Salzbachtalbrücke

Sie hat inzwischen den traurigen Ruf als Wiesbadens größtes Verkehrshindernis. Am Samstag soll die Salzbachtalbrücke nun gesprengt werden, damit der Neubau vorangehen kann. Vor dem Abschied blicken wir noch einmal zurück: auf Verkehrschaos, Konflikte und den großen Schlag.

Freitagnachmittag, 18. Juni. Für die Anwohner fühlt es sich fast wie ein Erdbeben an. "Es hat einen Schlag getan, wir haben erst gedacht, da sei vielleicht ein Auto ins Haus gerast." Alles habe gewackelt, man habe das richtig im Körper gespürt.

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zum hessenschau.de Livestream Sondersendung zur Sprengung der Salzbachtalbrücke

Ein Mann in schwerer Schutzkleidung bearbeitet mit Feuer und Funkenflug einen Pfleiler der Brücke. Auf dem Foto steht in großen Lettern "LIVE-STREAM".
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Zur gleichen Zeit steht der Wiesbadener Theologiestudent Wulf Goretzky mit seinem Auto im Stau und beobachtet, wie sich an der Salzbachtalbrücke eine Staubwolke löst, und alarmiert die Polizei. "Aus dem Nichts habe ich dann eine Staubwolke gesehen und ein paar Sekunden später fallende Brocken, ungefähr faustgroß", erinnert er sich.

"Verkehrstechnischer Albtraum"

Noch am gleichen Abend wird die Salzbachtalbrücke wegen Einsturzgefahr voll gesperrt, ebenso die darunterliegenden Bahngleise und eine Bundesstraße. Die Rede ist von einem Spontanversagen. "Es ist so, dass der Brückenüberbau sich abgesenkt hat, quasi auf den Pfeilerkopf sich abgelegt hat, weil das Lager, das das wie so ein Kissen oder eine Rolle abfedert, kollabiert ist", erklärt Alexander Pilz von der Autobahn GmbH des Bundes. Was folgt, ist ein verkehrstechnischer Albtraum. So drückt es der Wiesbadener Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende aus.

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Zum Artikel Der große Knall und sein Effekt – wenn die Salzbachtalbrücke gesprengt wird

Salzbachtalbrücke - eine Aufnahme aus dem Juni 2021 - noch ohne Stützpfeiler - darauf steht ein Lkw
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80.000 Fahrzeuge, die täglich die Brücke queren, suchen sich nun Schleichwege durch die Stadt. Fahrten, die eigentlich 15 Minuten dauern, dauern jetzt 45, die Straßen sind verstopft. Züge und S-Bahnen können den Hauptbahnhof nicht anfahren, Bahnfahrer stranden in Wiesbadener Vororten und müssen mit Ersatzbussen vorlieb nehmen. "Umfallen ist in den Bussen überhaupt nicht möglich, alles total überlastet", sagt eine Frau, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war.

Überfälliger Neubau

Spannend ist die Frage, warum die marode Brücke zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch steht. Denn der Neubau der Salzbachtalbrücke hat schon 2017 begonnen, die erste Brückenhälfte sollte 2020 fertig sein. Durch einen Bauunfall verzögern sich aber die Arbeiten, dann gibt es monatelang Streit um das Abbruchkonzept. Im Verkehrsausschuss des Landtags argwöhnt der SPD-Abgeordnete Tobias Eckert, dass man wertvolle Zeit vergeudet hat: "Offensichtlich ein Hickhack in der Frage der Ausführung, der Planung. Das, was wir da heute gehört haben, waren teilweise abenteuerliche Einblicke in das Verhandlungs- und Geschäftsgebahren in der Frage öffentliche Verwaltung Bauwirtschaft."

Schon kurz nach der Havarie fällt die Entscheidung, beide Brückenhälften zu sprengen, um den überfälligen Neubau zu beschleunigen. Allerdings darf niemand in die Nähe der Brücke, ehe sie wieder stabil ist. Deshalb müssen ferngesteuerte Baumaschinen ran, um den abgeknickten Pfeiler mit Stahl und Beton zu verstärken und Hilfstürme unterzuschieben. "Da muss man ganz langsam und vorsichtig diese Hilfsstütze platzieren und dann wird die Hilfsstütze unter die Brücke gepresst", erklärt Matthias Achauer von der Autobahn GmbH.

Vorbereitung für den großen Knall

Im September ist es dann endlich so weit, dass man wieder an und unter der Brücke arbeiten kann, um die Sprengung vorzubereiten. Jetzt wird es wuselig: Die Bahn montiert Gleise und Oberleitungen ab, Muldenkipper karren 50.000 Kubikmeter Sand heran, um die Bahntrasse und die Bundesstraße zu schützen, der Salzbach wird verrohrt, das Klärwerk gesichert, 1.150 Sprengladungen und elektronische Zünder angebracht. Der Countdown für den großen Knall läuft.

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Sprengung der Salzbachtalbrücke

Am Samstag (6.11.) um 12 Uhr soll die Brücke gesprengt werden – sofern bis dahin wirklich alles glatt läuft. Garantiert ist das nicht, denn die Sprengung ist einzigartig. Am Ende sind es nämlich zwei Brücken, die dem Erdboden gleichgemacht werden. Die Südbrücke kollabiert zuerst und dann kippt die Nordbrücke. Dabei wird es zu großen Erschütterungen kommen. Das hr-fernsehen überträgt die Sprengung ab 10 Uhr live.

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