Außenansicht der Sana-Kliniken in Offenbach

Die Corona-Pandemie hat auch den Ausbildungsmarkt ganz schön durcheinandergebracht. Manche Unternehmen stellen nur zögerlich ein, Schulabgänger sind unsicher, welchen Weg sie einschlagen sollen. Drei Berufseinsteiger berichten.

Marvin hat sich für seine berufliche Zukunft die Branche ausgesucht, die von der Corona-Pandemie wohl mit am härtesten getroffen wurde: Im Mercure Hotel in Wiesbaden lernt Marvin Hotelfachmann. Dass er wegen der Einschränkungen etwas verpasst haben könnte, glaubt er nicht. "Verloren gegangen ist mir auf jeden Fall nichts. Man hat natürlich weniger Arbeit, dadurch ist schon der Rhythmus ein wenig raus, dass man halt mit vielen Gästen gleichzeitig umgeben ist. Aber mir ist es auf jeden Fall nicht so vorgekommen, als hätte ich irgendwas verpasst", so Marvin.

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Zum Artikel Wo sind all die Azubis hin? Ein wirtschaftlicher Problemfall

Kopf von Alexander Riede, derl steht mit Maske scheinbar an einem Bett steht. Neben seinem Gesicht ist leicht verschwommen ein Tropf zu sehen.
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In seinem Hotel waren über weite Strecken viele Geschäftsleute zu Gast, deshalb war immer auch Betrieb. Trotzdem habe es natürlich Phasen gegeben, die ihm schwergefallen sind, weil eben doch alles irgendwie anders war. "Das kommt immer wieder, dass man sich denkt, ja, jetzt würde ich natürlich gern mal wieder ein bisschen mehr mit Leuten zu tun haben, hier auf der Arbeit, auch privat, aber das geht schnell vorbei, dadurch, dass ich hier immer was zu tun habe."

Bei Johannes geht es langsam wieder bergauf

Ähnlich erging es Johannes. Er macht eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker. Auch diese Branche ist von der Corona-Pandemie arg gebeutelt. Gerade in der Anfangszeit habe er viel Zeit zu Hause verbracht, sagt Johannes. Es habe einfach plötzlich keine Arbeit mehr gegeben.

"Wir haben viele Minusstunden gesammelt, wir Azubis, weil es halt wirklich gar nichts zu tun gab“, erinnert er sich. Natürlich habe man zu Beginn noch das Lager auf Vordermann gebracht und andere Tätigkeiten ausgeübt, die sonst immer hintangestellt werden, aber irgendwann sei auch da nichts mehr zu tun gewesen.

Der Arbeitgeber von Johannes, die Firma Schoko Pro in Wiesbaden, ist dann irgendwann ins Streaming-Geschäft eingestiegen. Die Azubis wurden immer stärker auch an der Kamera geschult. Inzwischen geht es aber sowieso wieder langsam bergauf. "Man merkt, dass jetzt wieder was geht, man merkt, dass wir mehr zu tun haben, man merkt auch, dass jetzt die Azubis wieder eingesetzt werden. Das ist wirklich erleichternd."

Alexander brauchte den Austausch

Über fehlende Arbeit kann sich die werdende Pflegefachkraft Alexander nicht beklagen. Er macht seine Ausbildung im Sana-Klinikum in Offenbach. Die Corona-Pandemie hat das Gesundheitssystem immer wieder knapp vor den Kollaps gebracht. Alexander hat das extrem mitgenommen.

"Als Corona angefangen hat, hätte ich nie gedacht, an welche Belastungsgrenzen wir als Auszubildende dann am Ende auch gelangen", gesteht er. "Wir haben nie gedacht, dass wir im Online-Unterricht sitzen, monatelang von zu Hause lernen und den wichtigen Austausch nicht so haben."

Den Austausch habe er gebraucht, um über schwierige Situationen reden zu können. Den Tod von Patienten etwa, nicht selten Opfer von Covid-Erkrankungen.

Die "Seele freilassen"

Mittlerweile wisse er aber, wie er damit umgehen müsse. Dabei helfe die wachsende Erfahrung und die Hilfe der Kolleginnen und Kollegen. "Wir machen zum Beispiel, wenn ein Patient verstirbt, die Fenster auf. Das ist bei uns ungeschriebenes Gesetz quasi, dass die Seele 'den Weg gehen kann'. Das wird von allen gemacht, auch von den Mitarbeitern, die nicht glauben."

Alexander, Johannes, Marvin: drei Auszubildende, die ein besonderes Jahr hinter sich haben. Und die wie die meisten darauf hoffen, dass nach den anstrengenden Monaten endlich wieder Normalität eingekehrt.

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