Fahnen von Bündnis 90/Die Grünen

Es sind bewegte Zeiten für die Grünen - mit dem Ukraine-Krieg, der Energiekrise und immer wieder neuen Reibereien in der Ampelkoalition. Immer wieder steht etwa Wirtschaftsminister Habeck in der Kritik. Aber wie beurteilt die grüne Basis die Arbeit ihrer Parteimitglieder in Berlin? Unsere Reporterin in Bensheim nachgefragt.

Plakate zum Klimaschutz an den Wänden, Kisten voller Flyer auf dem Boden und Wassergläser mit dem Parteilogo auf dem Tisch: Das Parteibüro der Bergsträßer Grünen in der Bensheimer Innenstadt ist ein kleiner Raum mit großen Glasscheiben. Am Tisch haben drei Parteimitglieder Platz genommen.

In der Mitte sitzt Kira Knapp - sie ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bensheim. Die Arbeit der Regierung könne man in der aktuellen Situation gar nicht richtig beurteilen, sagt sie. Krieg und Wirtschaftskrise seien nicht das Reale: "Also klar, es ist die Realität. Aber es stellt nicht das dar, was die letzten Jahre geschehen ist." Wenn man die Situation im Großen und Ganzen betrachte, werde aber ihrer Ansicht nach eine gute Arbeit gemacht. "Deshalb denke ich nicht, dass die Grünen irgendwo scheitern oder zurückstecken."

"Unfair und unehrlich"

Peter Born neben ihr nickt. Er vertritt die Grünen im Magistrat von Bensheim. Auch er sagt klar: Es seien schwierige Zeiten für eine Regierung. "Aber ich empfinde es gerade als unfair und nicht ganz ehrlich, was die anderen Parteien und auch die Medien machen. Wie sie versuchen, Probleme herbeizuschaffen, was die Grünen in der Regierung tun und was sie vorher gesagt haben. Ich kann verstehen, dass Leute frustriert sind, dass urgrüne Themen nicht bedient haben. Aber ich finde, die beiden Minister machen eine sehr gute Figur." Er meint Außenministerin Annalena Baerbock und Wirtschaftsminister Robert Habeck.

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Von Kernkraft bis Kriegswaffen: Die Grünen in schwierigen Zeiten

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Dass der sonst als charmante und eloquente Redner bekannte Politiker zuletzt scharf in der Kritik stand wegen des Hin und Hers um die Gasumlage – das findet Peter Born aus Bensheim falsch. "Die Umlage ist sicherlich ein Schnellschuss gewesen", meint er. Aber ich fände es gut, wie damit umgegangen worden sei - dass man das Thema als Fehler anerkannt und rückgängig gemacht habe. "Ich finde insgesamt: Frau Baerbock und auch Herr Habeck sind sehr gute Kommunikatoren. Besser als alle anderen."

"Können nicht in einem Jahr Versäumnisse von Jahrzehnten aufholen"

Aber: Alle grünen Ministerinnen und Minister in Berlin würden eine gute Arbeit machen, finden die Grünenmitglieder in Bensheim. Dass da durchaus mal harsche Kritik von anderen Parteien oder sogar aus der Bevölkerung an den Grünen kommt, findet Sina Klock nichts Außergewöhnliches. "Die Grünen sind da ja einiges gewöhnt. Erstmal parteiintern sind wir Diskussionen gewöhnt und setzen uns mit uns selbst auseinander. Wir machen es uns nie einfach mit Problemen."

Sina Klock ist vor fünf Jahren in die Partei eingetreten. Vor allem, weil sie den Klimaschutz voranbringen wollte, erzählt die Bensheimer Stadtverordnete. "Aber ich kann nicht von der jetzigen Regierung verlangen, dass sie die Versäumnisse von Jahrzenten in einem Jahr aufholen. Wir hätten schon vor Jahren in Erneuerbare Energien investieren müssen. Das ist unterblieben. Ich würde mir wünschen, dass Bürokratieabbau kommt, um die Energiewende möglich zu machen." Zustimmung bei ihren Parteikollegen am Tisch.

Fast ein Jahr sind die Grünen jetzt an der Regierung – seitdem haben sie laut Peter Born deutlich gezeigt: "Die Grünen sind erwachsen geworden. Und vertreten eine sehr realistische Politik. Viele Leute wünschen sich mehr, aber wir haben keine absolute Mehrheit." Die FDP sei in der Koalition konträr zu den Grünen und da müssten Kompromisse gefunden werden. Das werde von vielen Leuten kritisch gesehen, aber das sei das System, wie eine Koalition funktioniere. Gemessen an den Umständen jedenfalls könnten die Grünenmitglieder mit der Leistung ihrer Partei mehr als zufrieden sein, meint Peter Born.

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