Schüler betreten eine Schule mit Hinweisschild auf die Corona-Regeln an der Tür. (dpa)

Seit Montag gibt es Wechselunterricht an Hessens Schulen. Heißt: Die Klassen eins bis sechs werden zur Hälfte wieder in der Schule unterrichtet. Wie erlebt das eine Familie, die in den letzten Wochen Lockdown, Homeschooling und Homeoffice unter einen Hut kriegen musste?

Frühstücken, einkaufen, kochen, unterrichten und mal ganz nebenbei auch noch Vollzeit im Homeoffice arbeiten. Die Corona-Pandemie hat Eltern in der letzten Zeit sehr viel abverlangt. So auch der Familie Kube aus Seligenstadt: Die Kinder gehen in die dritte und fünfte Klasse.

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Ein Schüler rennt mit Schultasche über den Pausenhof.
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Dass sie jetzt zeitweise wieder in die Schule gehen können, findet Mutter Ena einfach nur: "super." Sie und ihr Mann sind begeistert und erleichtert. "Wir sind alle am Limit und ich glaube, da spreche ich nicht nur für mich, für meinen Mann oder die Freunde, die man kennt. Ich glaube, viele sind gerade am Limit und wir sind froh, wenn es wieder einigermaßen normal läuft."

Wiedersehensfreuden

Erleichtert sind auch Enas Kinder. Frida, die jetzt elf wird, und die achtjährige Elsa: "Ich glaube, es ist ein bisschen anders als sonst, ich glaube, wir haben auch eine Maske an. Aber ich freu mich auf die anderen Kinder." Und auch bei Frida ist die Vorfreude groß, "weil ich ja auch meine Freunde dann wieder sehe und meine Patin. Wir haben ja Paten an unserer Schule, die uns auch begleiten und uns helfen. "

Enas jüngste Tochter Elsa wird an ihrer Grundschule wieder Vollzeit unterrichtet, weil nur 13 Kinder in ihre Klasse gehen. Frida hat am Gymnasium Unterricht im Wechsel. Es ist für alle Familienmitglieder eine Entlastung. Gerade bei neuen Inhalten findet Frida das hilfreich: "Die Lehrer können es am besten erklären und zu Hause mussten wir uns das teilweise selber beibringen."

Nervenprobe familiärer Lockdown

Homeschooling brachte auch nicht mehr Freizeit, wie Mutter Ena erklärt: "Das Arbeitspensum war sehr hoch und ich meine auch nicht unbedingt weniger, als wenn sie präsent in der Schule gewesen wäre. Und wir haben oftmals auch bis in die Abendstunden gesessen, obwohl Frida zu den besseren Schülerinnen in der Klasse gehört."

Der familiäre Lockdown hat an den Nerven gezerrt. Alle sehnen sich nach ein bisschen Alltag, nach sozialen Kontakten und mehr Freiraum, sagt Ena. Sie und ihr Mann wollen sich wieder mehr auf ihre Jobs konzentrieren, die ja zum größten Teil weiter im Homeoffice stattfinden: "Mit beiden Kindern ist es eine starke Herausforderung, Videokonferenzen mit 100 oder mit 50 Teilnehmern aktiv zu gestalten, wenn ständig Fragen gestellt werden und es wird hinter der Kamera durchgelaufen." Auch für die Kinder war es nicht einfach. "Deswegen sind wir beide sehr erleichtert, dass die Kinder endlich ihrer Lehrer und ihre Mitschüler wiedersehen dürfen."

Lernen bei Mama, Papa und Opa

Die Erfahrung, zu Hause zu unterrichten hat dennoch gute Seiten. Die Schulen haben die Kinder in der technischen Ausstattung gut unterstützt. Die Familie hat gelernt, dass Unterricht auch übers Internet funktioniert – zumindest, wenn alle mitmachen: Fridas Vater hat ihr bei Mathematik geholfen, der Opa bei Englisch.

Und Elsa hat im Homeschooling eine eigene Lieblingslehrerin: "Also Mathe, Deutsch und Englisch konntest Du gut erklären, Mama." Das zaubert Mama Ena dann doch ein Lächeln ins Gesicht, bevor sie wieder zum Telefon greift und mit einem Kollegen am Ohr aus dem Wohnzimmer stürmt.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.2.2021, 6 bis 9 Uhr

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