Eine Frau in Rückenansicht, die gleichzeitig telefoniert und am Computer arbeitet
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Den Achtstundentag gibt es nun seit 100 Jahren. Immer mal wieder werden andere Konzepte diskutiert. Warum diese Form heute besonders wichtig ist.

Auch nach 100 Jahren halte ich den Achtstundentag grundsätzlich für richtig. Natürlich hat die Digitalisierung schon vieles verändert und wird gerade die Arbeitswelt noch weiter verändern. Kunden und Mitarbeiter von Unternehmen sind über den gesamten Globus verteilt. Sie können und müssen jederzeit miteinander in Kontakt sein. Da verstehe ich den Wunsch, die Mitarbeiter auch mal länger als acht Stunden arbeiten zu lassen. Zehn, zwölf oder vierzehn Stunden – wenn man morgens etwas mit dem Werk in Korea klären muss, um dann abends mit den Kunden in Kanada zu verhandeln.

So gesehen ist der Wunsch vieler Arbeitgeber nachvollziehbar, dass das Arbeitszeitgesetz gelockert wird und nicht mehr streng der Achtstundentag gilt. Allerdings bin ich auch davon überzeugt: Dieser Wunsch führt in die falsche Richtung. Der Druck auf die Arbeitnehmer würde weiter steigen. Im Alltag sind Arbeitnehmer längst sehr flexibel. Sie arbeiten auf Zuruf, sind auch außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit erreichbar, oft genug schon jetzt mehr als eigentlich gut für sie ist. Nicht umsonst steigt die Zahl der Krankheitstage durch psychische Belastungen. Jetzt den Achtstundentag aufzugeben, hieße für mich, Arbeitnehmern notwendigen Schutz zu nehmen.

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Eher als Schutz und Grenze

Es kommt vielmehr darauf an, Grenzen zu setzen. Wann darf ich mein Smartphone ausschalten? Wann muss ich keine Mails mehr beantworten? Und: Die Arbeit muss besser organisiert und verteilt werden, damit Sie die Einzelnen nicht überlastet. Außerdem müssten sich die Arbeitszeiten noch viel öfter an den Bedürfnissen der Beschäftigten orientieren.

Zufriedene Mitarbeiter, die bei den Arbeitszeiten mitbestimmen, sind in der Regel auch produktiver. Das sollte auch im Interesse der Unternehmen sein. Gerade jetzt nach 100 Jahren mitten in der Digitalisierung halte ich den Achtstundentag für wichtig. Konkret als Schutz und als Grenze und auch als Symbol dafür, dass Arbeit nicht krank machen, nicht überfordern darf. Nur dann haben alle - die Beschäftigten, die Unternehmen und am Ende auch die Kunden - etwas davon.

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Sendung: hr-iNFO, 3.1.2019, 7.30 Uhr

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