Ihr schlechter Ruf eilt der Bahn voraus. Doch wie steht es wirklich um die Deutsche Bahn? Ein Check in Sachen Pünktlichkeit, Sicherheit und Fahrpreise.

Pünktlichkeit

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Waum ist die Bahn keine Alternative fürs Auto?

Podcast aktuell
Ende des Audiobeitrags

Mai 2018: ein japanischer Bahnbetreiber bittet öffentlich um Entschuldigung. Der Grund: Ein Zug war in Tokio 25 Sekunden zu früh aus dem Bahnhof gefahren. Ein Fahrgast verpasste deshalb die Verbindung und kam sechs Minuten später als geplant am Ziel an. Der Fehler wurde in einer Pressemitteilung als "schwerwiegend" bezeichnet.

Deutsche Bahnkunden können von solchen Fehlern nur träumen. Nur drei Viertel aller Fernzüge kamen in Deutschland im letzten Jahr pünktlich ans Ziel. Im Jahr 2010 waren die Züge am unpünktlichsten. Hier kamen nur 72,4 Prozent pünktlich an. Alles, was weniger als sechs Minuten Verspätung hat, gilt bei der Deutschen Bahn übrigens als pünktlich. Fahrten, die abgebrochen wurden – oder die gar nicht erst stattgefunden haben – zählen zur Verspätungs-Statistik nicht dazu.

Zu den Gründen der verspäteten Züge nennt die Bahn fehlendes Personal, sowie Engpässe bei der Infrastruktur und der Fahrzeugverfügbarkeit. Unpünktlichkeit ist für die Bahn nicht nur eine Frage des Prestiges, sondern auch eine Frage der Kosten. 2018 musste das Unternehmen seinen Kunden wegen Verspätungen rund 53 Millionen Euro an Entschädigungen zahlen.

Sicherheit und Funktionalität

Zugfahren ist sicher - das kann man ganz klar so sagen. Statistisch betrachtet, ist nur das Flugzeug sicherer. Am gefährlichsten sind Motorräder und Autos. Gefährlicher als Bahn zu fahren ist es übrigens, Bahngleise zu überqueren. Hier passieren die meisten Unfälle. Bei der Funktionalität der Züge sieht es schon anders aus.

Mehr als die Hälfte der Fernzüge sind im Monat Juni dieses Jahres mit Defekten und Einschränkungen unterwegs gewesen. Die Sicherheit der Fahrgäste war jedoch zu keiner Zeit gefährdet, das gab das Verkehrsministerium bekannt. Ein technischer Defekt ist oftmals auch nur eine Steckdose ohne Strom oder ein geschlossenes Bordbistro. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Anteil der störungsfreien Züge deutlich erhöht.

Preise

Jedes Jahr aufs Neue kündigt die Bahn höhere Ticketpreise an. Das könnte sich aber bald ändern - zumindest was den Fernverkehr angeht. Die Grünen haben Anfang August einen Gesetzentwurf eingereicht, der eine Reduzierung der Mehrwertsteuer in eben diesem vorsieht. Von 19 Prozent auf sieben Prozent. Für den Nahverkehr gilt bereits der ermäßigte Satz. Konzernchef Richard Lutz kündigte an: Den finanziellen Vorteil würde man mit günstigeren Fahrpreisen eins zu eins an die Kunden weitergeben.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 13.9.19, 15-18 Uhr

Jetzt im Programm