Goethe-Universität in Frankfurt

Mehr als 1,5 Jahre haben die Studierenden in Hessen fast ausschließlich online studiert. Einige kennen das Studium gar nicht anders. An diesem Montag beginnt an vielen Hochschulen das Wintersemester mit Präsenzveranstaltungen – mit ganz unterschiedlichen Regelungen. Wie die aussehen und wie es den Studierenden damit geht: ein Überblick.

Die 24-jährige Lilly Stöckeler studiert im dritten Semester Englisch und Soziologie an der Uni Gießen. Das Studium kennt sie nur unter Corona-Bedingungen. Erst jetzt geht es für sie zum ersten Mal so richtig an die Uni: "Ich freue mich natürlich, endlich mal Kommilitonen kennenzulernen und mit denen auch mal dieses richtige Universitätsgefühl zu haben und in die Gebäude reingehen zu können." Sie glaube auch, dass es beispielsweise bei Debatten einfacher sei, "wenn man jemandem gegenübersitzt und nicht nur graue Kacheln sieht."

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Zum Artikel Das Comeback des Campus: Die Unis starten ins Wintersemester

Der Uni-Campus der Uni Kassel. An einem Gebäude steht in großen Buchstaben "Universität Kassel".
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Präsenzlehre mit 3G

Marius Oldernschläger geht’s ähnlich. Der 23-Jährige studiert im vierten Semester Soziale Arbeit in Frankfurt. Den Großteil des Studiums hat er also schon hinter sich, den Campus hat er aber gerade mal an drei Tagen betreten: "Ich habe jetzt drei Semester online studiert. Ich kenne das noch nicht wirklich, ich freue mich aber drauf, alles auf mich wirken zu lassen und alles mitzunehmen, was sich mir bietet." Beide Unis, Frankfurt und Gießen, wollen Präsenzlehre ermöglichen – mit 3G. Wer also nicht geimpft oder genesen ist, muss dort ein negatives Testergebnis von einer offiziellen Testeinrichtung vorzeigen. Genauso machen es die Unis in Kassel und Marburg.

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„Ich bin ziemlich wütend auf meine Uni.“ Sebastian Eichler, Student der THM Sebastian Eichler, Student der THM
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Eine Hochschule, die sich gegen 3G entschieden hat, ist die Technische Hochschule Mittelhessen (THM). Hier setzt man auf Abstandhalten und Masketragen. Außerdem gibt es Onlineveranstaltungen, aber auch wieder mehr Lehre in Präsenz – zumindest den Versuch, sagt Sebastian Eichler. Er studiert im fünften Semester Eventmanagement und -Technik: "Jetzt wo das Semester los geht, bin ich ziemlich wütend auf meine Uni. Klar, die versuchen, so viel Präsenzlehre wie möglich, aber ich merke in meinem Studiengang davon gar nichts. Wochenends kann ich problemlos in engen Clubs feiern gehen oder auch im Stadion Fußball gucken, aber an der THM ist es scheinbar nicht möglich, ein System umzusetzen, dass diese Präsenzlehre ermöglicht." Vorerst soll nur bei Laborveranstaltungen 3G angewendet werden, weil dort das Abstandhalten schwieriger ist.

"Letztes Wintersemester war super-depressiv"

Auch die Technische Universität Darmstadt hatte sich zunächst gegen ein 3G-Modell entscheiden. Dann hatten sich viele der 20.000 Studierenden darüber beschwert, woraufhin die Uni umschwenkte. "Prinzipiell begrüßen wir die Entscheidung, denn das heißt einfach mehr Leben auf dem Campus", sagt Tobias Huber, Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschuss. Aber gleichzeitig sei es "noch nicht so wirklich greifbar, wie das Ganze umgesetzt wird." Die Studierenden der TU können sich bis Mitte November an zwei Standorten auf dem Campus kostenlos testen lassen, teilt die Uni mit.

Auch Sebastian Eichler wünscht sich, wieder an den Campus der THM in Gießen zurückzukehren. Für ihn ist ein weiteres Online-Semester zu Hause vor dem Rechner keine Option: "Das letzte Wintersemester war super-depressiv, ich hab sogar befreundete Studierende, die deshalb in Therapie waren. Und um das nicht nochmal erleben zu müssen, verbringe ich mein Online-Semester auf einem Kreuzfahrtschiff im Ausland, bin im Warmen, verdiene Geld und kann trotzdem studieren." Das klingt wie ein Traum – aber Sebastian sagt auch, lieber wäre ihm ein ganz normales Semester an der Hochschule.

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