Herkules-Solidarische Landwirtschaft
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Wer einen eigenen Garten oder einen Schrebergarten hat, der kennt die Vorteile, Gemüse, Salat und Obst frisch ernten zu können. Alle anderen können diese Lebensmittel nur im Supermarkt oder auf dem Markt kaufen. Die „Solidarische Landwirtschaft“ kann - wenn man so will – beides bieten.

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Der Kunde hat direkt mit dem Landwirt eine Vereinbarung, er zahlt zum einen einen festen Geldbetrag, erhält dafür regelmäßig einen Teil der Ernte und darf auch mitarbeiten. Ein solches Angebot besteht seit eineinhalb Jahren auf dem Falkenhof im Korbacher Ortsteil Strothe. Auf knapp vier Hektar Land, ein kleiner Teil davon in Folientunneln, betreiben zwei junge Familien ihre solidarische Landwirtschaft. Moritz Wintzer-Brand hat ökologische Landwirtschaft studiert und im Frühjahr 2017 das Projekt mit gestartet: "Es ist eigentlich die Idee, dass sich die Verbraucher mit dem Landwirt ihres Vertrauens zusammenschließen. Auf der einen Seite finanziell, indem sie die Ernte abnehmen. Und auf der anderen Seite, dass sie den Hof auch sonst unterstützen, indem sie alle zwei Wochen auf den Hof kommen, um mit uns gemeinsam größere Vorhaben zu realisieren."

Angebaut wird bereits jetzt nach ökologischen Kriterien. Denn das Bio-Zertifikat ist beantragt, ergänzt Öko-Bauer Jens Weidemann. Er stammt vom Falkenhof, führt den Betrieb seiner Eltern fort. "Wir achten schon darauf, Sorten zu wählen, die auf Geschmack gezüchtet sind", sagt er. "Nicht so wie die meisten Supermarktsorten, die auf Wassergehalt und Masse gezüchtet werden."

Offenheit und Transparenz

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Mit 25 Gemüse- und Salatkulturen hat der Falkenhof begonnen. Mittlerweils sind es 35, zählt Öko-Landwirtin Jenny Wintzer vor: "Da reicht die Palette über Wurzeln und Rote Beete, aber auch seltene Gemüse, die heute nicht mehr jedes Kind kennt wie Pastinake, Mairübchen, Asiasalat, aber auch Rucola und Kopfsalate." Als Mitglied der Soldarischen Landwirtschaft zahlt der Kunde einen monatlichen Beitrag. 58 Euro waren vorgeschlagen, gern auch mehr.

Auf regelmäßigen Versammlungen werden grundsätzliche Dinge gemeinsam beschlossen. Alles soll offen und transparent sein. Ein wichtiger Teil von Solidarität, so Öko-Landwirtin Caroline Müller. "Die Mitglieder sollen natürlich sehen, wie wir wirtschaften und Einblick in die Buchhaltung bekommen." Missernten oder andere Engpässe finanziell mittragen, das Risiko auf viele Schultern verteilen. Die Gegenleistung: Gemüse und Salat, an bis zu acht Tagen im Monat. Im Winter seltener. "Wir ernten und wiegen oder zählen", erklärt Öko-Landwirtin Jenny Wintzer. "Dann schreiben wir Empfehlungen auf, aus denen sich jeder - je nach Geschmack und Gebrauch - etwas nehmen kann, so dass am Ende wirklich jeder genug von allem bekommt."

Bewusstsein schaffen, Wertschätzung erreichen

Es gibt auch schon mal Blumen, Obst, Eier der Hühner vom Falkenhof. Oder Honig von befreundeten Imkern. Inzwischen sind 100 Anteile fest vergeben. "Das ist so außergewöhnlich und besonders und daher unterstützenswert", sagt eine Kundin. "Weg von unseren großen Agrarfabriken, wieder hin zu den kleinen bäuerlichen Kulturen", ein anderer. Wer will kann bei Anbau, Pflege und Ernte selbst mit Hand anlegen. Für alle eine wichtige Erfahrung,  auch in den vergangenen trockenen Monaten.

"Es geht schon viel darum, ein Bewusstsein zu schaffen, dass es ein anderer Wert ist", sagt Öko-Bauer Jens Weidemann. "Es ist eine Wertschätzung - ein leidiges Thema in der Landwirtschaft, dass diese Wertschätzung für die Urproduktion wenig gegeben ist. Die Wertschätzung liegt eben mehr auf anderen Bereichen und nicht mehr in dem, was wir in unseren Körper stecken."

Sendung: hr-iNFO, 23.11.2018, 07.10 Uhr

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