Verschwörungstheorien 9/11

Der Staub der Trümmer des World Trade Centers hatte sich noch nicht gelegt, da traten bereits die ersten Zweifler auf den Plan: Wie konnte die mächtigste Nation der Welt von einer Handvoll Terroristen so überrumpelt werden? Es gab eine ganze Reihe von Verschwörungstheorien - und sie halten sich bis heute.

Die Haupttheorie ist bis heute, dass 9/11 in irgendeiner Form ein „Inside Job“ war. Dass die US-Regierung von den Anschlägen im Vorfeld gewusst und sie nicht verhindert hat. Oder sogar aktiv in die Anschläge verwickelt war, sagt der Historiker und Autor Garrett Graff, der ein Buch mit Zeitzeugen-Berichten über den 11. September 2001 veröffentlicht hat.

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New Yorker Feuerwehrleute am 11.9.2001 auf dem Weg zu den rauchenden Trümmern der World Trade Center (dpa)
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Bei seinen Lesereisen in den USA vergehe kein Abend, an dem nicht jemand im Publikum mit der Theorie des „Inside Jobs“ komme, sagt er: "Da ist alles dabei - angefangen von der Idee, dass kein Flugzeug aufs Pentagon gestürzt ist, bis zur Theorie, dass das World Trade Center eigentlich gar nicht angegriffen, sondern kontrolliert von innen gesprengt wurde."

USA traditionell anfällig für religiöse Eiferer

Theorien, für die es nach Ansicht von Wissenschaftlern keine Indizien gibt. Und trotzdem hält sich bis heute vor allem in der US-amerikanischen Bevölkerung hartnäckig das Gerücht, die damalige Regierung sei irgendwie in die Anschläge verwickelt. Was viel mit der Mentalität seiner Landsleute zu tun habe, so Graff: "Die USA sind wie kaum ein anderes Land traditionell anfällig für religiöse Eiferer." Bis zu den Gründungsvätern der Vereinigten Staaten seien diese fanatischen Züge zurückzuverfolgen, die häufig zu Verschwörungstheorien geführt hätten. "Das können wir in allen Bereichen der Politik beobachten über Generationen hinweg."

Schon beim Angriff der Japaner auf Pearl Harbour im Zweiten Weltkrieg gab es Gerüchte, die US-Regierung habe den Angriff absichtlich geschehen lassen, um sich den Rückhalt der Bevölkerung für einen Kriegseintritt zu sichern.

Eine Meinung, die dem eigenen Weltbild entspricht

Und auch nach 9/11 stand schnell die Bush-Regierung im Verdacht, so den Angriff auf den Irak rechtfertigen zu wollen, sagt Joseph Uscinski, der an der Universität von Miami zu Verschwörungstheorien forscht: "Lange war es so, dass mehr Demokraten an diese Verschwörungstheorien geglaubt haben. Denn Bush war ja ein Republikaner. Aber inzwischen ist es so, dass eher Anhänger der Republikaner diesen 9/11-Verschwörungstheorien anhängen. Das liegt vor allem daran, dass manche Republikaner – allen voran Donald Trump – solche kruden Theorien wieder hoffähig gemacht haben, auch in seiner Partei."

Und so glaubt auch 20 Jahre danach laut Umfragen fast jeder dritte US-Amerikaner daran, dass am 11. September 2001 etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Die Theorien reichen von einem Raketenbeschuss der Türme über lukrative Spekulationen am Finanzmarkt bis zu einer Verschwörung des israelischen Geheimdienstes Mossad. "Wenn jemand seiner Regierung sowieso schon misstraut, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zu glauben, dass 9/11 ein Inside Job war", sagt Uscinski. "Es ist nicht so, dass diese Leute groß recherchieren würden. Sie bilden sich schnell eine Meinung, die ihrem Weltbild entspricht."

Noch viele offene Fragen

Und so sagen die Verschwörungstheorien nicht nur zum Thema 9/11, sondern aktueller auch zum Corona-Virus oder QAnon eine Menge aus über das Vertrauen weiter Teile der Bevölkerung in die Regierenden.

Aber auch wenn die großen Verschwörungstheorien jeder Grundlage entbehren, bleiben doch auch 20 Jahre nach dem 11. September 2001 viele Fragen offen, sagt Autor Garrett Graff: "Es gibt da in der Tat eine Menge ungeklärte Dinge. Aber die haben nichts mit Verschwörungstheorien zu tun. Da geht es um Fragen wie: Wer wusste wann was? Warum sind bestimmte Dinge gemacht worden nach den Anschlägen? Was hätte man vielleicht anders machen können? Da sind noch viele Fragen offen. Und vielleicht werden wir auch nie die Antworten darauf erfahren.

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