Hände auf einer Bettdecke
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Sterbehilfe ist in Deutschland weitestgehend verboten. Dagegen haben Ärzte und Sterbehilfevereine geklagt, das Bundesverfassungsgericht verhandelt derzeit darüber. Wie stehen Schwerkranke zum Thema? Ein Besuch in einem Hospiz.

Es ist ein schöner Frühlingstag im Hospiz "Fanny de la Roche" in Offenbach. Die Sonnenstrahlen fallen durch die transparenten Vorhänge und die bodentiefen Fenster. Die Bewohnerin des Zimmers kann in den Garten hinausschauen. Auf einer kleinen Anrichte am Ende ihres Bettes reihen sich bunte Blumensträuße. Die haben Familienmitglieder und Freunde vorbeigebracht, erzählt sie stolz.

Die 70-Jährige ist seit knapp einer Woche hier. Sie hat Krebs – im Endstadium. Die Krankheit hat ihr zugesetzt, trotzdem ist heute ein guter Tag, sie lächelt und fühlt sich wohl. Sie möchte ihren Namen nicht nennen, ist aber bereit, über ihre ganz persönlichen Gedanken zum Tod und zum Sterben zu sprechen: "Da hab ich mir schon ganz lange Gedanken drüber gemacht. Und ich habe keine Probleme mit dem Sterben. Ich denke, das Sterben gehört einfach mit dazu. Das ist ein Weg, den jeder gehen muss und das ist was ganz Normales und man braucht sich auch nicht fürchten."

"Nicht verkehrt, wenn man was zu sagen hat"

Seit fünf Jahren, also seit der Diagnose, beschäftigt sie sich mit dem eigenen Tod. Heute ist sie froh, dass sie noch lebt. Aber es gab schon Tage, an denen sie froh gewesen wäre, wenn ihr Leben vorbei gewesen wäre: "Wenn's einem richtig schlecht geht, wie die Tage vorher im Krankenhaus, da hab ich jeden Tag drum gebetet: 'Lieber Gott, lass mich sterben'. Aber hier geht's mir jetzt wieder so gut, dass ich auch sage: 'Ach, ich kann noch ein paar Tage dableiben'."

An guten Tagen wie diesen ist die 70-Jährige froh, dass sie noch da ist. Sie freut sich über Besuche von ihrem Mann, den Kindern und Enkelkindern. Und dann ist auch ein Urenkel unterwegs. Als sie das erzählt, strahlen ihre Augen. Obwohl gerade alles verhältnismäßig gut bei ihr ist, hätte sie trotzdem gerne die Möglichkeit, auch in Deutschland Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen: "Das wäre nicht verkehrt. Es ist natürlich hier in Deutschland ein schwieriges Thema." Sie könne noch vieles selbst, aber "wenn man das alles nicht mehr kann ... Es gibt ja Menschen, denen geht es noch schlechter als mir. Von daher denke ich, so verkehrt ist es nicht, wenn man da was zu sagen hat."

"Man spürt, wann es zu Ende geht"

Selbstbestimmt Sterben, das ist der Schwerkranken wichtig. Denn jeder, der so schwer krank ist, sollte die Wahl haben, wann das Leben endet, findet sie. Das ist etwas, was gesunde Menschen kaum nachvollziehen könnten. Aber schließlich würde jeder Sterbenskranke ganz genau spüren, wann das Leben dem Ende zu geht: "Ich denke schon, dass man selber merkt, wenn das näher kommt. Und ich denke auch manchmal ist es gut, wenn man selber sagen kann, jetzt ist es genug."

Sendungt: hr-iNFO, 17.4.2019, 16:10 Uhr

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