Wolfgang Ischinger

Die Münchner Sicherheitskonferenz hat genügend Stoff für Gespräche. Gelöst werden die Konflikte der Welt zwar dort nicht, aber immerhin spricht man miteinander. Das ist auch dem Organisator der Konferenz zu verdanken: Wolfgang Ischinger.

Als vor einem Jahr die 54. Münchner Sicherheitskonferenz zu Ende ging, war ihr Organisator ziemlich enttäuscht. "Ich bin wirklich unglücklich darüber, dass so viele der eingeladenen wichtigen Gäste, Regierungschefs, Staatsoberhäupter, wichtige Außenminister, nicht bereit sind, sich in ein Diskussionsformat zu begeben", sagte Wolfgang Ischinger. Dabei ist es genau das, was der langjährige Diplomat bei der Konferenz eigentlich erreichen will.

"Mein Ziel ist, die Konferenz so zu organisieren, dass die Teilnehmer, die in Krisen verwickelt sind, einen gewissen Druck verspüren, sich die Rede ihres Gegners anzuhören und sich dann anschließend mit dem Gegner zu einem Gespräch hinter verschlossenen Türen zu verabreden." Wenn das gelinge, habe sich die Münchner Sicherheitskonferenz gelohnt.

"Genscher hat mich gezwiebelt bist zur völligen Verzweiflung"

Wie das funktionieren kann, weiß Wolfgang Ischinger selbst gut, denn er blickt auf eine lange diplomatische Karriere zurück: Jura-Studium in Bonn und Genf, danach in Harvard. Ab 1973 der erste Job in New York, beim UN-Generalsekretär, danach ging es ins Auswärtige Amt. Hans-Dietrich Genscher war der erste von insgesamt vier Außenministern unterschiedlicher Parteien, mit denen Ischinger eng zusammenarbeitete. "Der hat mich gezwiebelt bist zur völligen Verzweiflung", erzählt Ischinger über Genscher.

"Ich habe an manchen Tagen vor Anstrenung und vor Schreck, und manchmal aus beiden Gründen, wirklich nur so vor mich hingeschwitzt." Genscher sei ein sehr fordernder Chef gewesen, der kaum Verständnis dafür gehabt habe, "dass man samstagmorgens um halb 7 noch nicht schon wieder im Büro saß. Also, viel Freizeit gabs da nicht, aber gelernt habe ich unglaublich viel". 1998 ist Joschka Fischer Außenminister und macht Ischinger zum Staatssekretär. Danach wurde er belohnt mit Botschafterposten in Washington und London.

Auf dem diplomatischen Parkett kennt er alle Tricks

Seit 11 Jahren ist er nun der Vorsitzende der Sicherheitskonferenz. Er hat sie zum Seismographen der politischen Großwetterlage gemacht. Ischinger ist ein Networker, ein Strippenzieher. Aber er ist nicht nur der Organisator, er hat einen eigenen Standpunkt. Er sorgt sich um die internationalen Beziehungen, meldet sich zu Wort. Im Herbst erschien sein Buch: "Welt in Gefahr". Deutschland müsse sich einmischen, Verantwortung übernehmen, statt weiter "weltbester Trittbrettfahrer" zu sein. Unumstritten ist er damit nicht. Schon öfter gab es vor der "SiKo" Proteste. Ischingers Credo sei Aufrüstung, er sei ein Kriegstreiber, sagte Claus Schreer, der Organisator der Protest-Demo im vorigen Jahr.

Ischinger reagiert und sucht - auch hier - den Dialog. Auf dem diplomatischen Parkett kennt der 72-Jährige alle Tricks, zum Beispiel wenn die eigene Trinkfestigkeit von einem echten Schurken auf die Probe gestellt wird. Im November erzählte er in hr1 von der unangenehmen Begegnung mit Serbiens damaligem Präsidenten Milosevic - und einer Flasche Slivovits am Vormittag: "Nach meiner Erinnerung hat er einfach testen wollen, ob er diesen Ischinger morgens um halb 9 untern Tisch kriegt. Wir hatten dann um halb 12 lange geredet und diese Falsche mehr oder weniger ausgetrunken". Den Respekt des Präsidenten hatte er sich damit sozusagen ertrunken. Auch das: eine diplomatische Leistung.

Sendung: hr-iNFO, 15.2.19, 06.10 Uhr

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