Mitarbeiter ziehen sich auf der Corona-Station in einer Klinik ihre Virenschutzkittel an.  (dpa)

Covid-19 - viele Menschen mit dieser Diagnose landen auf der Intensivstation. Die schlimmsten Fälle müssen beatmet werden. Oft wochenlang kämpfen Ärzte und Pflegekräfte um die Patienten. Nicht immer gewinnen sie den Kampf. Wie gehen sie damit um?

„Es ist einfach nur Erschöpfung, man ist fertig. Rückenschmerzen, Schulter, Nacken ist verspannt! Es ist der Marathon, den wir laufen, der das momentan wirklich anstrengend macht." Olga Tschamkin ist Krankenpflegerin auf der Covid-Station im Krankenhaus Gelnhausen.

"Das geht einfach nicht spurlos an einem vorüber. Da sind sehr viele verstorben, das war sehr belastend für uns alle." Maria Vehreschild leitet die Infektiologie in der Uniklinik Frankfurt. Die beiden arbeiten seit gut einem Jahr da, wo die Pandemie ihr tödliche Macht zeigt. Sie kämpfen seit 12 Monaten um Menschenleben.

"Man muss sich distanzieren"

Derzeit kommen wieder mehr Covid-19-Patienten auf ihre Stationen, für Professorin Vehreschild ist das wie ein Déjà-vu, es erinnert sie an die schlimmsten Tage der zweiten Welle um Weihnachten. Damals waren viele Patienten Bewohner aus Pflegeheimen, von denen viele verstarben: "Das war sehr belastend für uns alle. Ich glaube, derzeit ist es sehr schwer für die Kolleginnen und Kollegen auf den Intensivstationen, wo einfach auch die Mortalitätsraten sehr hoch sind und man jede Woche Tote zu beklagen hat. Und das geht nicht spurlos an einem vorüber."

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Portrait Frau mit Zopf und Brille
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Und doch, sagt die Ärztin, ist es wichtig, sich ein Stück weit abzugrenzen vom Leiden und Sterben, sich selbst zu schützen. "Auf eine gewisse Art muss man sich sicher distanzieren von den Patienten, weil es einen sonst emotional zu sehr mitnimmt und man dann die Patienten auch nicht mehr so gut versorgen kann, wenn man sich in jeden Fall zu stark involviert." Das bedeute nicht, dass man keine Empathie mehr für die Patienten habe, "aber man muss sich irgendwo auch abgrenzen - für die eigene Gesundheit."

Abschied in Schutzkleidung

Nicht einfach, wenn Menschen gehen, die die Frauen tagelang, wochenlang begleitet haben. Nicht einfach, wenn dann ein Angehöriger kommt, um Abschied zu nehmen. Nur dann, erzählt Olga Tschamkin, ist ein Besuch möglich. Natürlich nur mit voller Schutzausrüstung. "Wir begleiten sie rein und raus, wir lassen ihnen auch den Moment beim Patienten alleine, wir stehen da nicht Wache. Die können ihren intensiven Moment alleine nutzen. Wir bleiben aber auch dabei, wenn das jemand wünscht, das kommt auch vor."

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Olga Tschamkin
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Und auch sonst versuchen sie, es den Angehörigen so leicht wie möglich zu machen, führen sie etwa durch die Reihenfolge, wie die Schutzkleidung wieder abgelegt werden muss, damit sie sich nicht noch durch Anleitungen lesen müssen. "Wir machen es dann einfach zusammen, weil die ja in dem Moment keinen Kopf dafür haben, das ist aber auch verständlich und in Ordnung."

Arbeiten im Grenzbereich

Sterben und Abschied nehmen – natürlich gehört das zur Arbeit einer Pflegerin und einer Ärztin. Aber seit einem Jahr sind die Dimensionen einfach ganz andere, sagt Maria Vehreschild. In Anbetracht der schieren Masse an Patientinnen und Patienten fühlt sie manchmal Hilflosigkeit. Eine gute Versorgung können sie in der Uniklinik leisten, aber für wie viele? Es sind die Grenzen der Leistungsfähigkeit, die Ihr Sorgen machen.

Olga Tschamkin arbeitet permanent an diesen Grenzen. Denn neben den psychischen Belastungen ist ihr Job in der Covid-Station auch körperlich sehr anstrengend. Lange Schichten in der Schutzkleidung, Handschuhe, Atmen durch die Maske, hinter einem Visier: "Ja ich bin müde, ich habe Schmerzen: Rückenschmerzen, Schulter, Nacken ist verspannt. Des Öfteren auch mal Kopfschmerzen durch den Schichtwechsel, das ist jetzt was Neues wegen der Montur. Dann vom Heißen ins Kalte, da denkt man dann 'Oh, jetzt werde ich krank'. Jetzt hat man Halsschmerzen oder ist es vielleicht doch Corona? Aber dann ist gar nichts, es ist nur Erschöpfung und man ist einfach nur fertig!"

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Roland Krabs, Oberarzt, untersucht einen Patienten auf der Covid 19 Intensivstation im SRH Waldklinikum.  (dpa)
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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 16.4.2021, 6 bis 9 Uhr

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