Olaf Scholz und Klara Geywitz

Olaf Scholz will es, Gesine Schwan auch und Robert Habeck tut's schon länger: führen im Duo. Das kann, wie bei Zweisamkeit im echten Leben, vieles leichter machen, muss es aber nicht. Und manch einer scheint dafür gänzlich ungeeignet.

Seit' an Seit' schreiten, das hat Tradition bei den Sozialdemokraten. Aber bringt geteilte Macht auch doppelten Erfolg? Kann so kommen, muss aber nicht. Erst mal klingt das jedenfalls ziemlich logisch, Führungsrollen in der Politik aufzuteilen. Jung - alt, Mann - Frau, Ost - West, konservativ - progressiv: Viele Kombinationen sind denkbar, die es einem ermöglichen, ein breites Spektrum anzusprechen. Innerhalb der Partei und bei der Wählerschaft. Nach dem Motto: Da ist für jeden was dabei, such dir einfach den Vorsitzenden (männlich/weiblich/divers) aus, mit dem du mehr anfangen kannst.

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Wie es gut läuft, ist aktuell zu besichtigen bei den Grünen. Denn deren Führungsduo Annalena und Robert Baerbock – ach nee, geheiratet haben die ja nicht, aber man könnte es manchmal meinen - also: Denn Annalena Baerbock und Robert Habeck gelingt das Miteinander ziemlich gut. Die Harmonie des Führungsduos gilt als ein Grund für den aktuellen Höhenflug der Grünen.

Harmonie pur bei den Grünen

"Vielleicht hab' ich ja Glück und darf der Mann an Deiner Seite sein", sagte Habeck vor der Wahl zu Baerbock. Harmonie kann auch echt nerven! Andererseits: Die Knatsch-Pärchen sind ja auch irgendwie anstrengend. Zu besichtigen bei der Linksfraktion. Die war zwar 2005 kurzzeitig Vorreiter in Sachen Doppelspitze, doch dann führte sie Gregor Gysi alleine, der kleine starke Mann der Linken. 2013 wollte Sarah Wagenknecht wieder ein Führungsduo, hatte zunächst jedoch keinen Erfolg. Die Zeit muss halt auch reif sein für diese Art zu führen.

Später kam die Doppelspitze dann doch – und zwar radikal, wie es sich für die Linke gehört: als doppelte Doppelspitze. In der Partei sind Katja Kipping und Bernd Riexinger vorne, in der Bundestagsfraktion Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Gleich zweimal Mann - Frau, ganz links und ziemlich links, Ost - West – volle Power bei der Abdeckung innerhalb der Partei und in der Wählerschaft also. Allerdings geht Promiskuität zu viert auch im richtigen Leben selten gut.

Zerreißprobe bei den Linken

Die Linken-Quadriga ist daher auch dafür bekannt, sich herzlich zu fetzen, vor allem wenn einer aus dem einen Duo im Revier des anderen wildert. Im Herbst 2017 kam dann die Zerreißprobe: Klausur der Fraktion, als Parteichef Riexinger die Presse begrüßen will. Wagenknecht macht ihn darauf aufmerksam, dass das die Pressekonferenz der Fraktion sei und übernimmt das Begrüßen selbst.

Auch die AfD praktiziert die doppelte Doppelspitze – eine sogar gleichgeschlechtlich: mit den Bundessprechern Meuthen und Gauland, und bei den Fraktionschefs Weidel und wieder Gauland. Also auch noch mal in einer interessante Variante: ein Quartett aus drei Leuten. Die AfD setzt eben gerne Regeln außer Kraft, auch die der Mathematik.

Und Christian Lindner ...?

Der Pärchentrend in der Politik ist jedenfalls nicht aufzuhalten. Vielleicht sucht sich Annegret Kramp-Karrenbauer ja auch noch einen Mann an ihrer Seite im Konrad-Adenauer Haus. Friedrich März zum Beispiel oder Jens Spahn. Wenn Annegret Kramp-Karrenbauer überhaupt noch lange durchhält als CDU-Chefin. Ansonsten könnten es die beiden Herren auch gemeinsam machen.

Ja, wer sagt eigentlich dass Doppelspitzen immer aus Personen getrennten Geschlechts bestehen müssen? Diversität geht noch ganz anders. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Aber Halt: EINE Grenze scheint es dann doch noch zu geben. Christian Lindner. Dass der FDP-Chef an der Parteispitze eine andere Person neben sich dulden könnte – nein, das ist schwer vorstellbar ...

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 27.8.2019, 6 bis 9 Uhr

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