Mann bläst Vaporizer-Dampf in die Luft

Eine neue Studie aus den USA zeigt: E-Zigaretten steigern das Risiko, eine Lungenkrankheit wie Asthma, Bronchitis oder COPD zu bekommen. Damit ist erstmals ihre Schädlichkeit nachgewiesen.

Mathias Beckers zieht an seiner E-Zigarette und pustet eine große Dampfwolke aus. In seinem Geschäft in Frankfurt-Sachsenhausen hat er tausende verschiedene Modelle von E-Zigaretten im Angebot, sagt er. Das Prinzip sei dabei aber immer gleich: In der E-Zigarette wird eine spezielle Flüssigkeit – oft auch als Liquid bezeichnet – verdampft: "Das kann man sich so vorstellen wie einen kleinen Toaster. Da ist genau der Draht drin, der in Toastern drin ist. Und dann wird über einen Docht - das kann Watte sein oder eine Silikatfaser - das Liquid aus dem Tank zur Heizspirale gebracht und wird dort verdampft."

Die Liquids gibt es in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen. Oft dabei: Nikotin. Wie viel, das kann sich der Kunde aussuchen. Und: Aromen, also Geschmäcker. Von Apfelstrudel mit Zimt  über Blaubeer-Menthol bis hin zu Gaucho-Tee sind die Liquids für E-Zigaretten in praktisch allen Geschmacksrichtungen zu bekommen. 

Dampfen - gesünder als rauchen?

Wer an einer E-Zigarette zieht, raucht also nicht – er dampft. Damit führt der Name E-Zigarette in die Irre: Mit Tabak haben E-Zigaretten nämlich nichts zu tun. Und Dampfen klingt zwar gesünder als rauchen, aber es gibt eine Faustregel, sagt Professor Joachim Bargon, Lungenarzt an den Frankfurter Rotkreuz-Kliniken: "Alles, was in die Lunge rein geht außer Luft, ist nicht gut für die Lunge."

Auch vom Dampfen mit E-Zigaretten rät er dringend ab, nicht zuletzt weil es in den USA zuletzt sogar mehr als 50 Todesfälle gegeben hat. Viele weitere Menschen mussten nach dem Gebrauch von E-Zigaretten in Krankenhäusern behandelt werden. Ganz ausschließen, dass das auch bei uns in Europa passiert, könne man nicht, sagt Lungenarzt Joachim Bargon: "Wir wissen oftmals gar nicht, was genau in den Liquids drin ist. Gerade die, die irgendwelche Aromastoffe haben, werden irgendwo in China hergestellt. Niemand weiß, was da drin ist - und das ist ein Problem!"

E-Zigaretten erhöhen Erkrankungsrisiko

Dass Dampfer von E-Zigaretten ein erhöhtes Risiko für Lungenkrankheiten wie Bronchitis oder Asthma haben, haben US-Forscher aus San Francisco in ihrer Studie jetzt nachgewiesen. Mit Alternativprodukten zur E-Zigarette wie dem Tabakerhitzer IQOS des Tabakkonzerns Philipp Morris hat sich die aktuelle Studie allerdings nicht beschäftigt. Auch sie sind aber schädlich. Langzeitstudien, die etwa untersuchen, ob E-Zigaretten auch das Krebsrisiko steigern, fehlten aber immer noch, gibt Professor Bargon zu bedenken.

Er kann sich nur eine Gruppe Mensch vorstellen, für die E-Zigaretten vielleicht eine gute Option sind - oder die bessere von zwei schlechten: "Wenn es sich überhaupt für jemanden eignet, dann für die, die zwei Päckchen Zigaretten am Tag rauchen und sagen, sie wollen aussteigen und sie brauchen das Nikotin – und steigen um auf die E-Zigarette." Da könne man sagen, dass das noch in gewisser Weise sinnvoll sei. Doch eins steht außer Frage, sagt Bargon: "Besser ist es, ganz aufzuhören."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 17.12.2019, 15 bis 18 Uhr

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