Ab Freitag gilt in Frankfurt vielerorts eine Maskenpflicht im Freien.

Kontaktbeschränkungen, Alkoholverbot, Maskenpflicht: Seit März versucht die Politik mit vielen Mitteln, eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Aber welche Maßnahmen sind tatsächlich wirksam? Ein Überblick über den aktuellen Stand der Forschung.

Im März und April folgte eine Maßnahme auf die andere. Im Nachhinein festzustellen, welche genau wie wirksam war, ist schwierig, sagen Wissenschaftler. Doch eine Analyse des Max-Planck-Instituts in Göttingen hat insgesamt drei Wendepunkte im Infektionsgeschehen festgestellt: Nachdem am 8. März große Veranstaltungen abgesagt wurden, breitete sich das Virus zum ersten mal deutlich langsamer aus. Außerdem am 16. März, als viele Geschäfte, Unis und Schulen schließen mussten. Ein drittes Mal ausgebremst wurde die Verbreitung dann am 22. März, als weitreichende Kontaktsperren in Kraft getreten sind.

Maskenpflicht: "Infektionen um 40 Prozent reduziert"

Im April folgte die Maskenpflicht. Wie wirksam Masken aber tatsächlich sind, wurde immer wieder diskutiert. Eine Studie der Uni Mainz hatte schon im Sommer die Wirksamkeit von Masken untersucht – und bestätigt, dass sie das Infektionsrisiko reduzieren, sagte Professor Klaus Wälde von der Uni Mainz Anfang Juli.

Man habe sich öffentlich zugängliche Daten des RKI angeschaut und einen Blick auf Jenau geworfen, weil die Maskenpflicht dort früher eingeführt wurde als in anderen Regionen und Bundesländern. "Wir haben dann die Entwicklung in Jena verglichen mit vergleichbaren Regionen in Deutschland und sind dann zu dem Ergebnis gekommen, dass das Tragen von Masken die Anzahl der Infektionen tatsächlich um 40 Prozent reduziert hat im Laufe der ersten zwei Wochen."

Alkoholverbot: keine wissenschaftlichen Belege

Effektiv sei auch das Alkoholverbot, das aktuell in vielen Städten ab einer gewissen Uhrzeit gilt, sagt Professor Johannes Knobloch. Er ist Leiter im Bereich Krankenhaushygiene am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Doch das Alkoholverbot stößt nicht bei allen auf Verständnis: "Das Ganze bringt überhaupt nichts", sagen einige Passanten in Frankfurt.

Andere können die Maßnahmen nachvollziehen: "Ich kann's verstehen - man sieht, wie fahrlässig die Leute damit umgehen, gerade mit mehr Pegel sozusagen.“Diese Einschätzung teilt auch Professor Knobloch: Alkohol löse die Hemmungen und das könne dazu führen, dass sich Menschen nicht mehr konsequent an Abstands- und Hygieneregeln halten. Auch wenn es derzeit keine wissenschaftlichen Belege dafür gebe.

Beherbergungsverbot: "nicht zielgerichtet"

Aktuell häufig diskutiert und kritisiert werden auch die generellen Beherbergungsverbote. Unter anderem von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow: "Warum ich alle anderen Bürger aus dem Landkreis, die gar nichts mit dem Hotspot zu tun haben, gleichzeitig nicht beherbergen sollte und meine Hoteliers dann dazu zwingen sollte, dass sie diese Menschen auch des Hauses verweisen, dass ist ein Eingriff in das Gewerberecht, der nicht mehr akzeptiert werden kann.“

Auch der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit aus Hamburg bezeichnet die Beherbergungsverbote als "nicht zielgerichtet." Die Corona-Lage sei dafür viel zu dynamisch, sagte er tagesschau.de. Innerdeutsche Reisende sind aus seiner Sicht nicht der Hauptgrund für die steigenden Zahlen.

Sendung: hr-iNFO "Das Thema", 26.10.2020, 15 bis 18 Uhr

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