Lehrer und Schülerin mit Maske im Klassenzimmer

Trotz sprunghaft steigender Infektionszahlen geht es an diesem Montag wieder los an Hessens Schulen - komplett in Präsenzunterricht. Kultusminister Lorz sieht die Schulen gut vorbereitet, Elternvertreter sehen das anders.

Nach knapp zwei Jahren Pandemie und monatelangem Wechsel- beziehungsweise Distanzunterricht im vergangenen Jahr kann der Wert von Präsenzunterricht nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das findet jedenfalls die Präsidentin der Kultusminister-Konferenz Karin Prien (CDU): "Das bedeutet, dass wir die Schulen erst dann schließen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind."

Dreiklang aus Maskenpflicht, Testen und Impfen

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) ergänzt nach der Kultusminister-Konferenz vergangene Woche: "Wir haben uns als Kultusministerinnen und Kultusminister verabredet, dass wir dem Präsenzunterricht nach wie vor höchste Priorität einräumen."

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„Ein weiterer Lockdown wäre keine gute Idee“

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Damit die Schulen möglichst geöffnet bleiben können, setzt der Minister auf den Dreiklang aus Maskenpflicht, Testen und Impfen. So müssen die Schülerinnen und Schüler in Hessen voraussichtlich bis weit ins Frühjahr sogar im Unterrichtsraum am Sitzplatz Masken tragen. Außerdem müssen sich nicht vollständig geimpfte Schülerinnen und Schüler weiterhin drei Mal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen.

Appell zur Impfung

Die Teststrategie, meint Lorz, sei am wichtigsten: "Keine andere Bevölkerungsgruppe ist in der Vergangenheit auch schon so flächendeckend über Tests beobachtet worden. Und die Kinder- und Jugendmediziner haben gerade jetzt nochmal zwischen den Jahren bestätigt, dass das eigentlich das wirksamste Mittel ist, um die Pandemie im Griff zu behalten."

Wirksam wäre es in Lorz' Augen auch, wenn mehr Kinder und Jugendliche gegen das Coronavirus geimpft wären. Derzeit sind zum Beispiel nur etwas über die Hälfte der 12- bis 17-Jährigen vollständig geimpft. Deswegen appelliert er an Eltern, Kinder und Jugendliche, das schnell nachzuholen. Lorz meint, mit diesen Maßnahmen auch in der Omikron-Welle bestehen zu können.

Elternvertreter unzufrieden

Volkmar Heitmann vom Landes-Eltern-Beirat in Hessen sieht das anders. "Die Vorbereitungen sind nicht so gelaufen, wie sie hätten laufen können", sagt er. "Es gibt nicht genügend Luftreinigungsgeräte in den Schulen, es gibt nicht genügend CO2-Messgeräte ...".

Auch Moritz Promny von der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag ärgert sich - darüber, dass der Kultusminister gesagt hat, die hessischen Schulen seien selbst für den Fall, dass nicht mehr überall Präsenzunterricht angeboten werden könne, gut vorbereitet. Sowohl organisatorisch und pädagogisch als auch technisch.

"Gigantische Probleme" bei technischer Ausstattung

"Bei organisatorisch und pädagogisch würde ich sagen, die Schulen machen das sicherlich gut", sagt Promny. "Aber was die technische Vorbereitung anbelangt - wenn man sieht, wie die Ausstattung an den Schulen ist ...." Klar sei man weiter als vor einem Jahr, "aber wir haben doch nach wie vor gigantische Probleme: von WLAN-Ausleuchtung über die IT-Ausstattung und die Beratung dazu, wie man damit umgeht. Davon zu sprechen, dass jetzt alle vorbereitet seien, finde ich dreist."

Flächendeckende Schulschließungen sind derzeit ohnehin rechtlich nicht mehr drin. Diese Möglichkeit hat die Ampel-Koalition kürzlich in Berlin durch das neugefasste Infektionsschutzgesetz kassiert. Was aber nach wie vor geht: Sollte es an einzelnen Schulen Ausbruchsgeschehen geben, können die Gesundheitsämter vor Ort die Schulen ganz oder teilweise schließen lassen.

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