Pflegekraft spricht mit Seniorin
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Der Koalitionsvertrag steht - und darin sind auch Verbesserungen in der Pflege vorgesehen. Aber wie sind diese zu bewerten? Nicht gut, findet unsere Kommentatorin.

Ich finde, die Ergebnisse im Koalitionsvertrag sind ein schlechter Scherz. Für hessenschau.de habe ich für einen Selbstversuch eine Woche in einem Pflegeheim mitgearbeitet.  Da habe ich gemerkt, wie hart die Arbeit eines Pflegers wirklich ist - sowohl körperlich als auch psychisch.

Die Pflegebedürftigen zu heben - und sie gleichzeitig beim Sterben zu begleiten. Klar, das Angleichen der Löhne ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber ein ziemlich kleiner, finde ich. Der Pflegeberuf ist nämlich auch danach noch immer einer der am schlechtesten bezahlten Berufe überhaupt – Tarifbezahlung hin oder her.

Mehr Geld und Anerkennung

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Das verspricht der Koalitionsvertrag

Union und SPD setzen zunächst einmal darauf, den Pflege-Job attraktiver zu machen. Zum Beispiel durch einen einheitlichen Tariflohn. Lohnunterschiede von bis zu 1000 Euro soll es dann nicht mehr geben. Außerdem sollen 8000 neue Pflegekräfte eingestellt werden.

Mittelfristig plant die GroKo eine verbindliche Obergrenze, um wie viele Menschen sich ein Pfleger maximal kümmern darf. An diesen Personalbemessungsverfahren wird allerdings noch gearbeitet.

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Das heißt, auch die Tarife müssen sich erhöhen, denn wir werden immer mehr Pfleger brauchen. Schon heute sind etwa drei Millionen Deutsche pflegebedürftig. Und die Zahl wird sich in den nächsten Jahren fast verdoppeln. Die im Koalitionsvertrag versprochenen 8.000 neuen Stellen für Pflegefachkräfte sind daran gemessen lächerlich. Das ist im Schnitt nicht einmal eine Pflegekraft pro Heim in Deutschland. Das ist doch kaum spürbar.

Die Frage, die sich noch mehr aufdrängt, ist doch eigentlich: Woher sollen die Fachkräfte kommen? Zehntausende Stellen sind doch schon jetzt unbesetzt. Für mich sind die geplanten Neuerungen in der Pflege eine Farce – mehr Schein als Sein.

Wirklich ändern, wird sich dadurch nichts. Wenn Union und SPD es wirklich ernst damit meinen, den Beruf des Pflegers attraktiver zu machen, dann sollen sie die Pfleger endlich deutlich besser bezahlen und ihnen mehr Anerkennung verschaffen.

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Der Kommentar gibt die Meinung der Autorin und nicht die der Redaktion wieder.

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