Ein Mädchen sitzt allein und traurig auf ihrem Bett.

Die Corona-Pandemie schlägt aufs Gemüt. Nicht nur Erwachsenen, sondern vor allem auch Kindern und Jugendlichen. Eine Studie aus Hamburg sieht bei jedem dritten Kind Hinweise auf psychische Belastungen.

Wer schon vor Corona Probleme hatte, dem ging es die letzten eineinhalb Jahre besonders schlecht. Auf diesen einfachen Nenner kann man die psychische Situation von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie bringen. Besonders gefährdet waren Mädchen und Jungen aus sozial benachteiligten, bildungsfernen Milieus, mit Migrationshintergrund oder mit psychisch erkrankten Elternteilen.

Sie haben ein überdurchschnittliches Risiko, Depressionen und Angststörungen zu bekommen oder psychosomatisch zu erkranken. Aber auch acht von zehn Kindern und Jugendlichen aus stabilen Verhältnissen fühlten sich in der Pandemie belastet.

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Verwaiste Spielecke in einer Kindertagesstätte
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Alle Daten sind schlechter geworden

Eigentlich hatte Ulrike Ravens-Sieberer gehofft, dass Kinder und Jugendlichen adaptieren. Das heißt, dass sie sich mit der Zeit an Corona und die neuen Umstände gewöhnen könnten. "Durch unsere Daten sehen wir aber, das ist nicht der Fall", so Ravens-Sieberer.

Sie ist die Leiterin der Hamburger Copsy-Studie. Ihr Team hat die Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie abgefragt. Zuletzt im Dezember und Januar während des Lockdowns. Alle Daten hatten sich verschlechtert.

"Aufgehorcht haben wir diesmal bei den depressiven Symptomen wie Energielosigkeit, weniger Freude, Schwermut, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder Interessenlosigkeit", sagt Ravens-Sieberer. 

Psychische Belastungen weit verbreitet

Amelie von Ditfurth, Fachärztin für Kinder und Jugendpsychiatrie in Offenburg, hat solche Fälle behandelt. In "Das Interview" von hr-iNFO berichtete sie Anfang des Jahres aus ihrem Klinikalltag: "Uns begegnen tatsächlich Kinder und Jugendliche, die hoffnungslos sind, die deprimiert sind, die darunter leiden, die sich immer mehr zurückziehen, die nicht wissen, wie es weitergeht und sich ganz klein machen und leise werden", erzählte sie damals.

Unter den 7- bis 17-Jährigen gab es in der Copsy-Studie bei jeder oder jedem Dritten Hinweise auf psychische Belastungen. In einer anderen Studie, die vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung vorgelegt wurde, zeigte jeder Vierte während des ersten Lockdowns deutliche Symptome von Depressivität. Dazu wurden Selbstauskünfte von Jugendlichen aus dem deutschen Familienpanel pairfam ausgewertet.

 Anstieg nicht nur von der Pandemie bedingt

Ravens-Sieberer sagt dennoch, dass sie die Ergebnisse dieser Studien nicht überdramatisieren will. "Denn nicht jede psychische Auffälligkeit wird zur psychischen Störung", erklärt sie, "aber wir müssen sie sehr ernst nehmen."

Die psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen haben schon vor Corona stetig zugenommen. Das zeigen zum Beispiel die Daten der Kaufmännischen Krankenkasse KKH, bei der 200.00 Minderjährige versichert sind. Die KKH prognostiziert, dass die Zahlen noch weiter nach oben gehen werden.

Neue Erkrankungswelle droht

Zwei Gründe dafür sieht die Ärztin von Ditfurt in der Pandemie: "Zum einen, dass die Kinder, die sowieso gefährdet sind, noch schwerer erkranken, und zum anderen werden auch Kinder psychisch krank, die bis zum Lockdown dafür keine Risikofaktoren hatten, die gut aufgehoben und versorgt waren."

Dass jetzt, nach der Öffnung der Schulen und dem Ende des Lockdowns, nicht alles automatisch wieder gut ist, darauf weisen Kinderärzte, -Psychologinnen und Psychiater hin. Im Gegenteil, es könnte jetzt sogar noch eine Welle an Erkrankungen nachkommen - wenn jetzt mit Druck versucht wird, Versäumtes nachzuholen oder wenn professionelle Hilfe und Therapieplätze fehlen.

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