Greenpeace-Demonstrant mit weißer Atemschutzmaske auf der steht: NOX
Greenpeace-Demonstranten gegen Stickstoffoxide Bild © picture-alliance/dpa

Die Luft in deutschen Städten ist schlecht und das liegt auch an den Abgaswerten der Autos. Das ist unbestritten. Aber wie gefährlich können die Abgase von Dieselautos werden?

Am schlimmsten belasten Dieselautos in deutschen Städten die Umwelt und die Lunge. Denn aus deren Auspuff kommt giftiges Stickstoffdioxid. "Vor allem Asthmatiker merken es früher, dass sie Probleme haben, Reizhusten bekommen", sagt Sabine Jakub vom BUND. "Es kann aber auch bei einer dauerhaften Belastung zu Herz-Kreislauf-Problemen kommen. Und man geht davon aus, dass auch etliche tausend Menschen im Jahr in Deutschland wegen der hohen Stickoxid-Konzentration sterben."

Bestätigt wird ihre Annahme inzwischen vom Umweltbundesamt - eine Behörde, die die Bundesregierung unterstützt. Dort heißt es in einer Studie: "Rund 6000 Menschen in Deutschland sterben pro Jahr vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die von Stickstoffdioxid ausgelöst werden". Andere reden von deutlich mehr Toten. Beweisen kann es keiner.

Der Nachweis ist schwierig

NO2 schädigt eher die Gewebe der Bronchien und den Lungenbläschen. Ulrich Franck vom Helmholtz-Insitut für Umweltforschung in Leipzig erklärt deswegen auch, ein direkter Zusammenhang zwischen Stickstoffdioxid und den Toten könne nicht nachgewiesen werden. Trotzdem sieht er eine eindeutige Verbindung. Gefährlich sei das vor allem für gesundheitlich Vorbelastete, für alte Menschen oder für Kinder.

In Europa orientieren wir uns an den Zahlen, die die EU festgelegt hat. Der gültige NO2-Jahresmittelwert für die Außenluft von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde 1999 auf Vorschlag der EU-Kommission von den EU-Mitgliedstaaten beschlossen und 2008 von der EU bestätigt. Das besetreitet auch Eckhardt Rotter, Sprecher des Verbands der Automobilindustrie, nicht. Erstens, so der Verband, sei die Belastung durch Stickstoffdioxid seit den vergangenen Jahren immer wieder gesunken. Und zweitens befänden wir uns im Wechsel zu saubereren Autos. "Aus unserer Sicht gibt es hier keinen Anlass für eine Besorgnis beim Autofahrer", sagt Rotter, "das ist eine ganz wichtige Botschaft."

Die Belastung kann schnell enorm schädigend sein

Dass die Werte insgesamt sinken, stimmt. Das Umweltbundesamt sammelt und bewertet die Daten von über 500 Messstationen deutschlandweit. Dennoch sind es aktuell über 70 Städte, die den Grenzwert von 40 Mikrogramm regelmäßig überschreiten. Im Auto selbst steigen die Werte deutlich darüber, wenn man zum Beispiel hinter einem anderen Auto herfährt. Das haben Heidelberger Umweltphysiker untersucht. Dennis Pöhler erklärt: "Schon Fahrer, die nur eine halbe Stunde oder eine Stunde jeden Tag pendeln und im Berufsverkehr fahren, haben - wenn auch nur kurzfristig - eine sehr hohe Aussetzung von Schadstoffen".

Übersetzt heißt das: In Innenstädten kann die Belastung schnell auf 91 Mikrogramm steigen. In einem Tunnel sogar auf knapp 300. Die Weltgesundheitsorganisation argumentiert, dass Kurzzeitkonzentrationen von über 200 Mikrogramm enorm schädigen können.

Sendung: hr-iNFO, 22.2.2018, 16:10 Uhr

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