichzeitig helfen, digitale Lernkonzepte einzuüben.

Eltern- und Lehrervertreter fordern weitere Schritte

Distanzlernen, mehr Busse, häufigeres Lüften: Eltern- und Lehrervertreter bezeichnen die Maßnahmen als richtig, fordern aber weitere Schritte. "Die GEW setzt sich nach wie vor dafür ein, dass ein Unterrichten mit Abstand in den Schulen möglich ist", sagt Maike Wiedwald von der Lehrergewerkschaft. Das gehe aber sicherlich "nur in einem Wechselmodell von Präsenzunterricht in der Schule und Distanzlernen zu Hause." Auch Korhan Ekinci vom Landeselternbeirat meint: "Ich als Vater von zwei Kindern betrachte die Situation mit ganz großen Sorgen. Ich würde es lieber sehen, wenn die Klassen nicht ganz so groß wären, wenn wir die Kinder genauso gut schützen würden wie Menschen, die einkaufen gehen, die in die Gastronomie gehen oder eine private Feiern veranstalten."

Kultusminister Lorz hofft dagegen, dass es auch mit normalen Klassenstärken weiter so gut läuft wie zwischen Sommer- und Herbstferien: "Wir hatten an jedem beliebigen Tag in dieser Zeit über 99 Pro der Schülerinnen und Schüler, die ganz regulär zum Unterricht gehen konnten. Wenn wir das weiter halten können für den Rest der Pandemie, dann finde ich das großartig."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 19.10.2020, 6 bis 9 Uhr

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