Jugendliche Schüler gehen in Niedersachsen zur Schule. (dpa)

Kultusminister Lorz verspricht einen regulären Schulbetrieb nach den Sommerferien, aus Berlin kommen andere Signale. Und die Lehrerinnen und Lehrer? Sind müde, unsicher - und ein bisschen hoffnungsvoll.

Wenn Grundschullehrer Matthias Grün an das neue Schuljahr denkt, wirkt er nicht gerade entspannt. Er unterrichtet aktuell eine vierte Klasse an der Sophie-von-Braband Schule in Marburg und übernimmt nach dem Sommer wieder eine erste Klasse. Auf die Zeit nach den Ferien blickt er mit gemischten Gefühlen. "Auf der einen Seite bin ich schon der Ansicht, dass man den Kindern so viel Präsenzunterricht wie möglich ermöglichen sollte. Andererseits, finde ich, gibt es eine gewisse Diskrepanz in den Maßnahmen, die getroffen werden und jetzt wieder gelockert werden, und dem Infektionsgeschehen, das wir in Schulen haben."

Diskrepanz zwischen Maßnahmen und Infektionsgeschehen

Erst in diesem Monat sind mehrere voll geimpfte Lehrkräfte wegen eines Coronafalls an der Schule in Quarantäne geschickt worden, obwohl sie im Unterricht Maske getragen haben. Zeitgleich ist die Maskenpflicht an Schulen weggefallen. Das passt für Matthias Grün nicht zusammen. Deshalb bereitet sich die Kollegschaft auch auf das Szenario Wechsel- und Distanzunterricht vor und greift zur Not auf die Schul-App mit Videokonferenzen zurück.

Ähnlich geht es auch Ruben Ebenig, Förderschullehrer an der Erich-Kästner-Schule in Marburg. Er hat den Eindruck, dass Förderschulen vom Kultusministerium gar nicht mitgedacht werden. Das letzte Schuljahr war extrem anstrengend, sagt er, oftmals war gar nicht klar, was jetzt für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte gilt. Deshalb hat er auch wenig Hoffnung für das neue Schuljahr: "Man ist einfach so müde von den ganzen letzten Wochen. Im Moment möchte ich da gar nicht dran denken, wie es nach den Sommerferien weitergeht." Die Vergangenheit habe gezeigt: Wenn man versuche, etwas langfristig vorzubereiten, klappe es ohnehin nie. Man müsse immer kurzfristig und flexibel etwas auf die Beine stellen - und so erwarte er das auch nach den Sommerferien.

Viele Wünsche, wenige Zusagen

Ihm würde schon allein die Zusage helfen, dass die Klassen nicht mehr geteilt werden, sondern dass entweder alle in Präsenz oder Distanz unterrichtet werden. Da zweigleisig zu fahren, findet der junge Lehrer kaum schaffbar. Das sieht Birgit Fischer vom Gymnasium Philippinum etwas anders. Ihre Erfahrung ist, dass in kleinen Lerngruppen der Unterricht besser gelingt. Das sollte ihrer Meinung nach auch nach dem Sommer beibehalten werden. Außerdem wünscht sie sich, "dass die Schülerinnen und Schüler eine Betreuung kriegen. Eine psychologische Betreuung." Kleine Klassen seien jetzt vielleicht erstmal schwieriger durchzusetzen, das müsse man aber perspektivisch im Hinterkopf haben, "denn die Welt wird nicht mehr wie vorher".

Auch ihre Kollegin Sarah Luckemeyer hat konkrete Wünsche und Ideen. Sie sieht in der Corona-Krise auch Chancen. Als Medienbildungsbeauftragte der Schule hat sie viel vor und setzt voll auf Digitalisierung: "Meine ganz persönliche Wunschvorstellung wäre, dass wir möglichst schnell auf digitale Schulbücher zugreifen könnten. Das ist ein deutlicher Appell an die Schulbuchverlage, sich da auf ein System zu einigen. Wir brauchen schnelles WLAN. Wir bräuchten eigentlich auch IT-Support vor Ort."

In diesem Punkt sind sich alle Lehrkräfte einig: Ohne flächendeckendes WLAN, moderne technische Geräte und Schulungen, wie man die Online-Programme benutzt, geht es nicht. Denn dann könnte Unterricht in Zukunft, egal ob mit oder ohne Corona, sogar noch besser und moderner gestaltet werden als bisher.

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