Fußballwetten

Ein paar Klicks auf dem Smartphone, ein wenig Glück, und schon ist man ein bisschen reicher: Der Reiz von Online-Sportwetten wird für immer mehr Menschen zur Sucht. Die Folgen sind oft fatal. Ein Stundent aus Hessen hat mit uns über seine Erfahrungen gesprochen.

Sportwetten waren sein Leben. Acht Jahre hat er fast jeden Tag gezockt, mindestens 15.000 Euro hat er dabei verloren, vor allem bei Fußball- und Tenniswetten. Er konnte nicht mehr ohne den Adrenalinkick. Gerade beim Tennis gehe es "unheimlich schnell, da kann jeder Punkt in jede Richtung gehen. In der einen Sekunde ist man total glücklich, dass man es noch gedreht hat und dass man jetzt wieder Geld hat. Und in der nächsten Sekunde ist das Geld wieder weg - das ist schon eine Achterbahnfahrt."

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Dubioses Milliardengeschäft: Sportwetten und ihr Suchtpotential

Bundesliga 2018 - Schnelles Geld mit Sportwetten und als Schiedsrichter
Ende des Audiobeitrags

Abtauchen in die Wettwelt

Sobald er eine Wette verloren hatte, war sein einziger Gedanke: Das Geld muss er sich zurückholen. Außerdem war sein Studium eher eine Belastung und die Wetten so eine gelungene Abwechslung. In Zeiten des Smartphones könne man das auch jederzeit überall machen, auch an der Uni: "Dann sitzt man zwar in einer Vorlesung, kriegt aber nichts mit. Und es ist immer irgendwo irgendeine Sportart und von daher kann man das rund um die Uhr betreiben."

Und auch immer Jüngere füllen online ihren Wettschein aus. 60,7 Prozent der 16- und 17-Jährigen haben bereits Erfahrungen mit Sportwetten gemacht, obwohl Glücksspiele für unter 18-Jährige offiziell verboten sind. Der 26-jährige Student hatte immer größere Zukunftsängste. Da war es am einfachsten, die Gedanken wegzuwischen und in die Wettwelt abzutauchen. Vor allem seine Freundin hat er dabei immer häufiger anlügen müssen, denn er wollte auf keinen Fall zugeben, wettsüchtig zu sein. Zur finanziellen Belastung kam eine weitere dazu: "Man muss sich ein Lügenkonstrukt aufbauen, das man dann auch irgendwie in Stand halten muss."

Geständnis nach acht Jahren

Doch nach acht Jahren ist sein Geld weg. Das Studium musste er abbrechen, da er eine entscheidende Klausur nicht bestanden hat. Der Tag der Wahrheit steht an. Er beichtet seiner Freundin und seinen Eltern seine Wettsucht. Sie stehen hinter ihm. Seit Anfang des Jahres ist er in Therapie und hat nun auch einen neuen Job. Seitdem fühle er sich wesentlich besser: "Ich fühle mich aufgehoben und wesentlich selbstbewusster. Und ich habe einfach eine Zukunftsperspektive."

Weitere Informationen

Etwa 37.000 Menschen in Hessen haben laut Hessischer Landesstelle für Suchtfragen e.V. ein Problem mit Glücksspielen, unter die auch Sportwetten fallen. Die Landesstelle appelliert deshalb an die Politik, Gesetze zu erlassen, die v.a. Jugendliche vor der Spielsucht schützen. [mehr]

Ende der weiteren Informationen

Doch damit die Zahl der Sportwettensüchtigen in den nächsten Jahren nicht noch mehr steigt, liegt es dem 26-Jährigen am Herzen, junge Menschen zu schützen. Denn Werbung von Sportwetten sind immer präsenter und locken viele an. Insofern wäre es "schon sinnvoll, wenn man sowas in Schulen oder Fußballvereinen ansprechen würde." Wenn man nur ein paar Menschen damit erreichen würde, "dann reicht das ja schon." Der Student aus Hessen hat heute noch 5.000 Euro Schulden, doch diese möchte er so schnell wie möglich zurückzahlen und so endgültig der Sportwettensucht den Rücken zukehren.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 9.10.2019, 6-9 Uhr

Jetzt im Programm